Emulsionslift Oder: Das Positive am Negativen und das Gekrümel dazwischen

Wie versprochen, möchte ich euch die ersten Ergebnisse meiner Polaroid-ImpossibleProject-Experimente nicht länger vorenthalten. Ich hatte ja geschrieben, daß ich unbedingt einmal eine Technik namens Emulsionslift ausprobieren wollte, und das habe ich auch. Allerdings erwies sich die Durchführung als nicht halb so einfach, wie in diversen Videos zum Thema zu sehen ist. Im Gegenteil…

Wir benötigen also:

 

  • ein geeignetes Polaroid-Bild (PX 600 Silver Shade, Impossible Project)
  • eine Schale mit heißem, nicht kochendem Wasser
  • eine Schale für kaltes Wasser
  • ein spitzes Messer
  • Pinsel
  • ein Blatt Aquarellpapier

 

Arbeitsplatz vorbereiten
Arbeitsplatz vorbereiten

Und so funktioniert es:

 

Also eigentlich wollte ich ja hier eine ausführliche Anleitung schreiben, aber wißt ihr was? Ich mache es nicht. Es gibt ganz viele im Netz, manches davon funktioniert, manches nicht. Sollte ich eines Tages den sprichwörtlichen Bogen raus haben und wunderschöne Emulsionslift-Bilder in Serie „produzieren“, dann hole ich es nach, wirklich.

Nur soviel in aller Kürze: Befreit das Bild von seiner weißen Umrandung, entfernt die weißlichen Chemikalienreste-Ränder, legt es dann komplett ins warm- bis heiße Wasser, wartet (!) ein paar Minuten, löst dann die schwarze Rückseite ab (man kann aber auch versuchen, sie bereits vor dem Wasserbad zu entfernen!) und so nach und nach löst sich dann das eigentliche Bild… seid vorsichtig, es ist dünn und schlabberig und neigt zum Zerreißen… dann packt ihr es, sobald ihr es komplett von der durchsichtigen Vorderseite (Folie) gelöst habt, vorsichtig auf das Trägermaterial, indem ihr dieses vorsichtig in der Wasserschale unter das Bild schiebt. Dann braucht ihr es nur noch in die gewünschte Position bringen… mit Wasser und kleinen, feinen Pinseln…

Ränder operativ entfernen...
Ränder operativ entfernen...

Ich habe – verwirrt von der Vielzahl der gefundenen Anleitungen, die teilweise in direktem Widerspruch zueinander standen – so ziemlich alle Fehler gemacht, die man machen kann. Was genau muß man denn nun entfernen? Schneidet man die Ränder einfach ab oder löst man sie mit dem Messer? Wie lange läßt man das Bild im heißen Wasser liegen? Und wie heiß genau muß es nun – und darf es auf keinen Fall – sein? Ist es normal, daß alles voller feiner, weißer Krümel ist? Dürfen die Blasen, die sich auf der Emulsion bilden, tatsächlich alle aufplatzen?

Aber seht selbst:

 1. Versuch

Zum ersten Probieren und Experimentieren hatte ich mein allererstes, total verkorkstes Bild auserkoren, ihr erinnert euch?

Verkorkst
Verkorkst

 

 

Ein Ergebnis kann ich euch nicht zeigen. Es war komplett im Eimer. Völlig zerbröselt. Ich muß mich total dämlich angestellt haben, wobei mir immer noch schleierhaft ist, was genau ich nun eigentlich falsch gemacht habe. Es landete jedenfalls im Müll.

 

2. Versuch

 

"Eimer auf dem Balkon"
"Eimer auf dem Balkon"

Dieses schöne, aber leider viel zu hell geratene Bild namens „Eimer auf dem Balkon“ (idyllisch, nicht?) war wie geschaffen für meinen nächsten Versuch.

Aber ach, auch hier erwies sich das, was in all den Videos so kinderleicht aussah, als eine überaus bröselige Angelegenheit. Zwar ließ sich die Emulsion diesmal ablösen, jedoch nur unter lautem Wehklagen meinerseits. Auf dem Bild rechts ist übrigens das Negativ zu erkennen, die vielen weißen Flecken sind die Stellen, an denen die Schichten so fest miteinander verbunden waren, daß sie sich kaum voneinander trennen ließen.

Das Negativ
Das Negativ

Immerhin schwamm irgendwann das Bild mehr oder weniger in einem Stück in der Wasserschale, „es funktioniert also wirklich…“, sagte ich mir.

Ein erstes Ergebnis
Ein erstes Ergebnis

Das Endergebnis war aber noch nicht wirklich schön.

Und wieder ein Weilchen später…

 

3. Versuch

 

Diesmal mußte es einfach klappen. Ich hätte sonst vermutlich aufgegeben…

Flugs ein Bild gemacht, das Modell eines menschlichen Schädels und das eines ebensolchen Gehirnes, beide dekorativ auf meinem Lieblingscouchkissen liegend, was sollte da schiefgehen?

 

"Kissen-Schlacht"
"Kissen-Schlacht"

Und es klappte tatsächlich. Ich weiß nicht, ob es daran lag, daß sich diesmal die Rückseite tatsächlich anstandslos noch vor dem Wasserbad entfernen ließ, oder daß ich diesmal wirklich lange genug wartete (ca. 5 Minuten), bis ich es aus dem heißen Wasser rausnahm… oder ob einfach der Mond in der günstigsten Phase stand… ich weiß es wirklich nicht. Jedenfalls löste sich jede Schicht genau so, wie sie sollte…

Negativ & Positiv
Negativ & Positiv

Es war schon ein denkwürdiger Augenblick, Negativ und Positiv eines Sofortbildes so einträchtig nebeneinander liegen zu sehen.

Irgendwann schwamm die Emulsion frei im Wasser… in ihrer Konsistenz an die Haut eines gekochten Fisches erinnernd und genauso dünn und verletzbar.

Und nein, man sollte nicht, unter gar keinen Umständen, versuchen, sie von einem wie-dünn-und-tropfig-auch-immer-eingestelltem Wasserstrahl gerade rücken zu lassen… sie reißt dann nämlich einfach komplett durch… (ich weiß, wovon ich spreche… *hüstel* )

Wenn man alle Rückstände der Entwicklerpaste entfernt hat, bugsiert man sein Werk vorsichtig auf das feuchte Aquarellpapier:

 

Ab auf's Aquarellpapier
Ab auf's Aquarellpapier

Nun kann man es in Form bringen. Mit kleinen, teilweise winzigen Pinseln und immer genug Wasser schiebt und drückt und zieht man ganz vorsichtig alles in die richtige Richtung. So lassen sich Risse wieder nahezu unsichtbar verschließen oder aber erst hineinbringen, je nachdem, welche Vorstellung wir vom fertigen Bild haben.

Und nein, ich verrate euch nicht, daß ich nur für das In-(Kissen-)Form-Bringen geschlagene zwei Stunden gebraucht habe…

 

Am Ende sah es jedenfalls so aus:

 

Es ist vollbracht...
Es ist vollbracht...

Mehr Versuche habe ich noch nicht unternommen. Nachdem ich zwei weitere Bilder verkorkst habe, weil ich meine alte Polaroid 635 CL bei viel zu niedrigen Außentemperaturen eingesetzt habe, sind jetzt nur noch… ich weiß gar nicht genau, wieviele… vielleicht zwei Bilder übrig und die Filme sind ja nicht gerade ein Schnäppchen, um sich mal eben einige zum Üben zu holen. Ich setze da aber ganz stark auf den Weihnachtsmann… ;)

 

 

4 Antworten auf „Emulsionslift Oder: Das Positive am Negativen und das Gekrümel dazwischen“

  1. Die Anleitungen habe ich auch gelesen, aber ohne Wasserbad, nur mit Ablösen und zerkratzen der Rückseite. Aber bei aller Experimentierfreudigkeit ist mir das dann doch zu krass. Wie du schon schreibst, die Filme sind  Luxusgüter. Ich habe ja, weil ich es nicht besser wusste, einen Experimentalfilm „Push“ gekauft. In der Anleitung steht, dass dieser bei der Fotografie ganz viel Licht braucht (Lichträdchen also auf ganz hell) und man das Polaroid zur Entwicklung sofort in eine dunkle Schachtel legen soll. Nachdem ich so zwei Fotos vermorkst habe, habe ich die anderen in die pralle Sonne gelegt und diese sind auch was geworden. Soviel zu den Anleitungen bei impossible project :-) Wenn die nicht so teuer wären, könnte man vielmehr damit rumspielen….

    VG Jana

     

     

    1. Ich habe auch Anleitungen ohne Wasserbad gefunden, aber das kann ich mir nun gleich gar nicht vorstellen… andererseits würde mich auch nichts mehr wirklich wundern… ;)

      Die impossible-Filme scheinen ja noch immer nicht wirklich ausgereift zu sein… desto weniger verstehe ich die hohen Preise. Die (Neu-)Entwicklung muß zwar finanziert werden, aber wenn sich kaum einer die Filme leisten kann oder will, schon gar nicht in größeren Stückzahlen…. mir sind sie jedenfalls auf Dauer auch zu teuer, daher landen sie zwar auf meinem Weihnachtswunschzettel, aber so „richtig fetten Umsatz“ werden sie mit mir nicht machen können… 

      VG Mandy

  2. Wow, das ist definitiv etwas, wofür ich nicht genug Zeit habe, obwohl ich solche Spielereien grundsätzlich toll finde… ;-)
    Bin ja gespannt, welche Kunstwerke wir noch zu sehen bekommen – die Technik hat ja wirklich großes Potential!

    1. Oh ja, einen Eimer voll Zeit braucht man dafür wirklich… aber nicht halb soviel wie Nerven dafür nötig sind… ;)

      Die nächsten Kunst-(oder wie auch immer man das nennen möchte)werke werden sicher noch ein Weilchen auf sich warten lassen, weil ich noch keine neuen Filme habe… (zumal ich schon wieder hundert andere mehr oder weniger bekloppte Einfälle und Ideen habe… soviele, daß ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, weshalb aus den meisten nix wird… aber das ist schon wieder ein anderes Thema… Laughing )

       

       

Kommentare sind geschlossen.