„Elektrische Schafe“ Oder: Der nerdigste aller Bildschirmschoner

The Electric Sheep is a cyborg mind. It harnesses the collective intelligence of 450,000 computers and people to create abstract art with mathematics and Darwinian evolution. The result is seamless, organic, and infinite.

Seien wir mal ehrlich: So ein Rechner ist doch auch nur ein Mensch, nicht? Wann immer er die Gelegenheit bekommt, ein Päuschen zu machen – Zack! – Bildschirmschoner an und ein Nickerchen gemacht. Vorausgesetzt natürlich, der vor ihm sitzende Mensch hat das entsprechend konfiguriert und ist nicht etwa einer von der ganz (energie)sparsamen Sorte und schaltet einfach den Monitor aus, sobald er den Schreibtisch für eine länger Zeit verläßt, als er benötigt, um sich den nächsten Kaffee zu holen.

Zu Letzterem zählte ich übrigens bis vor einigen Tagen noch. Dann fand ich im Netz – auf der Suche nach Informationen und Software zum Thema „Fraktale“ – die elektrischen Schafe.

„Electric Sheep“ ist also eine Art Bildschirmschoner…

…bei dem der Rechner Videos animierter Fraktalbilder abspielt und sich zusammen mit allen anderen Rechnern, auf denen der Bildschirmschoner läuft, an der aufwendigen Berechnung neuerer Fraktalbilder und ihrer Animation beteiligt. Da die Rechner z. T. selbst bestimmen, wie die neuberechneten Fraktale aussehen werden, liegt es nahe, sie als „Träume“ der Rechner zu bezeichnen, bzw. als Schafe, in Anlehnung an den Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick.

[Quelle: Wikipedia]

Diese Idee fand ich so genial, daß ich mich stehenden Fußes bei electricsheep.org anmeldete und mir die entsprechende Software herunterlud und installierte. Von nun an ist es vorbei mit der Gemütlichkeit, wann immer ich für länger als eine Minute aufhöre, auf die Tastatur einzuhacken, schaltet sich der Bildschirmschoner ein und mein Rechner darf seinem Namen alle Ehre machen und … rechnen.

Ursprünglich wollte der Erschaffer dieser elektrischen Schafe, Scott Draves, das Aussehen der Fraktal-Animationen ganz dem Zufall und damit quasi der „Phantasie“ der Recher überlassen. Heute aber werden die sheeps von Fraktalkünstlern erschaffen und in den flock, also die Herde, geladen. Die Client-Rechner lassen sie mittels Server-Instruktionen mutieren und berechnen fließende Übergänge zwischen den einzelnen Fraktal-Animationen. Grundlage für all das bildet das Iterierte Funktionensystem, von dem ich – leider! – überhaupt keine Ahnung habe, meinen unfähigen Mathelehrern sei Dank.

Jedes der Schafe (ich meine die elektrischen, nicht die Lehrer) besitzt eine Art genetischen Code in Form einer komplexen Gleichung, die mathematisch sein Aussehen und seine Animation beschreibt und kann beispielsweise so aussehen (klicken, um die Animation abzuspielen):

[powerpress]

[Original art: this sheep was designed by cqfd93 and Electric Sheep]

Gefällt mir als User eins dieser Schafe besonders, kann ich mittels Klick auf die ↑-Taste dafür voten, finde ich es eher langweilig, klicke ich entsprechend die ↓-Taste. Je mehr User für ein Schaf voten, desto länger lebt es, sprich bleibt in der Herde, und kann für Nachkommen sorgen, indem es weiter verändert wird.

 

Wer sich für solche Dinge interessiert und vielleicht sogar selbst in die „Elektrische Schaf-Zucht“ einsteigen will, findet hier weitere Informationen und Links:

electricsheep auf code.google.com

Was haltet ihr von solchen Projekten? Und überhaupt – mögt ihr Fraktalkunst? Oder ist das für euch alles ein alter Hut, weil ihr schon seit Jahren berühmte Fraktalkünstler seid? Oder denkt ihr, daß das alles horrender Blödsinn ist? Erzählt doch mal… teddy3:

 



 

12 Antworten auf „„Elektrische Schafe“ Oder: Der nerdigste aller Bildschirmschoner“

  1. Nachdem ich auf den Link zu dieser bezaubernden Seite in meiner Blogroll geklickt hatte ging ich in die Küche, um mir einen Kaffee aus der Maschine zu laden; dann holte ich die Wäsche aus dem Trockner (wer Zuhause arbeitet ist immer der gearschte) und sortierte sie in den Schrank. Dann setzte ich mich in mein Arbeitszimmer, schrieb einen Roman und … erinnerte mich, dass sich die Seite nun aufgebaut haben könnte. Also zurück ins Wohnzimmer. Und siehe da, fast fertig :-)

    Nun aber zur Fraktalkunst. Nicht mit meiner fragmentarischen Kunst zu verwechseln. Interessante Sache. Benötigt aber sicher einen schnellen Internetzugang. Womit wir wieder bei fragmentarischer Kunst wären …

    Herzliche Grüße!

  2. Irgendwie schon interessant wieviele Leute es noch mit Modem usw. ins Netz gehen.

    Aber schau mir die Seite gleich mal an. Der Ansatz ist nicht uninteressant

    1. Ja, schau es dir mal an… das Projekt gibt es ja schon seit etlichen Jahren. Naja, um selbst mal solche tollen sheeps zu entwickeln, muß ich noch ganz schön üben, aber dann…! :sheep2: :sheep:

  3. Modem? Ich benutze einen Akustikkoppler; habe ich seit dem C64 in Gebrauch. Funktioniert überall prima, nur hier nicht :-P Nein – ich habe ein halbes DSL (468kb). Das IST langsam UND Deine Seite ist eine echte Herausforderung!

    1. Hihi..na gut, na gut.. das beruhigt mich jetzt ein wenig, Verehrtester… ja, die Seite ist ziemlich „gewaltig“, allein das Theme ist ein „Klopper“.. wenn dann ein halbes DSL hinzukommt ( oh je… das Arme, was ist nur aus der anderen Häfte geworden? :shock: ), dann dauert es ein Weilchen, bis die Seite da ist. Und dann hat auch noch jemand gefühlte hunderttausend Smileys hier hineingebastelt, die wollen ja auch erstmal alle geladen sein..und dann noch die 49 Plugins… *hust*

      Daher freue ich mich umso mehr über deinen Besuch, du Tapferer… :weasel:

  4. Das andere halbe DSL hat die Telekom gefressen; aber bezahlen muss ich es, natürlich, voll :evil: Ich könnte jetzt tagelang über die Benachteiligung der Menschen im dünn besiedelten, ländlichen Raum philosophieren; aber das mache ich dann mal in meinem Blog. Geht schneller *hehe*

    1. Pöhse, pöhse Telekom!!! So geht das nicht! Ich werde sofort ein Beschimpfeschreiben aufsetzen und das anderthalbfache DSL für alle benachteiligten Menschen im dünn besiedelten, ländlichen Raum fordern, und zwar rückwirkend. Jawoll.

      * „Kann-ja-wohl-nicht-wahr-sein-wo-leben-wir-denn-im-18. Jahrhundert-oder-was“-vor-mich-hinmurmelnd-nach-hinten-von-der-Bühne-ab*

      :eule:

  5. @Dark Johann

    Das ist j richtig brutal und habe mich schon geärgert, das ich nur in einem Gebiet wohne, das von der Telecom mit bis zu 25MBit und von Resellern mit bis zu 18MBit versorgt wird.
    Das da eher nur 12-15MBit DL und 1MBit UL dabei herauskommen ist schon OK.
    Wenn ich wirklich mal weiter raus ziehen sollte,habe ich schon gesehen, das zt nur 1- 3MBit im Landkreis flächendeckend verfügbar sind :( .

    Telecom da muss was passieren !!!!!

    1. Eine 1 Mbit-Leitung wäre ein Traum, aga. Doch das Landleben bietet zum Glück andere Vorteile. Da wir nur sehr langsam mailen können, reden wir halt mit unseren Nachbarn, zum Beispiel ;-)

  6. Ein ganzes MBit. In der Sekunde. Wahnsinn! Wo soll dieser Geschwindigkeitsrausch nur noch hinführen?? ;)

    Ja, wir Geschwindigkeitsverwöhnten sind … äh, geschwindigkeitsverwöhnt. Das fällt mir quasi täglich auf, wenn ich bei Händlern bin, deren PCs an langsameren Leitungen angeschlossen sind als bei mir hier zuhause. Aber man arbeitet ja dran. ;)

    „Elektrische Schafe“ sind eine tolle Sache, schon allein deshalb, weil ja die Androiden davon träumen. Und wenn sie dann auch nich in dieser Farbenpracht daher kommen, kommt man kaum daran vorbei. Ich glaube,mich werde mich da auch mal anmelden. :)

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