Versehentlich vegan geworden

Eigentlich esse ich ja wirklich gerne Fleisch. Und Wurst. Und Eier. Und Käse. Ach – Käse…! Und eigentlich wollte ich es auch dabei belassen. Andererseits – bin ich im tiefsten Inneren meines Herzens Vegetarier. Mindestens! Wegen der armen Tiere! Massentierhaltung! Und überhaupt – keine Online-Petition zum Thema Tierwohl ist vor mir sicher. Diese Vegan-Sache hingegen war mir immer suspekt – irgendwie. Das kann schließlich nicht gesund sein, oder? Was soll man dann noch essen? Die spinnen doch alle, die Veganer!

Und doch ernähre ich mich nun seit einem Monat vegan. Nicht nur hin und wieder, oder mal mehr, mal weniger, sondern absolut. Ich schreibe absichtlich nicht, daß ich auch vegan lebe, das tue ich mit Sicherheit nicht, dazu gehört viel mehr, aber sei’s drum. Vegan also.

Und wie kam es nun dazu? Ganz einfach – mir geht es seit einiger Zeit gesundheitlich wieder ziemlich mies – meine chronische Sinusitis zeigt sich wieder mit aller Macht, meine Neurodermitis ist wieder da – wenn auch nicht so schlimm wie früher, mein Asthma… also bin ich wieder auf die Suche gegangen – nach Cremes und Salben, die der Haut helfen, zum Beispiel. Vor allem aber auf die Suche nach einem Strohhalm, an den man sich klammern kann. Um es kurz zu machen – ich fand Hinweise darauf, daß eben auch Milcheiweiß als (ein) Auslöser für all diese (meine) Beschwerden in Frage kommen könnte. Keine Ahnung, warum ich da nicht früher drauf gekommen bin, aber so ist es eben. Das wollte ich nun unbedingt für mich austesten – folgerichtig hieß das, auf alles, was da irgendwie milchhaltig ist, zu verzichten.

Als sicherer Weg erschien es mir, von nun an nach veganen Lebensmitteln Ausschau zu halten, da ich hier ja davon ausgehen kann, daß keine Milch enthalten ist. Ursprünglich wollte ich aber weiterhin Fleisch und Wurst essen, weil… naja, weil’s schmeckt, nech? Ich und verzichten? Niemals! Andererseits – entdeckte ich plötzlich Fleischersatz in Form von lustigen Soja-Würfeln. Und Soja-Granulat. Mein Interesse war geweckt.

Und auf einmal war klar: Ich zieh das jetzt durch. Gesagt, getan. Nun schon seit einem Monat. Gesundheitlich hat es mir noch nicht so viel gebracht, aber das käme auch einer Wunderheilung gleich. Mit etwaigen Änderungen/Verbesserungen rechne ich – wenn überhaupt, denn es ist ja nur ein Versuch – frühestens nach einigen Monaten. Vielleicht bleiben sie auch aus, keine Ahnung, bei meinem Glück rechne ich sogar eher damit, aber ich denke, daß es trotzdem nicht der falscheste Weg ist, den man einschlagen kann.

 

Baguette

 

 

Ach ja – natürlich muß, meiner Zöliakie sei Dank, alles Vegane zusätzlich auch glutenfrei sein, das war auch so ein Punkt, der mich bisher immer davon abgehalten hatte. Denn viele Soja- und überhaupt Ersatz-Produkte sind glutenhaltig, man ist da schon sehr eingeschränkt. Da ich aber mittlerweile gute Bezugsquellen kenne, ist auch das kein Problem mehr: Hier auf dem Bild sind also glutenfreie Baguettes, mit „Blue Cheese“ (Käse-Ersatz-)Sauce und Knoblauch-Aufstrich, Oliven, Tomaten, Pinien- , Kürbis- und Sonnenblumenkernen und Käse-Ersatz-Geraspel.

Gestern gab es vegane Linsensuppe, die war superlecker (so weit ich das beurteilen kann, denn mein Geruchs- und Geschmacksvermögen sind noch nicht wieder zurückgekehrt, auch so etwas, worauf ich hoffe, daß es bald eintreten möge…). Davor haben wir veganes Gulasch (ja ja…) und Chili sin carne probiert – das Gulasch fanden meine Männer nicht so dolle, das Chili aber schon. Meinen absoluten Lieblings-Fleischersatz habe ich auch schon gefunden. Und das Lieblingsgericht meines Mannes und mir – es kommt seit bestimmt zwei Jahren mindestens einmal pro Monat auf den Tisch – ist gebratener Kräuter-Tofu mit Asia-Gemüse, Reis und Soja-Sauce, daran hat sich zum Glück nix geändert. Es wird also manches ersetzt, neue Rezepte werden ausprobiert (zum Beispiel hatte ich vorher noch nie Avocado gegessen!), es gibt jetzt eben noch mehr Obst und Gemüse als ohnehin schon und Kartoffeln und Reis und Nudeln gehen ja sowieso.

Mein Fazit: Auch wenn ich es nie wirklich vorhatte – ich habe mich gut dran gewöhnt und der Verzicht tut nicht einmal halb so weh, wie befürchtet. Mein fehlendes Riechvermögen ist da vermutlich recht hilfreich, denn wenn ich mir vorstelle, daß es so nach leckerem… hmmm…. sagen wir mal Eisbein röche? Aber so… geht das. Inzwischen habe ich auch ein paar recht hilfreiche Apps zum Thema auf dem Handy und ich achte nun noch mehr als vorher darauf, was ich so zu mir nehme. Ich trinke – und das ist für mich neu, weil ich nicht so ein Safttrinker bin – ein- bis zweimal täglich ein Glas roten Saft mit Eisen und Vitaminen. Jaja, das liebe Eisen, und das B12, da sollte man tatsächlich drauf achten. Zu guter Letzt – fühlt es sich einfach gut an… und ich hab das Gefühl, ich könnte den meisten Schweinen, Kühen, Hühnern bald wieder in die Augen sehen…

Und ihr so? Springt ihr auf den Vegan-Zug auf oder seid ihr es längst? Ich lese ja momentan auch in diversen Blogs davon, das scheint also doch ein recht starker Trend zu sein, vielleicht nehme ich es aber auch nur stärker wahr, keine Ahnung… Wer noch leckere „Vegan + glutenfrei“-Rezepte hat, immer her damit. Das wird zwar niemals ein Food-Blog hier (keine Angst), aber gerade so am Anfang bin ich dankbar für Tipps und Ratschläge. Ach ja, und falls ihr wissen wollt, was genau ich da futtere und wo es das gibt, fragt kurz in den Kommentaren, dann antworte ich dort. Ich wollte nur nicht hier im Artikel hundert Marken und Webseiten nennen…

 

PS: Meiner Familie zwinge ich da übrigens nix auf in dieser Richtung, ich lebe es halt jetzt ein bisschen vor, und wer mag, macht mit, wer nicht… vielleicht später irgendwann.