„Ausstrecken – Beugen!“: Vom Schwimmen-Lehren und Schwimmen-Lernen

„Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beu…“

Oh. Sorry.

So ein Schwimm-Kurs im Nordhäuser Badehaus hat es in sich. In 14 Einheiten zu je 60 Minuten sollen unsere beiden gar-nicht-mehr-ganz-so-kleinen Rüben schwimmen lernen. Innerhalb von zwei Wochen also. Das heißt, Samstag und Sonntag jeweils vor- und nachmittags eine Stunde und zusätzlich noch zwei in der Woche. Klar, wir sind dabei, eine Begleitperson pro Kind hat während dieser Zeit freien Eintritt, das nutzen mein lieber Mann und ab und zu auch ich natürlich, um selbst ein paar Bahnen zu schwimmen. Oder wenigstens, um im angenehm temperierten Wasser durch das Jugendstil-Becken zu dümpeln.

Mit aufgeweichter Haut und glasigem Blick, vom Chlorwasser angenehm verschleiert wie eine orientalische Märchenprinzessin (den Blick meine ich, nicht mich, Konzentration bitte!), lasse ich mich als Toter Mann an der Wasseroberfläche treiben, während zwei Becken weiter unsere Jungs schwimmen lernen. Vom blau gekachelten Grund steigen Blubberbläschen auf und alles um mich herum klingt dumpf. Wie aus weiter Ferne höre ich die leicht enervierende Stimme einer Mutter, die auf ihre ganz eigene Art versucht, ihrem Kind das Schwimmen zu lehren: „Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – Beugen! Ausstrecken – B…!“

Ja, genau die. Und sie ist nicht allein: Unzählige Großväter mit ihren Enkeln, Mütter mit Töchtern, Väter mit Söhnen und umgekehrt versuchen so ihr Glück. Mit Schwimmbrettern und -reifen und Hastenichtgesehn und ein Kleinkind trägt sogar etwas, mit dem man auf jedem ordentlichen Flughafen eine milde Panik auslösen könnte und als vermeintlicher Selbstmordattentäter festgenommen würde.

Umsonst! – möchte man rufen. Nein, im Ernst, natürlich haben auch wir auf die eine oder andere Art versucht, unseren Rüben die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Wir haben so ziemlich alle schwimmpädagogisch wertvollen bis -losen Schwimmhilfen ausprobiert, die der Markt so hergibt. Ob FREDS SWIM ACADEMY SWIMTRAINER oder KRAULQUAPPEN, das berühmte SCHLORI oder den obligatorischen SCHWIMMGÜRTEL… wir hatten sie alle.

Doch auch das Schwimmangebot der Schule, welches einmal wöchentlich stattfand, konnte unserem Mittelkind die Angst nicht nehmen. Das letzte bisschen Überwindung fehlte einfach. Da wir mit unserem großen Tochterkind bereits gute Erfahrungen mit dem Schwimmkurs (damals als Crashkurs innerhalb von 7 Tagen, sie war damals noch keine 6 Jahre alt und lernte im Handumdrehen schwimmen) gemacht hatten , beschlossen wir also, es noch einmal zu versuchen. Da mittlerweile beide Jungs im richtigen Kurs-Alter sind, war das quasi „ein Abwasch“.

Und was soll ich sagen: Es hat auch diesmal funktioniert! Heute Vormittag schwamm plötzlich der Mittlere seine ersten Meter, und am Nachmittag auch der Kleine. Jippieh! Jetzt haben sie noch zwei Stunden, in der letzten können sie dann ihre erste Schwimmprüfung ablegen und sind dann -hoffentlich, hoffentlich – alle beide stolze Träger des „Seepferdchen-Abzeichens“ (*auf-Holz-klopf*).

Hach… schön.

Das Konzept dieses Kurses ist eben einfach stimmig, und die nette, aber bestimmt auftretende Kursleiterin hat die Bande gut im Griff. Schön, daß es heute ohne Zwang und Druck geht und den Kindern sogar richtig Spaß macht (klar sind sie trotzdem aufgeregt, und ein wenig Bauchschmerzen vor den ersten Stunden gehören wohl einfach dazu). Wenn ich da an unseren Schwimmunterricht damals denke? Im selben Schwimmbad zwar, aber was für ein Unterschied! War eben doch nicht alles gut… früher.

Jedenfalls kann nun die komplette Magrat’sche Familie schwimmen. Bombastisch. Und wieder einmal sind wir am Überlegen, uns vielleicht doch eine Clubkarte zu holen… oder uns wenigstens zu Weihnachten schenken zu lassen. (Weihnachtsmann…? Hörst du mich…?…. *hüstel* )

So kann man also auch seine Zeit verbringen, es ist anstrengend und schlaucht ganz schön, streckenweise wird man – als Erwachsener – gar nicht mehr richtig wach (ganz im Gegensatz zu den Rüben, deren Energie scheinbar unbegrenzt ist… erste Überlegungen gehen übrigens in die Richtung, dieses Phänomen in sogenannten Kinderkraftwerken zur alternativen, weil regenerativen, Energiegewinnung einzusetzen… ein genialer Gedanke, der uns heute auf dem Weg zum Bad kam und den ich hier nicht näher erläutern möchte, das würde jetzt zu weit führen… vielleicht haben wir aber auch etwas viel Chlorwasser geschluckt in den letzten Tagen, man weiß so wenig…).

Neben aller Anstrengung und Aufregung überwiegt natürlich der Spaß, man verbringt aktiv viel gemeinsame Zeit miteinander und Schwimmen-Können ist IMHO einfach eine wichtige Sache.

Wer selbst Rüben, Zwerge oder Kinder hat, die noch nicht schwimmen können, und in oder um Nordhausen herum wohnt… tut euch und vor allem den Kindern den Gefallen und meldet euch im Badehaus an. Es ist einfach etwas ganz anderes, wenn das ein Schwimmtrainer macht, seien die Versuche von uns Eltern auch noch so gut gemeint. (Und nein, ich bekomme keine Provision, wenn ich das hier schreibe, ich mache das aus Überzeugung. )

 

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