Das Letzte – Der Fall „Mala“

Da schaue ich gestern nix Böses ahnend in meine Facebook-Timeline und sehe auf einmal Folgendes:

 

Elefantöser Spaß?!
Elefantöser Spaß?!

Die Fanpage von MDR Sputnik „gefiel mir“ bis gestern ganz gut, wenngleich ich kein großer Radio-Hörer bin. Mit dieser Aktion aber hat sich der Sender ganz klar ein Armutszeugnis ausgestellt. Die Reaktionen der Fans fielen – von einer dumpfbackigen Ausnahme einmal abgesehen („endlich mal ne coole aktion in der elb-metropole!“ ) denn auch entsprechend vernichtend aus:

 

„vom Radiosender mit selbstgewählten Bildungsauftrag (wie war das früher doch „Geist ist geil“ ) zum „Call-In-Gewinnshow-Sender“ der selbst vor tierschutz-rechtlich fraglichen Aktionen nicht mehr zurückschreckt – Lob und Anerkennung dafür ..“

„Cool, wir zahlen also Gebühren damit unschuldige Elefanten aufn Sonntag von massenhaft Touristen angegrabelt werden können! Und ich bin mal gespannt ob MDR SPUTNIK auf diese Kommentare angemessen reagiert oder es, wie so viele die Facebook noch nicht ganz verstanden haben, einfach überhört.“

„Ich finde, es ist ein unding, dass ihr das echt durchgezogen habt. Hoffentlich wird aufgrund der vielen negativen Kommentare hier die Aktion in den restlichen geplanten Städten abgeblasen. Sonst habt ihr genau das Gegenteil von dem erreicht, was ihr erreichen wolltet und verliert wohl nicht nur mich als Hörer. Bin schwer enttäuscht. Vom lieblingssender zum hassobjekt!“

Irgendwann nahm MDR Sputnik tatsächlich Stellung dazu. Mit folgender, denkwürdiger Begründung:

„Liebe Leute, wir haben zusammen mit Amtstieraerzten im Vorfeld wirklich alles von Malas Geschichte ueber ihre Haltung auf ihrem Elefantenhof, ihren (jahrelangen) Erfahrungen mit aehnlichen Aktionen bis hin zu ihrer Unterbringung waehrend der Tour geprueft. Alle Tierschutzbestimmungen werden akribisch eingehalten, eine ganze Reihe von Leuten achtet permanent darauf, dass es Mala gut geht.“

 

Aha. Und da fiel mir natürlich spontan ein Stein vom Herzen. Die Elefantenkuh hat Erfahrung damit! Also quasi jahrelange Berufserfahrung. Sie ist die Unterbringung in einem Wagon gewöhnt! Aber hallo!

Gut, nicht? Und die Tierschutzbestimmung werden auch eingehalten. Und zwar alle. Und zwar akribisch. Na bitte. Da frage ich mich doch allen Ernstes, warum wir uns überhaupt Gedanken über das Leben von Zoo- und Zirkustieren machen. Ich meine… hey! Die sind das gewöhnt, oder? Die kennen das nicht anders! Die würden das vermutlich sogar wollen! Und die Leute achten permanent darauf, daß es der 47jährigen Mala gutgeht. Na, dem Himmel sei dank. Wäre ja auch blöd, wenn ihr das umgehängte sputnik-Werbezelt Unbehagen bereiten würde.

Ach ja…und wozu nun eigentlich das Ganze?

Als „Sputnik Fotosafari“ ist es einfach nur eine – im wahrsten Sinne des Wortes – riesige Werbeveranstaltung. Nix weiter.

Die Elefantendame zieht mit uns im Gepäck durch Sachsen-Anhalt und bringt Euch Glück. Denn wenn ihr euch mit ihr fotografiert und uns das Bild schickt, habt ihr die Chance auf eine Stange Geld. Die SPUTNIKer am Morgen wählen jeden Tag eins eurer Bilder aus und belohnen den Fotografen mit 500 Euro.

Aha. Bild machen, einschicken, eventuell Geld gewinnen. Klar, das geht nicht ohne einen lebendigen Dickhäuter. Hört man ja ständig.

Malas Tourplanung sieht übrigens so aus:

Wann? Wo?
20. März Magdeburg
21. März Stendal
22. März Dessau
23. März Magdeburg
24. März Bernburg/Köthen
25. März Halle
28. März Weißenfels/Zeitz
29. März Merseburg
30. März Bitterfeld/Wolfen
31. März Halle – vor dem SPUTNIK Studio

 

Nicht übel, oder? Das ist es doch, was man sich als Elefanten-Oma wünscht… da kommt noch mal ordentlich rum auf seine alten Tage, da sieht man was von der Welt. Der reinste Globetrotter, die Mala. Da fällt mir ein: Habt ihr schon fleißig eure GEZ-Gebühren bezahlt? Ich meine ja nur…

Die MDR Sputnik-Fanpage „gefällt mir“ übrigens seit gestern nicht mehr. Auch das nur nebenbei. Nicht, daß damit irgendjemandem geholfen wäre.

 

Nähere Informationen über Mala kann man im EleWiki erfahren.

Außerdem möchte ich euch einen Artikel von Miki ans Herz legen, in welchem sie sich allgemein mit der Situation der Tiere in Zoos befaßt.

 

 

16 Antworten auf „Das Letzte – Der Fall „Mala““

  1. Schlimm, schlimm, schlimmer… :-(( :cry:
    Und am Ende der unfreiwilligen Tournee fällt Mala tot um (wenn sie Glück hat… ) In welchen feinen Hotels darf sie sich denn wieviel Tage dazwischen immer erholen? Ach, ich seh grad den Terminplan, da kann sie ja jeweils gleich im miefigen Anhänger bleiben…wie praktisch!
    Menschen, schämt euch! Ich geh schon mal vor…
    :-((

  2. Hm – da fehlen mir wirklich die Worte. Ich dachte, diese Zeiten hätten wir hinter uns.

    1. Leider nein.. ich hatte das erst für einen Scherz gehalten, als ich das Bild sah… aber dann… :-((

      OT: Heute kam ein tolles Päckchen hier bei mir an…mit einem lieben Brief drin… liebe Daniela… ich danke dir wie verrückt! Leider kam ich noch immer nicht dazu, dir zu schreiben, nicht mal deine beiden Artikel zum Thema habe ich geschafft zu kommentieren… wird noch nachgeholt… naja… so ist das eben, du kennst das ja… ;)
      Liebe Grüße…! :pitti:

      1. Super, dass es angekommen ist – ich hatte schon die Befürchtung, dass die Post es vielleicht aussortiert, von wegen Flüssigsprengstoff oder so *gnihihi*

        Möge es dein Leben verbessern! Auf jeden Fall stecken meine allerbesten Wünsche drin. :heart:
        Liebe Grüße :pitti:
        Daniela

      2. Hihi… Flüssigsprengstoff… na, verdächtig gegluckert hat es ja… ;)

        Ich habe sie auch gleich geöffnet… und unserem Mittleren ein Löffelchen Zaubertrank verabreicht… uns hat nämlich ein fieser Magen-Darm-Virus erwischt… und ihn ganz besonders.. :(

        Also noch einmal ganz lieben Dank!!! teddy3:
        Magrat schrieb letztens..Kunstfest im HerderMy Profile

  3. Zum Heulen.
    Und dass das scheinbar den Tierschutzbestimmungen entspricht, zeigt vor allem, dass es um diese absolut nicht gut bestellt ist.

  4. Das man dafür auch noch Gebühren der GEZ verwenden darf, ist einfach unglaublich. :yawn:
    Es wäre wichtig, das der Tierschutz nicht nur in Textform vorliegt, sonder auch mal angewendet wird.

    1. Eben… leider scheinen diese sog. Tierschutzgesetze aus Gummi zu bestehen… jeder zieht sie in die Richtung, die ihm grad paßt… :(

  5. Ich weiss gar nicht, was ihr habt! Immerhin haben sie Mala keinen Nasenring durchgezogen und sie muss nicht mal vor den Leuten tanzen!1elf

    Die kamen sich bei dem Sender bestimmt auch noch toll vor als sie so eine ‚hippe‘ und werbewirksame Idee hatten. Und dass sie nichts ‚merken‘ zeigt ja auch die Reaktion auf die Kritik. Weiss gar nicht, ob mich das eher traurig oder sauer macht.
    Und zu der Quälerei kommt ja auch noch die Entwürdigung obendrauf. Dieses Vorgeführtwerden. Klar, das wird man auch, wenn man im Fernsehen zu ’ner Casting-Show geht – aber die Teilnehmer dort machen das wenigstens freiwillig. :bernd:

    1. Ich fand diese „Begründung“ auch völlig daneben… sie haben sich mit ihrer Geschichte befaßt…und das Einzige, was sie festgestellt haben, ist ihre „Eignung“ für derartige Veranstaltungen… völlig unklar, das… Leider gibt es immer genug Leute, die dort hinströmen und das toll finden… :silly:

  6. Danke für diesen Artikel! Die Reaktion der Leute zeigt, dass wir alle (zumindest viele, einige, viel zu wenig) sensibler werden, wenn es um Tiere geht. Hoffentlich tritt die Elefantenkuh einem dieser Radio-Dumpfbacken ordentlich auf die Füße :evil:

    1. Ich danke auch, für deinen Kommentar und die anderen Kommentare, die zeigen, daß wir vielleicht doch auf dem richtigen Weg sind… man kann es nur hoffen.

      (Habe heute erst an der Tür zum Kindergarten ein Zirkus-Werbeplakat gesehen.. mit der Einladung zum Zirkustier-Streicheln… das ist so krank!!! )

  7. Hurra, ein Zirkus kommt in die Stadt! Und die tolle Tierschau ….
    Zum Glück springen unsere Kinder darauf nicht mehr an, weil wir ihnen erzählt haben, wie „gut“ es den Tieren dort geht.
    Und nun muss auch einer der wenigen Radiosender, auf die ich bisher noch etwas gegeben habe, auf so eine billige Art Werbung für sich machen. Es ist natürlich viel einfacher, mit einem dicken Elefanten für Aufmerksamkeit zu sorgen, als mit einem … äh, guten Programm.
    Schade, damit scheint auch Sputnik endlich im Einheitsbrei der AC-Radios angekommen zu sein. Aber muss dafür eine alte Elefantendame leiden?

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