Das Bild hängt – 4

Es gibt so Orte, an die es einen immer wieder zieht. An denen man Kraft schöpft, und wo man immer wieder etwas Neues entdecken kann. 

Liebenrode ist so ein Ort. Und was gibt es Schöneres, als wenn zwei meiner Liebenrode-Bilder als Fine Art Print – gedruckt auf Leinwand – ihren Platz finden, und das nicht irgendwo, sondern… in Liebenrode! 

Danke fürs Zeigen-Dürfen, liebe Jhördis 

Liebenrode,Kunstdruck,Foto-Leinwand 

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Frau Magrat im Irrenhaus

Das "Irrenhaus"

Mir ist, als wäre es gestern gewesen, daß ich hier im Blog einen ganz bestimmten Artikel über ein ganz bestimmtes Buch angekündigt hatte, aber Zeit ist birnenförmig und verläuft unterschiedlich schnell, wie wir alle wissen, und so kommt es, daß dies eben nicht einen Tag, sondern inzwischen fast zwei Jahre her ist.

Aber nun… ist es soweit.

Es ging um das Buch „Gulliver im Irrenhaus“, welches ich im Rahmen des wunderbaren Buchprojektes „52 Bücher“, ausgedacht vom lieben Fellmonster, hier im Blog vorgestellt hatte. Damals hatte ich dieses Buch nach langer Zeit wieder einmal gelesen, doch anders als bei den etlichen Malen vorher (ich lese gute Bücher immer mehrmals) blieb ich diesmal an einigen Stellen hängen, über die ich früher nur kurz gestolpert war: War es möglich, daß eine der Geschichten, nämlich eben genau  „Gulliver im Irrenhaus“, ganz hier in der Nähe spielte? In Nordhausen und Sundhausen? Warum war mir das nicht schon früher aufgefallen?

Ich habe besagte Stellen im Buch hier in dieser Tabelle zusammengetragen. Bei meinem Buch handelt es sich um die 1. Auflage von „Gulliver im Irrenhaus“ von Hasso Laudon, Buchverlag Der Morgen, Berlin 1986, Lizenznummer: 18-48/3/86 :

 

Seite im Buch Hinweis Anmerkung
 210  Ginkgobaum im Park Scheinbar gibt es tatsächlich genau einen Ginkgo im Park. Vgl. auch: http://www.sundhausen-nordhausen.de/Karlsburg_Pict_003.htm
 210  in dem hohen Schlafraum mit den schweren Stuckornamenten an der Decke Bei unserer Wohnungsbesichtigung konnten wir uns davon überzeugen: Die Räume sind sehr hoch, wie es üblich war in dieser Zeit und für diese Gebäude, und eine der Wohnungen wies sogar noch die originalen Stuckornamente auf.
 211 von den einfachen Leuten im Dorf Klapsmühle genannt […] und imTelefonbuch unter dem Begriff „Psychiatrische Jugendklinik“ zu finden Das von mir als Schauplatz vermutete Sundhausen bei Nordhausen ist definitiv ein Dorf, wenngleich es heutzutage eingemeindet und somit zu Nordhausen gehört. Fuhr man früher (zu DDR-Zeiten) an der alten Mauer und dem dahinter verborgenen Park vorbei, sah man so gut wie nichts vom Schloß und den anderen Gebäuden. Man wußte nur, irgendwo da hinten ist die „Klapper“… Unheimlich war das.
 214 über die Außentreppe in den Park […], den Weg zum Tor […] schmiedeeiserne Gittertür […],verrostetes, nicht mehr erkennbares Familienwappen  Die Außentreppe gingen wir hinunter, das schmiedeeiserne Tor ist noch immer von der Straße her zu sehen. Zum Wappen kann ich allerdings (noch) nichts sagen.Vgl. auch: http://www.sundhausen-nordhausen.de/Karlsburg_Pict_005.htm
 214 Gelände […] von einer Mauer umgeben mit einem Straßengraben davor  Die Mauer steht noch, der Straßengraben war früher wohl sogar ein „12 Meter breiter, wassergefüllter Graben“.
 218  nach dem zweiten/großen Krieg  Das paßt zeitlich, nach dem Krieg erfolgte die Enteignung der Besitzer (Fam. Schreiber), zunächst Nutzung als Feierabend- und Pflegeheim „Anna Seghers“, später Heim für behinderte Kinder und Jugendliche
 221 Aussichtsplatz über einer stillgelegten Kiesgrube  Die Bielener Kiesgewässer und darunter der Sundhäuser See sind ganz in der Nähe, noch heute wird in der Gegend Kies abgebaut.
 235  Klinik … am Stadtrand. In einem alten Villenviertel  Das bezieht sich wohl auf Nordhausen. Im alten Villenviertel in der Oberstadt gab und gibt es eine Psychiatrische Kinder- und Jugendklinik.
 236 durch den oberen Teil (der Stadt), den die Bomben […] verschont hatten […][…]von der Stadtmauer abwärts  Nordhausen wurde zum Ende des 2. Weltkrieges durch die Bomben der Alliierten stark zerstört. Teile der historischen Stadtmauer stehen noch heute.
 236  […]in einer Nische des Rathauses. Buntbemalt. Als hölzerner Roland.  Nordhausen hat einen Roland, vgl. auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Nordh%C3%A4user_Roland
 236  […] hinab in die Unterstadt, in die schmale Zeile der Bahnhofstraße,[…],wenn die Straßenbahn […] hindurchlärmte  Noch heute fährt die Straßenbahn durch die Bahnhofstraße, wenn auch nicht mehr so lärmend.
 237  […] Grünanlage auf dem Bahnhofsvorplatz. Dort stand ein Mahnmal. Es erinnerte an Männer aus ganz Europa, die in den Kreidestollenwenige Kilometer vor der Stadt […] zu Tode gebracht worden waren. Was ist aus dem Mahnmal geworden? Ein Gedenkstein steht nun im noch recht jungen Stadtmuseum in der recht alten „Flohburg“, früher war darin übrigens die Nordhäuser Kinderbibliothek untergebracht, einer meine Lieblingsorte damals, aber das nur am Rande. Auf dem Bahnhofsplatz verweist eine Informationstafel auf die ehemalige Gedenkstätte zu Ehren des im KZ Mittelbau-Dora ermordeten kommunistischen Widerstandskämpfers Albert Kuntz. Vgl. auch: http://nordhausen-im-ns.de/de/575
 245 […]mit der Straßenbahn zum Markt. Am Händeldenkmal. Nun kommt ein Bücherverlag ins Spiel. Die Hinweise im Buch legen die Vermutung nahe, daß dieser in Halle ansässig gewesen sein muß:http://www.strassenbahn-halle.de/info/geschichte/halle.php#Städtische Straßenbahn Hallehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:H%C3%A4ndel-Denkmal1.jpg&filetimestamp=20100506175114&
 251 Nebel hing über der Wiese, die ich vom Bahnhof zum Dorf hin überqueren mußte. Google Maps zeigt, daß die Strecke vom Nordhäuser Bahnhof bis zur Karsburg zu Fuß ca. eine Stunde dauern würde, wohlgemerkt nicht schnurstracks über die grüne Wiese, wie es zur damaligen Zeit noch möglich gewesen sein muß. Heute ist die Fläche bebaut.
Fußgängerroute mit dem Ziel Carlsburger Straße, Nordhausen auf einer größeren Karte anzeigen
 Helle (Plateau)  Unklar. Sundhausen liegt an der Helme, ein Fluß… vielleicht nur eine Namensähnlichkeit?
  Galgenberg  Unklar.. es gibt einen Galgenberg, aber einige Kilometer weit von Sundhausen entfernt.
 Dr. Kröber  Dr. Kröber – auf der Suche nach ihm stieß ich auf einen recht bekannten Psychiater, Jahrgang 1951, dessen Eltern beide Nervenärzte waren, sein Vater arbeitete als Chefarzt in einer Anstalt. Es dürften wohl auch kaum reale Namen für Personen im Buch verwendet worden sein, insofern… vielleicht nur ein Zufall?
[…] Wetterfahne mit der Jahreszahl siebzehnhundertneunzig vom Klinikdach  Was geschah 1790 ? Wurde da ein Gebäudeteil der Karlsburg fertiggestellt? Ebenfalls unklar…

 

Ihr seht, ich war fleißig. Aber es kommt ja schließlich auch nicht oft vor, daß man ein Buch liest und plötzlich seine Heimatstadt darin wiedererkennt – völlig unerwartet – und obendrein, so weit ich es bisher beurteilen kann, ist das auch kaum bekannt! Zum Autor Hasso Laudon gibt es so gut wie keine Informationen, keinen Wikipedia-Eintrag, nix. War er hier in Nordhausen? Er muß die Karlsburg, das Irrenhaus, doch von innen gesehen haben, oder? Hmm. Damals, vor fast zwei Jahren, hatte ich sogar einmal bei einem der angegebenen Kontakte der Sundhäuser Webseite angerufen, um nachzuforschen, ob darüber irgendetwas bekannt ist. Aber Fehlanzeige. Der nette Herr zeigte sich aber sehr interessiert und ich versprach, ihn zu informieren, wenn ich den Artikel fertig hätte. Ähm.. nun, ich hoffe, daß für ihn die zwei Jahre ebenfalls wie im Fluge vergangen sind… *hüstel* …

Aber warum steht nun in der Überschrift: Frau Magrat im Irrenhaus? Ganz einfach – weil wir – ihr habt es beim aufmerksamen Lesen der Tabelle bestimmt schon mitbekommen – uns dort Wohnungen angeschaut haben. Wohnungen! Im Schloß! Leute, so wahr ich hier sitze und euch das schreibe – ich habe meine, wir haben unsere Traumwohnung gefunden! In einer Traumlage, zu erschwinglichen Mietpreisen (es hätte nur ein bisschen mehr wehgetan als unsere jetzige Miete…), in diesem historischen Gemäuer, über welches ich nun schon so lange recherchiere… in hohen Räumen mit Stuck und… einem Ginkgo vor der Nase! Wir ziehen ins Schloß – davon waren wir eine Woche lang überzeugt, und selbst unsere Rüben, die ja bei der Wohnungsbesichtigung nicht fehlen durften, teilten schon die Zimmer untereinander auf. Die Zimmer! Ich hätte nicht nur mehr Zimmer als jetzt gehabt, sondern gleich mehrere mehr! Und der Park, der historische Park, habe ich den Park schon erwähnt…?

 

 

Das "Irrenhaus"

Doch ihr seht schon: Da steht etwas von „hätte“. Weil wir dort nicht eingezogen sind. Ich meine, ganz ehrlich, nach einer Woche dumpfen Brütens und im Kopf schon die Wohnung einräumen haben wir den Vermieter angerufen, um ihm mitzuteilen, daß wir die Wohnung nehmen. Wahrscheinlich hätte er sie uns auch gegeben, wenn nicht… ja, wenn da nicht der Herr Imhotep gewesen wäre.

Historisches Treppenhaus

 

Keine Hunde und keine Katzen in der gesamten Wohnanlage. Nicht drinnen, und nicht draußen. Aus Gründen. Allergien und dergleichen. Ich verstehe das, aber…  Aus. Ende. Ich habe geheult, wißt ihr? Ich meine… das war sie. Das war die Wohnung. Wäre gewesen – hat nicht sollen sein.

„Wer weiß, wozu es gut ist.“, sage ich immer, wenn so etwas passiert. Vielleicht wäre alles gut gegangen, vielleicht wären wir glücklich geworden im Schloß, in diesem alten, geschichtsträchtigen Gemäuer, vielleicht wären wir hier alt geworden. Vielleicht wäre aber auch alles anders gekommen. Man weiß es nicht, und das ist auch gut so. Weil man sonst einfach verrückt werden würde, zerbräche man sich über all das „Hätte“ und „Wäre“ im Leben den Kopf. Weil man sonst vielleicht irgendwann genau dort landen würde: Im Irrenhaus.

Das waren also meine damals angedrohten „literaturbedingten Geschichtsgedanken“. Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus dem Buch (S. 215):

Blickte man von dort oben hinab auf die ineinandergeschachtelten Dächer, auf den Park mit der Klinik und den alten Bäumen, glaubte man eine Idylle zu sehen.
Aus der Ferne, sagte Hubert. Aus der Ferne ist alles schön. Man darf nur nicht ankommen.

PS: Ich habe den Vermieter während der Wohnungsbesichtigung um Erlaubnis gefragt, ein paar Handy-Schnappschüsse machen zu dürfen, und auch von dem Buch und meinen Recherchen erzählt. Ich hoffe also, daß es okay ist, die beiden Fotos hier zu zeigen, falls aber nicht – ein kurzer Hinweis genügt…;)

Die Villa Kneiff – Impressionen in Schwarzweiß

Auch einer dieser Orte, die mich magisch anziehen – der Park Hohenrode in Nordhausen. Er ist nicht nur ein Park, er ist ein Stück Geschichte, ein Arboretum, ein Garten, und ein Ort, an dem ich einmal als junger Jungpionier an einer Weihnachtsfeier teilgenommen habe, damals, wißt ihr, als der Wind noch aus Holz und in der Kneiff Villa das Lehrerinstitut untergebracht war.
Im vergangenen Jahr ging ich mit einer lieben Freundin und einigen unserer Rüben im Park spazieren, zufällig am Tag des offenen Denkmals, eine Tatsache, der wir uns an diesem Tag beide gar nicht so recht bewußt waren. Wir wunderten uns noch über die vielen Parkbesucher, als wir plötzlich die offenen Türen bemerkten: Türen, die sonst verriegelt waren und jeden neugierigen Blick verwehrten.

Damals hatte ich zwar auch meine Kamera, aber nicht das richtige Objektiv für die dunklen Innenräume der Villa dabei. Natürlich fotografierte ich trotzdem, aber ich schwor mir, im nächsten Jahr wiederzukommen. Einige der so entstandenen Bilder findet ihr übrigens hier: www.sichtweise-fotodesign.de

Diesmal war ich also vorbereitet. Alle Bilder entstanden mit dem Tokina AT-X 11-16mm/f2.8 Pro DX an meiner Canon EOS 7D. Ohne Blitz, ohne Stativ, dafür wäre auch kaum Platz gewesen, dafür mit ISO-Werten bis 6.400.

Ach ja, die Villa war übrigens sehr gut besucht, ich mußte für fast jedes Foto eine Weile warten, um ein möglichst „menschenleeres“ Bild zu bekommen…

Die Serie nenne ich „in transition“, denn genau das ist diese Villa – „im Wandel“. Alle Infos dazu findet ihr hier: www.parkhohenrode.de

Zusätzlich zur Monochrom-Variante der Serie wird es in absehbarer Zeit auch noch eine in Farbe geben, hier, im Blog, bleibt wachsam.

PS: Alle Bilder – wie auch alle anderen Inhalte dieser Webseite – unterliegen dem Urheberrecht (siehe auch Impressum).

 

 

„Ausstrecken – Beugen!“: Vom Schwimmen-Lehren und Schwimmen-Lernen

Wasserfrosch

„Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beu…“

Oh. Sorry.

So ein Schwimm-Kurs im Nordhäuser Badehaus hat es in sich. In 14 Einheiten zu je 60 Minuten sollen unsere beiden gar-nicht-mehr-ganz-so-kleinen Rüben schwimmen lernen. Innerhalb von zwei Wochen also. Das heißt, Samstag und Sonntag jeweils vor- und nachmittags eine Stunde und zusätzlich noch zwei in der Woche. Klar, wir sind dabei, eine Begleitperson pro Kind hat während dieser Zeit freien Eintritt, das nutzen mein lieber Mann und ab und zu auch ich natürlich, um selbst ein paar Bahnen zu schwimmen. Oder wenigstens, um im angenehm temperierten Wasser durch das Jugendstil-Becken zu dümpeln.

Mit aufgeweichter Haut und glasigem Blick, vom Chlorwasser angenehm verschleiert wie eine orientalische Märchenprinzessin (den Blick meine ich, nicht mich, Konzentration bitte!), lasse ich mich als Toter Mann an der Wasseroberfläche treiben, während zwei Becken weiter unsere Jungs schwimmen lernen. Vom blau gekachelten Grund steigen Blubberbläschen auf und alles um mich herum klingt dumpf. Wie aus weiter Ferne höre ich die leicht enervierende Stimme einer Mutter, die auf ihre ganz eigene Art versucht, ihrem Kind das Schwimmen zu lehren: „Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – B…!“

Ja, genau die. Und sie ist nicht allein: Unzählige Großväter mit ihren Enkeln, Mütter mit Töchtern, Väter mit Söhnen und umgekehrt versuchen so ihr Glück. Mit Schwimmbrettern und -reifen und Hastenichtgesehn und ein Kleinkind trägt sogar etwas, mit dem man auf jedem ordentlichen Flughafen eine milde Panik auslösen könnte und als vermeintlicher Selbstmordattentäter festgenommen würde. „„Ausstrecken – Beugen!“: Vom Schwimmen-Lehren und Schwimmen-Lernen“ weiterlesen

Sport ist Mord! Oder: Frau Magrat läuft.

Brooks Laufschuhe

Schnauf…ächz…. prust… Wer hätte das gedacht…. Ich jedenfalls nicht.

Seit etwas über einer Woche laufen wir. Also Running. Oder Jogging. Wobei das im Moment noch mehr so eine Art hurtiges Walking ist. Egal. Wurscht. Wenn man – wie ich – immer der Meinung war, daß man nie nie nie niemals freiwillig Sport oder auch nur etwas annähernd Sportliches machen würde, dann kommt es auf derartige Begrifflichkeiten einfach nicht an.

Dabei gab es sogar eine Zeit in einem meiner früheren Leben, da hatte ich Dinge wie Biomechanik, Trainings- und Bewegungslehre sogar in der Ausbildung. So richtig Spaß hatte ich aber nicht wirklich daran. Ich schiebe es auf den miesen Schulsport früher (nicht, daß der heute besser wäre!).

Und woher nun der Sinneswandel? Naja. Wenn man irgendwann plötzlich merkt, daß man sich nicht wirklich wohl fühlt, daß man viel zu schnell aus der Puste kommt, daß man ja eigentlich viel zu viel Zeit am Rechner verbringt… dann macht das irgendwann keinen Spaß mehr. Dann weiß man, man muß etwas tun. Fitneß-Studio geht gar nicht, klar. Schwimmen… wäre zwar nicht schlecht, kostet aber eine Menge Geld und ist sicher auch nicht gerade gesund, wenn man empfindliche Haut hat. Fahrrad… okay… hmmm. Ab und zu mal aufs Trampolin, etwas hopsen, springen, auf der Stelle laufen… das tat mir schon echt gut.

Nachdem ich aber gesehen und gehört hatte, mit welcher Begeisterung und Überzeugung meine Schulfreundin bei unserem letzten Treffen davon erzählte, wie das Laufen sie selbst und eigentlich auch irgendwie ihr Leben positiv verändert hatte und ich förmlich spüren konnte, wie gut ihr das tat, stand fest: Das will ich auch. Jetzt. Gleich. Oder wenigstens so schnell wie möglich. Diesmal sollte es kein „Das müssen wir mal machen…“ geben. Diesmal würde ich es durchziehen. Jawoll.

Als Erstes wurden Laufschuhe bestellt. Eine alte Sporthose (aus diesem anderen Leben, ihr wißt) hatte ich noch und dazu ein T-Shirt – und es konnte losgehen. Seitdem bin ich fünfmal gelaufen. Das klingt jetzt noch nicht so dolle, aber es ist ein Anfang. Schön langsam… Strecken von ca. 2 Kilometern… ein Stück laufen, ein Stück gehen. Auf die Atmung achten… eigentlich das Wichtigste, Asthma und so. Und es fängt langsam an, Spaß zu machen.

Motivierend wirkt natürlich auch das Handy in der Armtasche mit der installierten Lauf-App, welches jeden meiner Schritte und per GPS meine Strecken aufzeichnet. Das schaut dann ungefähr so aus:


 

Ach ja… vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen… ich laufe mit diesen Schuhen: Brooks Adrenaline ASR*. Die passen perfekt… ich habe sie – wie für Laufschuhe oft empfohlen – eine Nummer größer bestellt.

 

Nach den ersten Kilometern...
Nach den ersten Kilometern…

 

So. Nun heißt es dranbleiben und weiterlaufen. Muß ja nicht gleich ein Marathon werden, nicht? Ab und an werde ich bestimmt wieder berichten, spätestens dann, wenn ich meine erste Runde ohne Pause durchgelaufen bin und hinterher noch lebe… Drückt die Daumen, ja?

Und wenn ihr noch ein paar gute Lauftips habt oder gute (anfänger-geeignete) Strecken rund um Nordhausen und Umgebung kennt, dann raus damit!

 

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Es lebe die deutsche Sprache!

ABC

Bitte einmal aufmerksam lesen:

„Viele Übungen dürfen uns nicht leidtun.“

„Bei Schwierigkeiten sollen wir keine Angst haben und uns im Duden Rat holen.“

„Während einige erst Skifahren lernen wollten, sausten andere schnell die steile Piste hinunter, ohne Angst zu haben und als Erster im Ziel anzukommen.“

„Ein Sprichwort erzählt: Wo gearbeitet wird, fallen auch Späne. Das heißt z.B., dass während der Tätigkeit etwas Unvorhersehbares passieren kann. So bricht vielleicht eine Spule ab oder die Farbe ist zusammengeflossen. Aber darüber sollte man seine Gedanken nicht quälen oder sich sogar schämen. Denn weitere Sprichwörter trösten und weisen den Weg.“

Und nun: Findet die Fehler!

 

Diese Sätze stammen übrigens nicht aus den Spamkommentaren der letzten Woche, sondern aus drei kurzen Diktaten einer 7. Klasse eines Gymnasiums. Und jetzt frage ich euch: Was läuft da schief? Fällt es einem Lehrer wirklich so schwer, sinn- und ausdrucksvolle Sätze zu bilden? Es geht übrigens um die Zusammen- und Getrenntschreibung von Verben und Adverben. Glaube ich.

Und noch etwas: Ist das Thema „Ähnlichkeitshemmung“ (Ranschburg-Phänomen) noch immer nicht bei den Lehrern angekommen? Offenbar nicht. Und wie kann es sein, daß in einem Diktat… einem DIKTAT [sic!] … keine einzige Eins, keine Zwei, ein paar Dreien und Vieren und etliche FÜNFEN und SECHSEN erreicht werden? Hallo? Das ist eine LEISTUNG! Das geht eigentlich gar nicht! Da muß ich mich als Lehrer doch mal fragen: „Was habe ich verkehrt gemacht?“ Aber diese Frage verbietet sich ja.

Glaubt mir, ich springe hier schon seit Stunden im Dreieck (… und unsere Rübe hat gut abgeschnitten, aber das nur am Rande…). Heute habe ich unter den letzten Teil dieser albernen Diktate ein paar Anmerkungen schreiben müssen. Ich konnte nicht anders.  Mein letzter Satz lautete übrigens: „Der gesamte Text wirkt auf mich, als käme er aus einem automatischen Übersetzungsprogramm.“ Denn das, genau das, war mein erster Gedanke beim Lesen.

 

Und sonst so? Der Lehrermangel (den es ja eigentlich gar nicht gibt… *hust*… ) macht sich nach wie vor in Stundenplankürzungen, Unterrichtsausfällen und Vertretungen bemerkbar. Aber hey, das macht den Kindern nix aus, im Gegenteil. Den Unterrichtsstoff schaffen sie auch so mit links (wie man sieht). Da ist es doch viel wichtiger, daß – haltet euch fest – diejenigen Schüler, deren Eltern mal eben einige Hundert (!) Euro übrig haben, eine Woche lang nach Österreich fahren, um dort an einem – setzt euch besser – an einem SKIKURS teilzunehmen!!! Während der regulären Unterrichtszeit, versteht sich. Nicht etwa während der Ferien, ich bitte euch! Und wie, das kann sich nicht jeder leisten… Das interessiert doch nun wirklich keinen! Ich meine… ein Skikurs? Hallo?! Weil das eine gottverdammte Tradition ist an dieser Schule?! Ich war auch auf dieser Schule… SO alt kann diese Tradition noch nicht sein… Darum meine blasphemische Frage: WER VERDIENT AN DIESEM KURS??? Und warum SKI? Und wenn es denn sein „muß“, warum dann nicht für alle? Das lief ja nicht mal als Klassenfahrt, die kommt extra noch…. im Frühling…  für nur knapp 300 Euro.

 

Ich bin ziemlich geladen, ihr merkt es sicher. Und als wär das alles noch nicht genug, haben wir letzte Woche erfahren, daß die Klassenlehrerin unseres Mittelkindes nach den Winterferien schon wieder wechselt. Macht doch einem Zweitklässler nix aus, die sind doch zäh, die Kinder… Hab ich euch eigentlich schon erzählt, daß die Kinder nicht mal mehr Schreibschrift lernen müssen? Wenn sie wollen, ja… und wenn genug Zeit ist… aber es ist keine Pflicht, sie sollen nur irgendwie schreiben können. „Druckschriftlehrgang“ nennt sich das. Klar…. DRUCKschrift… sagt ja der Name schon… uns hätten sie früher was erzählt… aber vielleicht sehe ich das auch völlig falsch. Vielleicht braucht man ja eigentlich gar nicht mehr schreiben können. Oder lesen. Gibt ja Sprachsteuerung und Hörbücher und… ich hör jetzt auf. Wir haben unserer Rübe übrigens ein Schreibschriftlehrgang-Arbeitsheft¹ gekauft, und üben mit ihm zu Hause. Wenn ihr mich fragt… ich bin immer mehr für Homeschooling…

So. Nun werde ich mich langsam wieder beruhigen. Werde gleich mit meiner wundervollen Familie Abendbrot machen. Nachher einen leckeren Tee trinken. Und ein gutes Buch lesen.

 

In diesem Sinne.

 

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