Wii…?!

Zugegeben: so etwas sollte uns ja NIE ins Haus kommen. Spielkonsolen. Das ist doch nicht gut! Das ist doch Hopskäse! Alles Humbug! Nein, mit solchen Dingen wollten wir, pädagogisch, wie wir nun einmal sind, nichts zu tun haben. 

Aber ach: eine Tochter in der 4. Klasse zu haben, ist nicht nur etwas Schönes, Aufregendes, Interessantes, nein, es bewirkt auch ungeahnte „Rückkopplungen“. Denn alle (ALLE!) Kinder in ihrer Klasse hatten (wahrscheinlich schon immer, ich weiß es nicht genau) ein Nintendo DS.

Da war es. Nintendo. Muuu-aa-ah! Spielkonsole. Aber Töchterlein wollte natürlich KEINS haben. Hat sie gesagt. Monate später klang das schon nicht mehr ganz so. „Damit kann man prima Mathe lernen!“

Na klar, wissen wir doch. Na sicher…

Dann stand Weihnachten vor der Tür. Töchterlein hat sich keins zu Weihnachten gewünscht, nein, wahrscheinlich hatte sie Bedenken, schließlich kennt sie uns und unsere nicht immer so pädagogische Art, lustige (wie wir finden) Bemerkungen über solche Kinderwünsche zu machen. Doch was soll ich sagen, von ihrem Weihnachtsgeld (sponsored by Omma und Oppa) durfte sie sich dann eins kaufen. Warum? War das inkonsequent? Vielleicht. Aber sie ist halt in der 4. Klasse, sie ist (wahrscheinlich) die einzige, die noch nie im Ausland Urlaub gemacht hat, die noch nie mit dem Flugzeug geflogen ist, die oft ein wenig abseits steht, weil Diabetes und Zöliakie gewisse Einschränkungen mit sich bringen, und die selten horrende Forderungen an ihre Eltern stellt und meist recht einsichtig ist. Unsere Kinder können nur selten mitreden, wenn es um die neuesten Trends geht, ob Mode, Musik oder Fernsehserie, weil wir das vielleicht ein wenig anders halten als andere, und aus all diesen Gründen (und weil Frau Magrat, aber verraten Sie es nicht weiter, früher ein Sega MegaDrive ihr eigen nannte und „Columns“ gespielt hat, bis der Arzt kam oder ihr Lieblingsonkel die Sicherung rausdrehte) und vielleicht noch aus ein oder zwei anderen Gründen, hat unser liebes Tochterkind ein DS, wie man so salopp sagt. Und außerdem kann man damit ja prima Mathe lernen!

„Wii…?“ Werden Sie jetzt vielleicht empört ausrufen. „Was hat das alles mit der Wii zu tun?!“ 

Naja, das ist es ja eben. Vor ein paar Wochen wünschte sich mein lieber Mann dann plötzlich eine Wii zum Geburtstag. Und ich verrate hier nicht, daß ich auch schon einige Zeit davor mit diesem Gedanken spielte! Also: schnell bestellt, das gute Stück, natürlich zu einem Hammer-Schnäppchen-Preis bei einem uns bis dato unbekannten Spielkonsolen-online-Händler. Ebenso schnell das Geld überwiesen, und jetzt heißt es also warten. 7  bis 14 Tage Lieferzeit, naja, nicht pünktlich zum Geburtstag, aber egal.

Doch dann wurde Frau Magrat stutzig: bei näherer Betrachtung wirkte die Seite irgendwie… merkwürdig. Die Angabe der eMail-Adresse war fehlerhaft, die einzige Telefonnummer war gleichzeitig auch die Faxnummer, und vom Faxgerät ständig belegt, so daß ein Anruf folglich nicht möglich war. So langsam wurde ich unruhig. Bestimmt waren das Schwindler! Hatten sich mit meinem vorbildlich überwiesenen Geld längst über alle Berge gemacht, um sich ein Haus in Montevideo zu kaufen! Bestimmt! Schon rief ich meine Bank an, um mein Geld zurückzufordern. Doch die nette Dame klärte mich mitleidig auf, daß das bei Überweisungen nicht möglich sei, nur bei Lastschriften. Mist. Ich wurde panisch. Blätterte im virtuellen „Ö“, doch weder die Hausnummer der betreffenden Straße noch der Name des Händlers tauchten irgendwo auf. Auf der Webseite waren auch keine Angaben zu Steuernummer oder was es da so alles gibt. Es stand nun einwandfrei fest: nach gefühlten 734 getätigten Online-Käufen hatte man uns nun doch übers Ohr gehauen! Schon konnte ich die Stimmen all meiner Eltern und Großeltern hören: „Das haben wir doch schon immer gewußt. Das haben wir dir doch gleich gesagt. Geh lieber ins Haus der Dienste!

Hah! 

Doch halt: es mußte einen Ausweg geben. Mir war bereits speiübel und ich weigerte mich vor Aufregung, meiner Familie Nudeln zum Abendbrot zu kochen. Da fiel es mir wie Schuppen und so weiter: whois!

Schnell die Seite im Browser aufgerufen, Domainnamen eingetippt, und da war sie. Die Telefonnummer des Händlers. Sofort tippte ich sie ins schnurlose Telefon, und wartete. Nein, kein widerwärtiges Fax-Gepiepe. Stattdessen eine Stimme: „Hömmm?“ Oder so. Und er war es. Der Händler. Der potenzielle Wii-an-Frau-Magrat-Verschicker. Ich versicherte ihm erst einmal, daß ich mich freue, daß es ihn überhaupt gäbe. (Solche komischen Anrufe bekommt der arme Mann sicher nicht so oft) Woraufhin er mir versicherte, daß besagte Wii noch diese Woche „rausginge“, es gäbe halt arge Lieferengpässe.

Hurra. Alles würde gut werden. Noch am selben Abend änderte sich der Bestellstatus in „Freigabe zum Versand.“ Was gibt es Schöneres?! Naja, so eine Handvoll Dinge würden mir schon einfallen, aber lassen wir das… Und es gab trotzdem noch Nudeln.

Und nun muß es also bald soweit sein. Der Optimist in mir, der es ja manchmal recht schwer hat, sagt sich, daß sie ja noch HEUTE kommen könnte, mit dem freundlichen DHL-Auto… Der Pessimist, der aber auch recht optimistisch klingt im Moment, ist sich hingegen sicher, daß sie spätestens MORGEN da sein müßte… Aber das ist nun wirklich nicht so wichtig…

Ach, hab ich eigentlich schon erwähnt, daß ein Nintendo DSi weit oben auf Frau Magrats Wunschliste steht…?

Bunte Knete im Kopf

Das denke ich ja manchmal von manchen Mitmenschen. Auch von unseren eigenen Kindern. Aber darum geht es heute nicht. Mein lieber Mann war vorhin mit unserem jüngsten Sproß im Reformhaus, und irgendwie hatten sie wohl keine Lust, eine Viertelstunde lang im Regen auf die Staßenbahn zu warten (komisch..), und so gingen sie kurzerhand noch in den Bücherladen. Dort gab es Knete! Hurra! Schnell 2 Päckchen für die großen Rüben gekauft, und unser Jüngster suchte sich noch fix das teuerste Buch aus der Reihe „Wieso weshalb warum“ aus. Und für mich gab es das hier:

 

 

Toll! Ritter Fips! Von Heinz Erhardt! Ich liebe Heinz Erhardt! Also jetzt nicht SO, Sie wissen  schon….Die Filme, die Gedichte, die Zeichnungen… Hammer!

„Die Rüstung muß, ist man noch klein, besonders unten rostfrei sein.“

Zurück zur Knete. Raten Sie mal, was das hier ist:

Ach ja, der Rest der Knete liegt auf/unter/neben dem Tisch. Und ich bin sicher, auch dieses Mal werden die Knetreste einsam ihr Dasein fristen auf/unter/neben unseren Bücherregalen, im Kämmerchen, in der Küche…  Aber ansonsten: echt nicht schlecht, so Knete. Ihr Einsatz erhöht den Wert auf der nach oben offenen „Was-bin-ich-wieder-pädagogisch“-Skala locker um 10 Punkte.

Und das ist doch schon was.

Friedlich…

…manchmal ist alles perfekt. Zwar oft nicht für mehr als – sagen wir eine halbe Stunde – aber die hat es dann auch in sich. Der Kleinste schläft friedlich auf der Couch, mein Mann am Rechner (nein, er schläft nicht, er arbeitet, aber auch friedlich), und die beiden „Großen“ spielen Schule. Und es sind scheinbar dieselben Kinder, die am Morgen mit dem Spruch „Ich geh nicht in diese Sch***-Schule! Die können mich alle mal!“ aufwachen oder am  Abend, während man noch friedlich und gemütlich mit ihnen im Bettchen kuschelt, droht, alle zu verhauen, wenn man noch einmal in diesen Sch***-Kindergarten müsse.

Also genau diese Kinder spielen jetzt Schule. Haben sich den kleinen vernachlässigten Kindertisch aus dem Flur geholt, ein kleines Stühlchen drangestellt, und nun ist meine Große die Lehrerin. Sie üben zusammen lesen (mit meiner alten Fibel, *gerührt schluchz*) und mit dem Füller seiner Schwester zu schreiben. Ja ich weiß, Füller, Fahrräder und Frauen verborgt man  nicht. Aber der neue Lego-Mars Mission-Füller für unseren Mittleren liegt schon seit Monaten bereit, wartet nur darauf, daß er Interesse am Schreiben zeigt, um sich dann als tolle Überraschung auf ihn zu stürzen.

Musikunterricht hatten sie auch eben. Ich hörte ein sanftes Xylophon-Geklimper, und fünf Minuten später kennt er die C-Dur-Tonleiter auswendig. Echt nicht schlecht. Danach singt mir mein Sohn Rolf Zuckowskis „Geburtstagslied“ vor, ganz leise und schüchtern.

Was mich aber am meisten in Stauen versetzt, ist die Tatsache, daß er so lange so still sitzen kann. Und zuhört. Und aufpaßt. Und Spaß daran hat.

Alles so schön friedlich…

Kann ich mit dir spielen?

Eigentlich müßte es ja heißen: „Konn ich möt dia spieään?“ So oder so ähnlich klingt das nämlich, wenn unser Mittlerer Besuch von seiner Kindergartenfreundin erhält, die, welch glücklicher Umstand, direkt unter uns wohnt.

Praktisch, wenn man sein Kind einfach mal nach oben (/runter/raus/rüber) schicken kann und dann locker an die zwei Stunden seine Ruhe hat. Wahrscheinlich denken die Eltern ‚Die da oben haben eh keine ruhige Minute mit den 3 Kids, schicken wir unseres noch mit rauf, kommt ja nicht drauf an‘. Und haben dann direkt sturmfreie Bude bis zum Abendbrot.

Mein Mann und ich atmen schon auf, wenn eins unserer Kinder mal bei den Großeltern übernachtet, das ist wie ein kleiner Urlaub! Und ich MAG nicht mal fremde Kinder, also ich beiße niemanden, pädagogisch wie ich bin, aber ich muß sie auch nicht um mich herum haben. Dann wird die ganze Zeit rumgeblödelt, Krach gemacht, und unsere Eis- und Naschvorräte schwinden dahin… Oder sie wollen „jetzt doch wieder runter und unten weiterspielen“, werden aber gleich wieder raufgeschickt (vermute ich mal ganz boshaft). Außerdem will unser Jüngster am liebsten auch mit runter, darf aber nicht, weil er noch so viel Blödsinn macht (Wände anmalen/Bad fluten/Essen herumwerfen) und schreit dann eine Viertelstunde am Stück.

Und ich bin die ganze Zeit am Überlegen, wem WIR jetzt die (temporären) VIER Kinder auf’s Auge drücken können, und mir will und will niemand einfallen… ;-)