Selbstgebaut: Makro-Linse für die Handy-Kamera


Vor einigen Tagen erschien das aktuelle
c’t-Sonderheft „Hardware Hacks – Kreativ basteln mit Technik“. Darin befindet sich unter anderem diese interessante Anleitung: „Makrofotos mit DVD-Linse und Handy“. Da mein lieber Mann mich und meine Kamera-Macke ziemlich gut kennt und überdies selbst stolzer Besitzer eines nigelnagelneuen Smartphones ist, war schnell klar, daß wir das unbedingt mal ausprobieren müssen. Das Heft selbst haben wir übrigens noch gar nicht, es ist bestellt und bereits auf dem Postweg und dürfte morgen oder übermorgen hier eintrudeln. Die eigentliche Anleitung lag uns also noch gar nicht vor, als wir unser Experiment starteten, nur die Idee als solche.

 

Worum geht es also?

DVD-Laufwerke (u.ä.) enthalten neben einer Vielzahl an Schaltkreisen, Zahnrädern, Kabeln und natürlich dem Laser auch diverse optische Bauteile. Welches Bauteil welche Funktion hat, soll uns nicht weiter beschäftigen, uns interessiert nämlich nur eins: Die Linse. Da sie vergrößernd wirkt und in etwa dem Durchmesser einer Handykamera-Linse entspricht, eignet sie sich hervorragend als Vorsatzlinse, um damit echte Makro-Aufnahmen zu machen.

 

Was wird benötigt?

Wir brauchen ein altes, ausgedientes DVD-Laufwerk, welches man wirklich nicht mehr braucht(!). Zu beachten ist, daß durch das Öffnen des Gehäuses jeglicher Garantieanspruch erlischt, versichert euch also, daß ihr nicht zufällig das gute, neue Laufwerk erwischt, sondern das defekte, alte, langsame.

Vorbereiteter OP-Tisch
Vorbereiteter OP-Tisch

Es macht sich außerdem gut, eine Zeitung unter- und diverse Kreuzschlitzschraubendreher bereitzulegen. Ein schraubwütiger Assistent in Form einer achtjährigen Bastel-Rübe ist ebenfalls von Vorteil, so könnt ihr sicher gehen, daß ihr jemanden an eurer Seite habt, der das Gerät bis in seine kleinsten Einzelteile zerlegen und es obendrein geschickt in seine Metall- und Plastikteile trennen wird.

 

Wie gehen wir vor?

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Wir lösen alle Schrauben, die wir finden können, und entfernen erst die Unterseite und danach das gesamte Gehäuse. Die breiten Kabel lassen sich leicht abziehen, so läßt sich die große Leiterplatte abnehmen und wir können einen ersten Blick auf die Optik-Einheit werfen.

 

Hier drunter befindet sich das gesuchte Objekt.
Hier drunter befindet sich das gesuchte Objekt.

 

Auch hier lösen wir wieder die kleine Platine, dafür lösen wir eventuell vorhandene Schräubchen und hebeln ein wenig, bis sie gelockert ist. Ein kleiner flacher Schraubendreher macht sich da gut, viele Elemente sind nämlich miteinander verklebt.

Ist das geschafft, sehen wir sie auch schon: Unsere Linse.

Prisma und Linse
Prisma und Linse

Und kurz darauf folgt auch schon die böse Überraschung: Sie ist zu klein! Mit ihrem gerade mal 5mm Durchmesser ist sie zwar groß genug für diverse Experimente, aber zu klein für unsere Handy-Kamera. Schade.

Gut, daß mein Mann einen Tag vorher bereits ein anderes Laufwerk geschlachtet und darin eine passende Linse gefunden hat.

So kann ich an dieser Stelle sagen: Ich hab da schon mal was vorbereitet…

Vergleich zweier Linsen
Vergleich zweier Linsen

 

Und wie befestigen wir das Ganze?

Nun müssen wir uns überlegen, wie wir die etwas größere Linse (ca. 9mm Ø) am Handy befestigen. Im Handel gibt es da verschiedene Ansätze, zum Beispiel Makrolinsen mit aufklebbarer Magnetring-Halterung (um die 40,- €), komplette Schutzhüllen mit eingebauter Optik (ca. 16,- €), einfache Klebepads für wenige Cent…

Wir entscheiden uns spontan für einen Streifen Tesa-Film, den wir gekonnt über die Linse und über die Kamera-Aussparung unserer Silikon-Hülle kleben, nachdem wir mittig ein kleines Fenster in den Klebestreifen geschnitten haben, dabei müssen wir nicht allzu penibel vorgehen, eine mehr oder weniger quadratische, nicht allzu große Öffnung tut es auch. Möchte man die Kamera auch unterwegs benutzen, sollte man natürlich über zusätzliche Sicherungsmaßnahmen nachdenken, um die Linse nicht bei der nächstbesten Gelegenheit zu verlieren. Für’s erste soll uns das so aber genügen.

Provisorische Fixierung der Linse
Provisorische Fixierung der Linse

 

Bereit für die ersten Aufnahmen!

Nun haben wir also gebastelt, ein heilloses Durcheinander auf dem Eßtisch angerichtet, uns diverse Schräubchen und Plastiksplitter eingetreten und den ein oder anderen Finger an einem scharfkantigen Grat verletzt – mit anderen Worten: Wir haben uns jetzt wirklich eine Belohnung verdient!

Machen wir also die ersten Aufnahmen:

 

Makro-Aufnahme VIII (getrocknete Blüten, N8-Makro-Modus)
Makro-Aufnahme VIII (getrocknete Blüten, N8-Makro-Modus)

 

Das schaut doch gar nicht schlecht aus, hmm?

Mein Handy ist übrigens das Nokia N8, und zum Fotografieren benutze ich meist die mit 2,99 € recht günstige App CameraPro N8 (2.2).

Und hier noch ein Vergleich, das obere Bild im Auto-Modus (Normal), das untere Bild im Makro-Modus (beide mit vorgesetzter DVD-Linse):

Vergleich: Oben Auto-, unten Makro-Modus
Vergleich: Oben Auto-, unten Makro-Modus

 

Fazit:

Alles in allem eine interessante Bastelei, deren Ergebnis durchaus verblüffend ist. Schade, daß man nicht so genau vorher weiß, ob in dem zu schlachtenden Laufwerk auch wirklich die passende Linse steckt. Vielleicht gibt es aber in besagter Anleitung noch einen erhellenden Hinweis? Wenn ja, werde ich das noch nachtragen…

 

Anmerkung:

Das Portrait der jungen Frau, welches auf einigen Bildern zu sehen ist und unter anderem für meinen schnöden Linsen-Vergleich herhalten mußte, ist eigentlich nur ein Ausschnitt aus der kostenlos Tageszeitung, die ich als Unterlage benutzt hatte und war eher zufällig von mir ausgewählt worden.

Ich möchte dennoch nicht unerwähnt lassen, daß hier Cristina-Antoaneta Pasaroiu, Sopranistin am Theater Nordhausen, in ihrer Rolle als Violetta in der Oper „La Traviata“ zu sehen ist, welche jüngst das Finale des Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“ erreichte. Meinen Glückwunsch dazu!

 

Zum Schluß nochmal  alle Bilder im Überblick, Klick macht groß und öffnet die Slideshow:

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8 Antworten auf „Selbstgebaut: Makro-Linse für die Handy-Kamera“

  1. Oh Wow das klingt ja mal interessant.
    Ich hatte vor Jahren schon mal von etwas ähnlichem gehört, im Zusammenhang mit dem damals neuen EeePC 701 , da waren aber starre Linsen zum aufkleben in 3 Stärken und jeweils eine Weitwinkel- und Fischaugenlinse. :wal:

    Hier ein Link zu einem „Teleobjektiv“für das Eierfon.
    http://tinyurl.com/427nj7y

    Hier habe ich noch einen Blogeintrag gefunden.
    http://tinyurl.com/67os3ed

    Diese Basteleinträge lese ich gerne, auch wenn ich nicht immer kommentiere, bitte mach weiter so. :frog2:
    aga80 schrieb letztens..SpielzeugMy Profile

    1. Danke dir… da freu ich mich… :pitti: … und ja, solche Beiträge wird es immer wieder mal geben, weil hier immer viel gebastelt und getüftelt wird…

      Ob man wirklich glücklich wird mit all den Zusatz-„Objektiven“, die mittlerweile für Kamera-Handys angeboten werden, wage ich zu bezweifeln… also richtig Geld dafür ausgeben würde ich sicherlich nicht. Aber mit einfachen Mitteln herumexperimentieren UND sogar noch recht ordentliche Ergebnisse zu bekommen, das hat schon was… :frog2:

      Liebe Grüße, und danke für die Links, ich hab mal durchgestöbert…

  2. Den Artikel habe ich am Wochenende auch schon gelesen. Mein Vater schaut heute mal mit Keller ob er noch ein altes Laufwerk hab, ich hab nämlich keins. Das will ich unbedingt mal selbst testen. Eigentlich sollte man auch gleich eine Halterung bauen. Tesa sieht auf dauer Doof aus ;)
    Symm schrieb letztens..Symms Kino Preview: HeadhuntersMy Profile

    1. Bei uns war das Heft gestern im Briefkasten, der Artikel deckt sich ja recht gut mit meinem Geschreibsel. Schade, ich hatte ja auf einen „heißen“ Tipp gehofft bezüglich der Linsengröße… aber dazu stand weiter nix.

      Und ja, so ein oller Klebestreifen treibt einem das Wasser in die Augen… Vielleicht hast du ja eine zündende Idee für eine ordentliche Halterung? Ich hab nämlich noch keine…

      Liebe Grüße… :weasel:

    1. Hallo Leonix, danke für den Kommentar. Ich hab den (kommerziellen) Link mal gelöscht, aber ihn als zum Artikel passenden Hinweis im Kommentar selbst als plain text stehenlassen, bin ja kein Unmensch…

      :-D

  3. das ist ja was wirklich tolles! ich mag diese DIY Dinge sehr… dass könnte vielleicht auch mit einer Fischaugenlinse geschafft werden, aber dazu sollte man sicher eine spezielle Linse bestellen. Hat jemand schon das hier gemacht? ich finde der Schwerpunkt des Projektes ist die fixierung der Linse

  4. Hier ein Beispiel von mir:
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvdshoot.JPG
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvdshoot2.JPG
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvdshoot3.JPG
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvd1.jpg
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvd2.jpg
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvd3.jpg
    http://steyer-art.com/dvdcam/dvd4.jpg

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