¡ǝlqıssodɯı

Es war einmal vor langer Zeit, da hielten die Menschen hübsch häßliche, dunkle, überaus eckige Kästen in ihren Händen, zeigten damit auf ihre nächsten Anverwandten, drückten ein Knöpfchen und die Seelen aller waren gefangen in einer Welt aus Papier und Paste, in einem kleinen Stückchen Zeitgeschichte, ausgespuckt wie ein Stückchen alter Käse . 

Eines Tages aber war der Spuk vorüber. Nieder mit den Sofortbildkameras! Who the dings is Warhol! Überall konnte man es hören. Irgendwann wurden die Schreie leiser, bis sie eines Tages ganz verstummten. Die kastigen Kästen waren längst verstoßen wurden, in die hintersten Ecken staubiger Schuhschränke, in die staubigsten Winkel alter Kellerregale. 

Doch plötzlich…

Ähm… jetzt habe ich den Faden verloren.

Was ich eigentlich damit sagen wollte: Ihr wißt, ich neige zum Experimentieren und habe diese Kamera-Macke. Beides traf ja schon mehrfach aufeinander und ließ mich unter anderem immer wieder auch über Sofortbildkameras nachdenken. Braucht man sowas? Naja. Es ist teuer oder gleich gar nicht mehr erhältlich. Die Bilder sind natürlich klasse, eben Kult, keine Frage… aber extra dafür… hmm. Doch dann… doch dann…! Dann stieß ich auf den Begriff „Emulsionslift“. Zugegeben, gelesen hatte ich davon bereits immer mal, im Spürsinn-Shop, aber erst wurde ich richtig aufmerksam darauf. Schnell waren die ersten Videos gefunden, die zeigen wie das geht, und schnell stand fest: Polaroid + Wildes Gebastel + Büttenpapier = Muß ich unbedingt ausprobieren! Ich sage auch noch „Unikat-Kunst“… naja, ob meine ersten Versuche einem wie auch immer gearteten Kunstanspruch gerecht werden, ist äußerst fraglich, aber egal.

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Der Zufall wollte es, daß meine Eltern noch die alte Polaroid Supercolor 635 CL von meinem Opa hatten und diese auch bereitwillig herausrückten (nicht, daß ihnen etwas anderes übriggeblieben wäre…). Nun konnte ich mich auf die Suche nach passenden Filmen begeben. Und ich sage euch: Es ist ein Dschungel! Es ist der reine Wahnsinn! Denn auf den Filmen steht meist überhaupt keine brauchbare Angabe, die Anleitung für die Kamera ist längst verschollen, es gibt eine schier endlose Zahl von Webseiten und online-Händlern, die sich auf Sofortbildkameras spezialisiert haben, aber man findet einfach keine ordentliche Auskunft über die jeweilige Kamera-Film-Kompatibilität! Erst heute stieß ich durch Zufall auf eine tolle Seite, in der so ziemlich alles aufgelistet ist, einschließlich der von mir gesuchten Informationen. Jippieh.

Und: Mist. Denn heute kamen bereits die beiden Filme, die ich – ungeduldig, wie ich eben bin – am Wochenende bestellt hatte. Einer paßt, einer nicht.

PX 600 Silver Shade
PX 600 Silver Shade

 

Der Passende war der PX 600 Silver Shade, ein Monochrom-Film aus dem unmöglichen Hause The ImPossible Project. Der Absolut-Nicht-Passende-Weil-Viel-Zu-Große war der Fuji FP-100 C glossy, welcher, wie ich nun weiß, für völlig andere Kamera-Modelle vorgesehen ist. Da mir das nötige Kleingeld für eine solche fehlt, habe ich für diesen Film nun einen ganz anderen Plan… aber nicht heute und nicht morgen… mal sehen… ich werde berichten.

Übrigens… ich weiß jetzt auch, daß man diese Film-Kassetten einfach in das olle Fach reinschiebt und eben nicht selbst die schwarze Pappe rauspfriemeln muß. Und ja, wenn man das – so wie ich – doch macht (natürlich nachdem man die Kassette hineingeschoben hat und somit nicht unter Lichteinfall)  und schließt dann das Fach, kommt sofort ein Sofortbild raus. Nein, ich hatte die Blitz-Einheit noch nicht hochgeklappt, um damit das Objektiv freizulegen und irgendwie dem Film eine Chance auf Belichtung zu geben. Und wie ihr seht, seht ihr nichts:

ImPossible!
ImPossible!

 

Schaut schon wieder fast so schräg aus wie ein Lomo, nicht? Und wenn ich euch jetzt noch verrate, daß mich dieses eine verkorkste Bild quasi 2.50 € gekostet hat… nun ja.

Aber sehen wir es positiv: Ich habe jetzt ein prima Test-Foto für meinen allerersten Emulsionslift-Versuch und kann damit völlig schmerzfrei nach Herzenslust herumbasteln, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu zermöhren, ist doch auch nicht übel, stimmt’s?

Und wie das Ergebnis aussieht, vorausgesetzt es gibt eins, zeige ich euch natürlich auch noch. Hier. Bald.

 

5 Antworten auf „¡ǝlqıssodɯı“

  1. Spannend! Und das „missglückte“ Foto hat aber doch was. Dieser Lichteinfall und die Striche, dann unten die schwarzen Punkte. Das symbolisiert das Weltall in seiner ganzen Schönheit, reduziert auf das Wesentliche.
    Oder auch ganz anders. :fellmonster:
    Ich hatte auch mal eine Sofortbildkamera. Vielleicht habe ich die sogar noch, ich bin ja immer noch beim Ausmisten. Sollte sie wieder zum Vorschein kommen, experimentiere ich vielleicht ein bisschen mit. :frog:

    1. Oh ja…das wär prima… laß uns gemeinsam herumexperimentieren…! :D :camera:

      Doof ist ja nur, daß die Filme so hundsteuer (nicht zu verwechseln mit „Hundesteuer“…) sind… aber naja, je weniger, desto mehr. Ist ja auch nicht schlecht.

      Wir hatten ja früher (damals!) keine Polaroid, nur diverse Verwandtschaft meinerseits hatte damals schon eine. Vielleicht aus dem Intershop, oder über Westverwandtschaft. Es war also echt das erste Mal, daß ich so ein Gerät aus der Nähe gesehen habe..naja, dementsprechend deppert hab ich mich ja auch angestellt… *hust* Und ich hätte auch nie gedacht, wieviele verschiedene Sorten es da gibt… und wie lange schon..!

      Das fand ich echt spannend.. man lernt eben nie aus… :cow:

  2. Hachz, ja. Mein Vater hatte eine Polaroid, ich hab gerade beim Kellerkistenausmisten noch eine alte Filmschachtel (aber leider leer) gefunden. Und einige der alten Fotos habe ich auch noch.
    Ich dachte, es gäbe gar keine Filme mehr dafür.

    Bin sehr gespannt, was du hier noch zeigen wirst. Die Bilder haben wirklich einen komplett eigenen Charme. Den kannste auch nicht mit Hastenichtgesehensmartphoneapp so richtig echt nachstellen. Wobei – vielleicht liegt das auch daran, dass die Motive auf meinen alten Polaroids so unfassbar siebziger sind. :D

    1. Ich muß ja gestehen, daß ich über Polaroids nicht immer so gedacht habe. Diese kastigen Kästen fand ich immer ziemlich unansehnlich (mittlerweile habe ich aber ganz viele Modelle gefunden, die einfach „heiß“ aussehen.. mit Faltenbalg und allem! :D )
      Aber vielleicht lag das auch nur daran, daß ich damals nur eine Handvoll Bilder gesehen habe, und das waren auch „nur“ irgendwelche Familienfeier-Schnappschüsse mit komischen Leuten drauf. Erst seitdem ich mich mit diesen Kamera-Sachen mehr beschäftige und ganz viele tolle Bilder gesehen habe, bin ich hinter das Geheimnis dieses „Kults“ gekommen…

      Und ja, die Filme waren fast weg vom Fenster, quasi… nun gibt es diese (leider viel zu teueren) Kreativ-Filme… das heißt, ich werde hier sicher nicht viel zeigen können, weil das einfach das Budget sprengen würde. Aber naja, ich hab ja außerdem auch noch ganz viele fertig belichtete „normale“ Filme, die ich noch entwickeln muß und dann zeigen kann… sobald das Rennmaus-Schwesternpaar unser zweites Bad /Abstellkammer/Labor/zukünftige Dunkelkammer wieder geräumt hat…

      :mouse: + :film: = :tod:

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