Corel Painter 12 – Portrait

Wie angedroht, möchte ich euch heute mal den ersten Versuch eines Portraits zeigen, digital gemalt mit Painter 12. Für ein richtiges Tutorial reichen meine Fertigkeiten noch nicht, aber ich werde versuchen, meine Herangehensweise kurz zu beschreiben: 

Vorlage war ein recht aktuelles Foto, welches ich direkt im Painter öffnete. Mit einem Bleistift Realistisch 2B erstellte ich als Erstes auf einer neuen Ebene eine schnelle Skizze, also nur die groben Umrisse, um in etwa zu wissen, was ich wohin malen würde. Großartig verändern wollte ich nichts, auch die Farben sollten in etwa so bleiben, deshalb erstellte ich gleich noch eine neue Farbtabelle aus dem Originalfoto: Farbeinstellungsbibliotheken → Neue Farbtabelle aus Bild.

Dann die große Frage: Womit sollte ich malen? Es gibt im Painter 12 so unheimlich wunderbar viele Malwerkzeuge und -varianten, daß es fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, dabei nicht den Überblick zu verlieren. Ich entschied mich, das gesamte Bild – wie auch schon mein Baum-Bild zuvor – mit nur einem Pinsel zu malen: Ölpinsel Verwischend rund. Natürlich paßte ich immer wieder Größe und Element (=Abstand der Borsten) an.

Für die auf die Stirn geschobene Sonnenbrille erstellte ich mit der Zeichenfeder einen Pfad, also eine Form. Danach wechselte ich wieder auf mein Malwerkzeug, diesmal aber nicht auf Freihandmalstriche, sondern auf An Pfad ausrichten, so ließ sich danach ganz einfach das Brillengestell umranden. Allerdings malte ich die Brille später doch noch freihändig, um die Lichter und Schatten zu setzen.

Painter 12 Screenshot
Abb. 1 - Painter 12 Screenshot

Die blau-grüne Hintergrund-Ebene habe ich recht grob mit großen Pinselstrichen gemalt, die Ebene im knalligen Pink dient mir als Kontrolle, ich mache sie nur ab und zu sichtbar, um „Löcher“ und andere Ungereimtheiten zu entdecken. Keine Ahnung, ob „man das so macht“, ich mache es halt so.

Fast jedes Ding bekommt seine eigene Ebene, zumindest anfangs, der Rucksack auf die Rucksack-Ebene, die kleine Tasche vorne am Rucksackträger kommt auf die Ebene „kleine Tasche“, die Haare sind auf drei bis vier Ebenen verteilt… „Hals und Arm“ werden erst gegen Ende mit dem „Gesicht“ vereinigt… Manchmal dupliziere ich sicherheitshalber eine Ebene und mache sie unsichtbar, um eventuell später noch einmal darauf zugreifen zu können. Brauche ich sie nicht mehr, lösche ich sie gelegentlich auch, um den Arbeitsspeicher zu entlasten.

Portrait1
Abb. 2 - Portrait

So nach und nach male ich also mein Bild, erst eher grob, dann die Feinheiten. Die Ebene mit dem Originalfoto nutze ich nun gar nicht mehr, stattdessen habe ich mir das Foto postkartengroß ausgedruckt und neben meinen Bildschirm gestellt. Für Lichter und Schatten orientiere ich mich eigentlich ausschließlich daran, ab und zu nehme ich es in die Hand, um mir kleine Details anzuschauen. Hmm… vielleicht ist das ja seltsam, schließlich könnte ich es mir auch in voller Auflösung am Monitor anschauen… aber ein Foto in der Hand zu halten, ist eben doch irgendwie etwas anderes…

Painter 12 Ebenen Screenshot
Abb. 3 - Painter 12 Ebenen Screenshot
Am Ende haben sich jedenfalls einige Ebenen, ein paar Masken und Gruppen angesammelt (siehe Abb. 3).

Irgendwann beschließe ich, daß das Bild nun fertig ist. Das ist immer recht schwierig, weil man ja ständig noch etwas findet, was man noch besser machen könnte. Zu guter Letzt probiere ich dann noch ein paar Sachen aus. Ganz zufrieden bin ich mit der Haut noch nicht, sie sieht noch zu fleckig aus, da muß ich noch ein bisschen üben. Ich beschließe daher, die Gesichts-Ebene zu duplizieren und wende das Motageverfahren Ineinanderkopieren an. Das Ergebnis sagt mir sehr zu, die Haut ist nun fast weiß, vergleichbar mit einer High-key Fotografie:

 

Painter Portrait
Abb. 4 - Das fertige Portrait

 

Für ein erstes Mal bin ich mit dem Ergebnis schon ganz zufrieden. Jetzt heißt es natürlich üben, üben, üben… auch mit echten Acrylfarben und echten Pinseln.