Der Tag, an dem ich keinen Kaffee bekam

Dienstagmorgen. Ich wache langsam auf… mein Mann bringt gleich die Jungs in die Schule und den Kindergarten… die Große muß auch gleich los. Es klingelt. Klar. Ein Mädel aus ihrer Klasse holt sie ab, wie jeden Morgen. Doch unsere Große geht nicht gleich runter… sie macht dies und das noch… und ich denke „Warum geht sie nicht los? Das Mädel wartet unten und stellt in der Zwischenzeit vielleicht wieder irgendwelchen Blödsinn an…“ Ich bin so verdammt müde… werde einfach nicht wach. Klar, ich bin ja auch erst um drei Uhr in der Früh ins Bett, kein Wunder also. Plötzlich höre ich Stimmen, es wird laut. „Was ist da nur los?“ überlege ich. Da kommt auf einmal unsere Große ins Schlafzimmer hinein. Und das Mädel aus ihrer Klasse ist auch dabei… und ihre Freundin aus der Grundschule, die schon ewig nicht mehr hier war… Ich wundere mich… Was machen die nur hier? Und warum fläzt sich eins der Mädchen in unser Bett, gehts noch?! Mit Straßenschuhen und allem? Müssen die nicht zur Schule? Das andere Mädel grüßt mich fröhlich.. wie immer… als wäre sie mit mir in einer Klasse gewesen. Klar, daß sie uns auch duzt, als wär es völlig selbstverständlich.

Wenigstens bin ich nun wach. Ich ziehe mich schnell an… und merke plötzlich, daß die Stimmen noch lauter geworden sind. Es werden immer mehr. Sie sind in unserer Wohnung! Die Mädchen sind unterdes doch endlich Richtung Schule abgezogen… aber die Stimmen sind dennoch da. Es sind … Leute. Viele Leute. Ein ganzer Haufen Leute. Keine Schulkinder, sondern Erwachsene. Immer noch ein wenig schlaftrunken wanke ich nach draußen in den Flur, um zu sehen, was dort los ist. Was ich nun entdecke, kann eigentlich gar nicht sein: Es sind alles und ausnahmslos Kollegen meiner Mutter. Ihr komplettes Büro scheint hier versammelt… Sie schwatzen alle durcheinander und ab und zu hält mir jemand ein paar Zeichnungen unter die Nase… Klar, das sind alles Architekten und Bauzeichner und dergleichen. Offenbar wollen sie uns ein riesiges Grundstück mit Haus verkaufen. Ich werfe panisch immer mal einen Blick darauf und fasele etwas von „jaja, schön“, „kein Geld“, „das ist doch viel zu teuer“, „was soll ich damit“.

So langsam ordnet sich scheinbar das Chaos, denn nun sitzt ein gutes Dutzend der Arbeitskollegen mütterlicherseits an unserem Eßtisch, aber zur Wohnungstür quellen immer noch mehr herein. Sie alle wollen Frühstück. Und ich soll es zubereiten! Mittlerweile habe ich auch meine Mutter in diesem laut plappernden Gewimmel entdeckt. Sie sagt fröhlich, daß sie heute früh einfach mal spontan alle eingeladen hätte, bei uns zu frühstücken. Ich bin völlig fertig. Als auch noch einige der männlichen Kollegen anfangen, mir seltsame, geheimnisvoll miteinander verbundene elektrische Frühstücks-Gemüse-Kocher, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe, unter die Nase zu halten und sich permanent beschweren, ich hätte diese durcheinandergebracht, fange ich langsam an, auszuticken.

Ich wedele und klopfe mit einigen Frühstücksbrettchen. Eins davon ist auf einmal blau mit kleinen weißen Punkten. Immer wieder rufe ich „Nein! Nein! Ich will doch nur einen Kaffee trinken! Nur einen Kaffee! Geht weg, verschwindet, ich hab euch nicht eingeladen! Das ist unser Eßtisch und das da ist mein Platz! Ich will doch nur in Ruhe einen Kaffee trinken!“

Danach renne ich – unter den leicht verwunderten Blicken der anderen – einfach weg. Weg, raus. Auf die Straße. In irgendein seltsames Gebäude mit langen, hellen Fluren und großen Fenstern. Und wieder auf die Straße, wo ich plötzlich vier Leute treffe, die ich irgendwie … kenne. Ich bin völlig außer Atem und erzähle ihnen schnell, was mir gerade Ungeheuerliches passiert war und rufe zwischendurch immerzu „Das können die doch mit mir nicht machen! Ich hab 43 von 50 Punkten im Aspie-Screening-Test!“ Die Vier nicken verständnisvoll und dann… wache ich auf.

 

10 Antworten auf „Der Tag, an dem ich keinen Kaffee bekam“

  1. Ich hoffe, es gab dann nach dem echten Aufwachen direkt einen Kaffee für dich?! teddy2:

    Ätzend, solche Träume, die sich so real anfühlen und in denen man selber so eine hilflose/überforderte/bedrängte Rolle hat. Ich träume auch häufiger so einen Mist (also nur vom Gefühl her vergleichbar, nicht dass mir bisher tatsächlich wer im Traum (oder auch real^^) einen Frühstücksgemüsekocher geschenkt hätte :chic: ), dieses Gefühl von Bedrängung werde ich oft erst nach einem halben Tag wieder los – auch wenn ich genau weiss, dass das nur ein Traum war. :eek:

    1. Oh ja…Kaffee… den gab es, den hatte ich dann auch echt nötig… :coffee:

      Ich träume ja oft so’n Zeug. Auch oft Dinge, die sich absolut real anfühlen. Aber dieser hier war so schräg und beängstigend, daß ich den ganzen Tag noch dran zu knabbern hatte… und immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, doch unbedingt meine Mutter anrufen zu müssen und sie zu fragen, warum um alles in der Welt sie die Leute zu uns eingeladen hat!!! (Na, da hätte sie bestimmt gestaunt… ;) )

      :enti:
      Magrat schrieb letztens..Freundebuch- dasMy Profile

  2. Hallo Magrat,
    ich vermute mal ganz stark, du hast mein Mail gelesen und offensichtlich auch aufgenommen.
    Freut mich!
    Soll ich dir eine Erklärung schreiben?

    1. Ah ja… die Teile sind prima… mein Opa hat meiner Mutter mal so eine geschenkt…vor 20 Jahren… aus Porzellan… mit Blümchen-Deko… ganz schick..und funktioniert hervorragend… faucht wie ein kleiner Küchen-Drache… (die Kanne… nicht meine Mutti… ) :D

      1. Oh schade denn viel Fauchen wie ein Drache, die Frauen, nicht die Kannen. :soldier:
        Schade du hat keinen Drachensmilie .

  3. Diese Träume treiben uns Menschen manchmal wirklich dem Klingeln des Weckers entgegen. Und wenn sie dann praktisch bekannte Szenarien in einem völlig unmöglichen Rahmen ablaufen lassen, verwirrt es uns extrem.
    Auf jeden Fall würde ich mir im Traum nicht irgendwelche elektrischen Frühstückszubereiter andrehen lassen. Es sei denn, es wäre ein Pancakes-Automat. ;)

    1. Also ich frage mich wirklich oft, was ich da alles so zusammenträume… das geht auf keine :cow2: – Haut… Und vieles davon hat tiefere Ursprünge… die oft lange zurückliegen.. Schulzeit und so… naja.. ein Fest für jeden Psychoanalytiker… :shutmouth:

      Und nein, so ein seltsamer Frühstücks-Gemüse-Kocher kommt mir nicht ins Haus!!! :zombiekiller:
      Magrat schrieb letztens..12 am Zwölften April ’11My Profile

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