Alle Jahre wieder Oder: Die Schulbuchbestellung des Grauens

Soeben habe ich voller Erleichterung auf das hübsche Amazon-Knöpflein „Bestellung abschicken“ geklickt. Immerhin hat es mich eine gute Stunde meines Lebens gekostet, alle Schulbücher für unsere beiden großen Rüben zusammenzusuchen. Gut – stimmt nicht ganz – für die beiden Arbeitshefte unseres Mittelkindes brauchte ich keine 10 Sekunden, wie auch, schließlich standen die ISBN beider Hefte klar und deutlich auf der Liste.

Wir erinnern uns:

Die Internationale Standardbuchnummer (International Standard Book Number), abgekürzt ISBN, ist eine Nummer zur eindeutigen Kennzeichnung von Büchern und anderen selbstständigen Veröffentlichungen mit redaktionellem Anteil, wie beispielsweise Multimedia-Produkte und Software. Seit dem 1. Januar 2007 ist die Angabe der ISBN-13 verbindlich.

[Quelle: Wikipedia]

 

Einfach, nicht? Man gibt 13 (oder 10) Ziffern in das Suchfeld ein und – Ta-daa! – erhält als Resultat das gesuchte Buch.

Leider hat man von dieser tollen Erfindung im Sekretariat unseres Gymnasiums noch nix gehört. Denn sonst bekäme man wohl kaum jedes Jahr einen Bücherzettel, auf dem man zwar – mehr oder weniger – penibel die Fachbezeichnungen, Verlage und Titel der im neuen Schuljahr benötigten Bücher und Arbeitshefte aufführt, auf dem die jeweiligen Bestellnummern aber nur aus den letzten 4 bis 9 Ziffern der ISBN bestehen. Hallo?!

Meine vorsichtige Vermutung (und ein gerüttelt‘ Maß Erfahrung mit Erstellern solcher Listen) sagt mir, daß der Grund für diesen unlogischen, zeitraubenden Humbug einfach der ist, daß die entsprechende Spalte nicht breit genug war.

Klar, es gibt ja auch keine Kürzel für die Fachbezeichnung, man schreibt also „Französisch“ genauso aus wie Geographie, und daß „Katholische Religion“ tatsächlich nur „Kath. Religion“ heißt, beruht wahrscheinlich auf reiner Tradition, nicht auf Vernunft (aber das ist ja ein alter Hut… *hust* ).

Klar, daß man darin Dinge schreibt wie „Arbeitsheft mit CD ODER mit CD-ROM“.

Wie findet man nun aber die entsprechenden Artikel? Nun, bei den ersten 4 ging es recht einfach. Man gibt so etwas wie „Englisch Cornelsen Arbeitsheft 7“ in die Suchmaske ein, wühlt sich durch die 21 Ergebnisse, als Anhaltspunkt nimmt man sich einfach den Preis (€), der natürlich auch auf der Liste stand, und… findet nichts. Erst als ich nur noch „Englisch Cornelsen“ eingebe, werde ich fündig. Schnell noch einen Blick zur Überprüfung auf die ISBN – tatsächlich, die letzten Ziffern stimmen überein. Hurra. Und schon landet das erste Buch im virtuellen Einkaufswagen.

Was aber, wenn man einfach nicht das Richtige findet? Klar, dann wird gegoogelt. Ich dachte mir so, wenn ich auf die Webseite des Verlags schaue, finde ich vielleicht das Schulbuchprogramm und komme so einen Schritt weiter. Gesagt, getan: Ich gebe „Verlag Volk und Wissen“ ein und erfahre so, daß man diesen mittlerweile bei „Cornelsen“ findet. Aha. Und auch ein Bücherprogramm findet man, allerdings gilt dieses nur für Lehrkräfte. Schade. Ich suche weiter und weiß nun endlich auch, wie die für Thüringen zuständigen Schulberater des Verlages aussehen und heißen. Na bitte. Das hilft mir zwar nicht weiter, aber schön zu wissen.

Also zurück zu Amazon. Schon habe ich die nächste zündende Idee: Wir basteln uns einfach eine ISBN aus den vorhandenen Mitteln! Das wird’s! Wir suchen also – laut Liste – nach „Geschichte – Volk/Wissen – Arbeitsheft 7 – Bestellnr. 110730-7 – 7,97 €“ Ich finde ein ähnliches Heft, über das mein Lieblings-Buch-Versand zu berichten weiß, daß ich es vor gut zwei Jahren bereits gekauft hatte. Prima, ich schlußfolgere daraus messerscharf, daß es das Arbeitsheft für die 5. Klasse war, denn darüber schweigt sich die Buchbeschreibung aus. Ich wähne mich auf der richtigen Spur und kopiere nun die ersten Ziffern dieser ISBN zusammen mit den Ziffern meines Bestellzettels in das Suchfeld und – Preiset den Schmarrn! – erhalte umgehend das passende Geschichs-Arbeitsheft, welches übrigens bislang in keiner meiner Suchergebnisse erschienen war. Übrigens heißt dieses „Geschichte plus – Regelschule und Gymnasium Thüringen: Geschichte plus, Arbeitsheft, Ausgabe Thüringen“.

So langsam pegelt sich nun mein Blutdruck wieder auf moderate Hypotonie-Werte hinunter und ich kann auch die virtuelle Tüte wieder beiseite legen, in die ich zwischendurch gerne geatmet hätte.

Noch ein paar Klicks und der Einkaufswagen ist voll. Keine 80 €uro kostet der Spaß, weil man ja die richtigen Schulbücher als Ausleihexemplare nimmt, und mag sich der Monk in mir noch so dagegen sträuben – alle Bücher zu kaufen ist einfach viel zu teuer, und vielleicht sind die Ausleihbücher dieses mal nur halb so speckig und abgegrabbelt, wie sie es sonst zu sein pflegen.

Ach ja, liebe Lehrer, und es wäre auch gut zu wissen, daß die von uns gekauften Arbeitshefte in diesem Schuljahr auch wirklich alle verwendet würden, und nein, damit sind nicht nur die ersten 10-20 Seiten gemeint. Besten Dank dafür.

PS: Eigentlich gehört zu diesem Artikel auch noch, wie hirnrissig es ist, daß jedes Bundesland/die westlichen/die östlichen Bundesländer/Berlin/die Steilküste Meck-Pomms/die Gipfel aller Mittelgebirge, die die 1.000 m-Grenze überschreiten/die ostfriesischen Inseln/die Rot-Brünett-regierten Länder jeweils eigene Lehrpläne und somit auch Schulbücher hat bzw. haben, wodurch ich mich als nächstes unweigerlich zu massiver Kritik am bestehenden gegliederten Schulsystem hinreißen ließe, nicht ohne die auf Länderebene basierende deutsche Bildungspolitik auf’s sprichwörtliche Korn zu nehmen, aber dafür fehlt mir momentan die Zeit. Ich muß nämlich jetzt noch die Schulhefte bestellen, Lineatur Klasse 2, versteht sich, und langkarierte Seiten, nur, daß wir uns richtig verstehen.

Ansonsten aber… habt einen schönen Sonntag! :)

 

 Edit: Ich wußte, ich hatte hier schon einmal etwas zu diesem Thema geschrieben. Vor über zwei Jahren…. 

 

13 Antworten auf „Alle Jahre wieder Oder: Die Schulbuchbestellung des Grauens“

  1. Bin ich froh!! Meine Rübe ist groß! Wie findest du denn dann die Bücher-einschlag-Nummer??
    Naja, meine Rübe ist ja ’94 in die Schule gekommen, da wurde noch an die guten Dinge der DDR-Zeit angeknüpft, heißt: alles ziemlich einheitlich, gut erhaltene Leihbücher. Das hat Jahrzehnte vorher geklappt, warum jetzt nicht mehr?? Außerdem konnten gekaufte Bücher dann tatsächlich weitergegeben werden (oder man hat gebrauchte günstig erhalten), man muss jka nicht jedes Jahr -und in jedem Bundesland- das Rad neu erfinden… oder??
    Euch auch nen schönen Sonntag!

    1. Bücher-Einschlag-Nummer? Da gibt es eine Nummer für? :shock:

      Gerade was das Schulsystem betrifft, muß ich sagen „Früher war nicht alles schlecht…“… sieht man einmal davon ab, daß man am liebsten nur „Arbeiterkinder“ auf die EOS gelassen hat…. aber an diesem Punkt muß man ja nicht gerade anknüpfen. Vielleicht kommen sie ja irgendwann doch dahinter, daß die POS an sich eine gute Sache war…und feiern sich dann für diese epochale Erkenntnis… *grummel* Bis es soweit ist, sind unsere Rüben sicher aus der Schule raus…

      :)

  2. Ja es ist immer erstaunlich wie manche Leute versuchen mit einen umzuspringen. Und die Kinder müssen es dann ausbaden wenn sie in der Schule nicht das richtige Heft haben. Das wird uns sicher auch noch Nerven kosten. Aber bis da hin ist ja noch etwas Zeit! ;)

    1. Stimmt… aber euer Kleiner macht ja auch rasante Fortschritte… krabbeln und brabbeln und so… und im Handumdrehen findest du dich selbst mit einem Schulbuchzettel in der Hand wieder… ;)

  3. Diese ganzen Arbeitshefte gab es zu meiner Zeit noch kaum. Außer in Englisch. In allen anderen Fächern haben wir Aufgaben aus Büchern übernommen. So ganz hat sich mir bis heute der Sinn hinter diesen Arbeitsheften, in denen man halt direkt Worte in die Lückentexte etc. einfügen kann, noch nicht erschlossen. Lernt man dadurch besser, da man weniger Text selber schreiben muss? Oder ist es vielleicht doch nur gut für die Verlage, da bekritzelte Arbeitshefte eben nur 1x genutzt werden können und somit jedes Jahr aufs neue gekauft werden müssen, wohingegen klassische Schulbücher ja immer ein paar Jahre an nachfolgende Klassen weitergereicht werden konnten. Ein Schelm, wer böses dabei denkt ;)

    1. Na da sagste was… die meisten Arbeitshefte finde ich auch nicht besonders sinnvoll. Und wenn man bedenkt, daß diese Hefte im Schnitt 7- 8 €uro kosten…und dann vielleicht nicht mal oder nur zur Hälfte ausgefüllt werden… tät mich auch freuen, wenn ich ein Verlag wär… :highfive:
      Obendrein täte es so manch einem Schüler gut, die ein oder andere Aufgabe auch mal selbst handschriftlich ins Schulheft zu übertragen… naja, aber mittlerweile rückt man ja von der Schreibschrift sowieso immer mehr ab. Ein Armutszeugnis, finde ich. :struggle:

      1. Na da muss ich mich mal einklinken:
        In Österreich hat man dieses handschriftliche Verbrechen (Schreibschrift kann man es ja nicht nennen) schon zu meiner Kindheit eingeführt und wir haben unsere Bekannten AUSGELACHT für diesen Buchstabensalat, den meine Kinder jetzt in der Schule auch lernen müssen. Sieht einfach nur schrecklich aus und ist selbst bei Schönschrift schwer leserlich.
        Riesen-Bockmist.

  4. Zum Glück wird sich darum meine Frau kümmern bzw. hat sie ja auch schon. Die Bestellungen sind im Bücherladen, und nächste Woche geht es zu Papyrus. Die Zwerglinge sind ja auch noch auf der Grundschule, da halten sich Bücher und Material in (gewissen) Grenzen.
    Warum aber solch ein Heckmeck mit tausend verschiedenen Büchern und Heften und Schulformen und Lehrplänen abgezogen wird, entzieht sich auch meinem bescheidenen Verstand. :-/

    1. Ich glaube, mit Verstand und Vernunft hat das alles auch nix zu tun… :-D

      Und ja… natürlich kann man die ganzen Schulbücher auch im Buchladen bestellen… aber ich gehe ja sonst auch nur selten in die Buchhandlung, weil mich das…. hmm… überfordert… zuviele optische Eindrücke… die anderen Leute um mich herum… Und fang mal an, bei Herrn Rose die Bücher erst nach Erscheinungsdatum, dann nach Genre und zum Schluß nach absteigenden Preisen zu sortieren, der wird dir was erzählen! ;)
      Aber ansonsten ist das natürlich eine gute Möglichkeit, keine Frage… :-)

  5. Hoffentlich liest dann auch die Schulleitung des Gymnasiums hier mit!
    Es ist sowieso ein Unding, dass man in den meisten Bundesländern offenbar inzwischen die Schulbücher selst bezahlen muss.

    1. Ja… es wäre mal interessant zu erfahren, was die Schulleitung dazu zu sagen hat…. ;)

      Alternativ zum Selbstkauf gibt es ja die Ausleihexemplare, aber eben nicht für die Arbeitshefte. Aber auch da kommt eben Einiges zusammen, wenn so ein Heft meist mindestens 7 €uro kostet. Und wenn man dann drei Kinder hat…. naja, ist eben ein teurer Spaß, das Kinder-Haben.

      Liebe Grüße, hab ein schönes Wochenende! :)

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