„Dark Shadows“ – Frau Magrat geht ins Kino

Damit Frau Magrat ins Kino geht, muß schon ein Film laufen, der etwas Besonderes ist.

Sagen wir mal… ein Tim Burton-Streifen… mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Natürlich sollte auch Helena Bonham Carter nicht fehlen. Das Ganze muß unbedingt schön düster sein, mit einem Hauch von Gothic… ein wenig morbid, auf jeden Fall aber bizarr – auf die eine oder andere Weise.

Ach ja, es sollte irgendwie um Vampire gehen – Frau Magrat liebt Vampire! Wußtet ihr, daß ich als Kind (naja, eigentlich heute auch noch) immer ein Vampir werden wollte? Und daß ich in Salza… (ja, dieses Salza…) mal einen echten Vampir gesehen habe? Er hatte damals meine Mutter nach der Uhrzeit gefragt… klar, nach der Uhrzeit… tz…. ähm… wo war ich… ach ja: Also ein Vampir-Streifen. Hab ich euch schon mal erzählt, daß Christopher Lee immer einer meiner Lieblingsschauspieler war? Schon damals, als gleichaltrige Freundinnen für Typen wie Brad Pitt und Tom Cruise schwärmten? Unklar, oder…? Ich meine, wie kann man solche Typen toll finden… Ja, also Christopher Lee, der sollte in so einem Kino-Film, der extra und nur für Frau Magrat gedreht würde, natürlich auch nicht fehlen, logisch.

Hmmm… was fehlt noch… ach ja, es sollte lustig sein. Und ich meine lustig auf eine intelligente Weise. Nicht so Mario-Barth-mäßig, ihr versteht.

Und Musik…öh… laßt mich kurz überlegen… ah, ich hab’s: Alice Cooper. Jaaaa!!! Alice Cooper, das wird’s!!! Hab ich euch schon mal erzählt, daß ich mir damals sogar mal eine Kassette von Alice Cooper gekauft habe? (Die jüngeren Leser werden damit jetzt nicht viel anfangen können, aber eine Erklärung, was eine Kassette ist, wie man die vor- und zurückspult und was es mit Bandsalat auf sich hat, würde jetzt hier echt den Rahmen sprengen. Sorry, aber das nehmen wir später noch durch.)

So. Das waren so die Eckpunkte meines Wunschfilmes. Ich hatte das dann mal alles notiert und kurzerhand dem Tim B. getwittert. Er war auch gleich ganz begeistert (war ja klar), trommelte die Leute auf der Liste zusammen und machte sich umgehend an die Arbeit (guter Mann!). Das Resultat nannte er „Dark Shadows“. Damit war ich dann auch gleich einverstanden und – Ta-daaa! – seit letzter Woche läuft der Film im Kino. Na bitte. Geht doch.

Frau Magrat und ihr lieber Mann hatten dann letzten Freitag die Rüben temporär in gute Hände abgeben können, einem Kino-Besuch stand nun nichts mehr im Weg. Abgesehen von der Tatsache, daß dieses epochale Meisterwerk nicht in unserer Heimatstadt lief, sondern in dem 18 km entfernten Städtchen, in welchem sich Frau Magrat und ihr lieber Mann einstmals kennengelernt hatten. Da dieses Kino nicht nur schöner, sondern auch noch moderner, um einiges billiger und dessen Personal überdies auch noch freundlicher  war, stand für uns schnell fest: Das hiesige Kino hat zwei bis fünf Gäste verloren. Schade eigentlich, aber selber schuld.

Dark Shadows

Ach ja… daß der Film genial war, brauche ich ja eigentlich nicht zu erwähnen. Daß der Kinobesuch aber durch das hysterische Gelächter einer in der Reihe vor uns sitzenden Frau getrübt wurde, war – nun ja – fast schon tragisch. Ich habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, sie mit irgendetwas zu bewerfen! So etwas habe ich noch nie erlebt!

Klar kriegt man mal einen Lachanfall an unpassender Stelle … *hüstel* … aber diese Frau hat den dreiviertel Film lang gegickert! Laut! So laut, daß man teilweise nicht mehr verstanden hat, was Barnabas Collins da vorne auf der Leinwand sprach! Ich meine… das war verdammichnochemal ein Tim Burton!!! Das war eben keine Sitcom, und es stand auch kein Comedian da vorne, der hohle Witze reißt!

Wie kann man nur?! 

Aber gut. So ist es eben.

Ich suchte kurz vor Verlassen des Kinos Trost beim Kauf des Plakates, welches nun meine Schreibtischecke ziert. Und alles ward gut.