Picknick am Wegesrand

Es ist schon ein Weilchen her, Ostern war’s, da machten wir einen unserer berühmt-berüchtigten Wander-Picknick-Ausflüge. Geplant war eigentlich das „Christianenhaus“, ein (im Moment noch) heruntergekommenes, trostloses ehemaliges Ferienlager mit historischem Forsthaus. Das hätte einen steilen Aufstieg bedeutet, genau heute vor zwei Jahren (Zufall! Reiner Zufall!) schrieb und besang und bedichtete ich dies schon einmal in meinem Artikel vom „Schlächter Müller“.

Als wir also am angepeilten Parkplatz vorbeifuhren, in der inzwischen aufgekeimten Hoffnung, uns vielleicht von der anderen Seite näher an unser Picknick-Ziel heranpirschen zu können, schlief unsere jüngste Rübe ein. Na das konnte ja was werden! Eine müde Rübe, die man nicht einmal mit einem Spielplatz locken kann, weil es nur ein paar halb verfallene Bungalows gibt! Der die ganze Zeit nur herumnörgelt und sich tragen lassen will…

Wir fuhren spontan noch ein Stück weiter. Zum Hufhaus. Und das war auch gut so. Denn dort gibt es Tiere und einen kleinen Spielplatz und auch eine Gaststätte, wenn man das möchte. (Natürlich ist die Gaststätte auch da, wenn man das nicht möchte.) Komplett mit Gaskocher, Wiener Würstchen, einer Kanne Kaffee und ein paar Naschsachen ausgerüstet, ging es los. Ein Stückchen durch den Wald, bergab, bergab, denn wir waren ja schon oben, vorbei an muralen Überresten aus den Anfängen der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts (wie man unschwer an der eingemeißelten Jahreszahl erkennen konnte) und schon bald waren wir da. An einer kleinen Weggabelung breiteten wir unsere Decke aus und die Rüben sprangen wie wild über Stock und Stein. Der kleine Bach, der sinnlich an uns vorbei plätscherte, machte die Szenerie perfekt.

Fast fühlte man sich wie in einem Film, einem Theaterstück, ganz besonders dann, als auf das unheimliche Rascheln, welches plötzlich aus dem OFF zu vernehmen war und uns allesamt den Atem anhalten und die Ohren spitzen ließ, ein ganzes Rudel Rothirsche aus dem Dickicht brach. Ich stand mit meiner Kamera bewaffnet da und war total begeistert, ich hielt drauf und drückte immer wieder den Auslöser. Nur leider – war es ein Regie-Fehler, ein Fehler im Drehbuch, man weiß so wenig –  tobten die Hirsche hinter all den Bäumen an uns vorbei, so daß es sich unmöglich auf die Schnelle ordentlich fokussieren ließ. Wer trotzdem einige Hirsche auf den Bildern entdeckt, hat gewonnen:

 


 
 

Auch die (kind-of-a) Wespe, die sich mir – minutenlang posierend – direkt vor das Makro-Objektiv warf, ließ alles etwas surreal wirken. Surreal, aber schön. Die Rüben waren gut gelaunt und zwischendurch spielten wir mit dem mitgebrachten Stoff-Frisbee. Irgendwann waren die Würstchen aufgegessen, die Kaffeekanne leer, die Bäuche voll, und wir begannen, alles wieder zusammenzuräumen und machten uns auf den kurzen, aber diesmal bergauf führenden Rückweg.

Ein schöner Tag war das und schnell stand fest, daß das nicht unser letztes Picknick am Wegesrand gewesen sein soll.

 

Alle Bilder lassen sich – wie immer – auch direkt in der Galerie betrachten.

2 Antworten auf „Picknick am Wegesrand“

  1. Echt schöne Bilder. Wenn ich selbst im Wald unterwegs bin oder solche Bilder sehe, denke ich immer „Welch ein Kontrast“ zu unserer Technisierten Welt.

    1. Da hast du recht… und das ist auch einer der Gründe, warum ich diese kleinen Ausflüge so liebe. Und dann ist es auch schön zu sehen, daß sich unsere Kinder einen ganzen Nachmittag lang beschäftigen können, indem sie auf diesem kleinen Waldstück auf Erkundungstour gehen. Da wurde mutig über den Bach gesprungen und kleine Stöckchen wurden schwimmen gelassen und all sowas. Einfach nur schön.

      :eule:

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