Optionen und andere Zwickmühlen

Stellt euch mal folgende Situation vor:

Es ist früh am Morgen. Die Zeit ist wie immer knapp, ihr müßt los, eine vierjährige Rübe in den Kindergarten bringen. Besagte Rübe läßt auf dem Weg zur Garderobe einen kleinen Kühlschrank-Magneten auf den Fußboden fallen und geht weiter, als sei nix gewesen. Ihr weist die Rübe darauf hin und bittet ihn und besteht auch darauf, daß der olle Magnet wieder aufgehoben wird.

So weit, so gut.

Doch die Antwort des Vierjährigen lautet schlicht und ergreifend: „Nein.“

Ihr sagt also nochmal: „Komm, heb das auf und steck ihn wieder an den Kühlschrank, das geht ganz schnell…“

Doch die einzige Reaktion darauf ist und bleibt ein „Nein.“

Obendrein liegt die Rübe jetzt auf dem Fußboden, direkt neben dem Magneten, und behauptet steif und fest, keine Kraft mehr zu haben.

Wie reagiert ihr jetzt? Es gibt ja wie immer verschiedene Möglichkeiten:

A. Ihr belaßt es dabei,  schließlich ist es nur ein oller Magnet, und außerdem müßt ihr los, obendrein liegt schon genug Zeug herum, da kommt es nicht mehr drauf an.

B. Ihr hebt den Magneten selbst auf und schimpft noch ein bisschen, damit ist die Sache erledigt.

C. Ihr führt eine viertelstündige Grundsatzdiskussion, in der Hoffnung, daß er so zur Einsicht gelangt und den Magneten einfach aufhebt.

D. Ihr laßt einen ordentlichen Brüller los, dann paßt das schon.

E. Ihr denkt nicht weiter drüber nach, eine saftige Ohrfeige wird die Rübe schnell wieder zur Vernunft bringen, falls nicht, gibt’s eine ordentliche „Reise“.

F. Ihr werft alles, was so herumliegt, im Beisein der Rübe in den Müll, das wird ihn zum Umdenken bewegen.

Fallen euch noch mehr Möglichkeiten ein? Immer her damit. Denn heute morgen hätten wir gerne eine ganze Liste gehabt, um sie nach und nach – zumindest gedanklich – durchzugehen, denn wißt ihr was? Wir waren heute echt ratlos.

Option A und B fallen aus, weil es hier einfach um so grundlegende Dinge geht wie „Du hast es runtergeworfen/es ist dir runtergefallen, also heb‘ es wieder auf.“ Klingt zwar etwas nach der bösen Stiefmutter bei Frau Holle, aber hey, so ist es doch nun mal, oder? Denn genau das ist doch der Grund, warum es überall aussieht wie Kraut und … äh.. Rüben, weil eben immer alles liegenbleibt. Warum sollte ich aufräumen, wenn es meine Eltern irgendwann sowieso selbst machen?

Option C ist zwar nicht schlecht, aber mit trotzigen Vierjährigen läßt sich nur bedingt diskutieren. Redet man eine Viertelstunde auf ihn ein, liegt er eben eine Viertelstunde auf dem Boden, um es hinterher trotzdem nicht aufzuheben.

Option D hinterläßt zwar sowohl beim Brüllenden als auch beim Angebrüllten ein mieses Gefühl, funktioniert aber trotzdem nur sehr unzuverlässig und ist absolut tagesformabhängig.

Option E ist eigentlich überhaupt keine Option, jedenfalls nicht für uns. Wir schlagen die Rüben nicht. Aus. Ende.

Bleibt noch Option F. Nachdem die ersten beiden im Zimmer herumliegenden LKWs des Jüngsten im gelben Sack gelandet sind, hätte er eigentlich schnell aufstehen und den verflixten Magneten aufheben müssen. Hätte, müßte, könnte, sollte.

Hat er aber nicht. Auch nicht, als seine Lego-Autos hinterherflogen. Stattdessen weinte und schrie er, blieb aber nach wie vor liegen und behauptete, keine Kraft zu haben. Dann stand er auf und versuchte äußerst kraftvoll, mich zur Seite zu schieben, um an sein Spielzeug heranzukommen, und als ich ihn nicht hineinließ und stattdessen das nächste Spielzeug holte, legte er sich wieder hin, wieder direkt neben den Magneten, einen Meter vom Kühlschrank entfernt.

Was macht man denn da?! Ich meine, er soll doch nur diesen vedammten Magneten aufheben, oder?! Er soll nicht den ganzen Tag raus auf den Acker und pflügen, oder… oder.. im Steinbruch arbeiten… er soll nur dieses Ding aufheben, was er kurz vorher runtergeworfen hat, nicht? Und er muß nur zwei Schritte machen, zwei Schritte!!! Zumal ich ihm anbiete, sofort die Sachen wieder aus dem gelben Sack zu holen, wenn er es aufhebt! Aber nein, ich hätte vermutlich sein komplettes Zimmer leerräumen können!

Jedenfalls hab ich ihn dann irgendwann geschnappt, hab ihm den Magneten in die Hand gedrückt, hab ihn zum Kühlschrank gezogen, hab seine Hand genommen und so den Magneten wieder dahin gesteckt, wo er hingehörte.

Die Rübe heult jetzt und versucht danach, das Spielzeug wiederzuholen. Und erst als ich nun doch noch von Option D Gebrauch mache und ihn lautstark über seine Rechte und Pflichten aufkläre, kommt er langsam wieder runter. Ich auch. Als er auf mein „Haste das jetzt verstanden, ein für allemal?!!“ leise nickt, ist die Sache beendet und mein lieber Mann, der übrigens Option C bevorzugt, bringt ihn in den Kindergarten.

Ich setze mich, immer noch bebend, an den Eßtisch und trinke, vor mich hingrübelnd, meinen inzwischen lauwarmen Kaffee.

Und wißt ihr, was mich in solchen Situationen am allermeisten fertig macht? Das ist dieses Gefühl der… Ohnmacht. Oder Hilflosigkeit. Oder … keine Ahnung. Und es ist auch das Wissen, daß – ich möchte behaupten, alle – Generationen vor uns solche Situationen mittels Option E geklärt haben. Aber ich hasse körperliche Gewalt, nicht umsonst ist es in Deutschland mittlerweile verboten, seine Hand gegen Kinder oder überhaupt gegen irgendjemanden zu erheben. Wobei das Anschreien auch nicht soviel besser ist.

Aber alles durchgehen lassen? Mit Süßigkeiten bestechen? Alles hinterherräumen? Sehe ich auch nicht ein. Wir müssen also da durch. Und immer wieder einmal eine neue Taktik entwickeln, in der Hoffnung, daß es klappen wird. Daß die Rüben vernünftiger werden und es nicht mehr allzu lange dauert, bis Grundsatzdiskussionen tatsächlich etwas bewirken können.

P.S. Die Spielsachen habe ich natürlich wieder aus dem gelben Sack geholt und sie erst einmal in einer Tüte verstaut. Denn es ist einfach zu kostspielig, sie tatsächlich wegzuwerfen. Das bringt mich in eine Zwickmühle, denn natürlich wäre es absolut unpädagogisch, sie einfach wieder hinzugeben, oder? Also lassen wir es sicher erst einmal „verschwinden“.

Und wißt ihr, was die absolute Krönung war? Als mein Mann mit ihm im Kindergarten ankommt, sagt der Jüngste plötzlich, noch ein wenig schluchzend: „Bis zum nächsten Weihnachten habt ihr das sowieso wieder vergessen…“

16 Antworten auf „Optionen und andere Zwickmühlen“

  1. Ich glaube, du hast da schon die richtige Alternative gewählt.

    Wenn die Zeit mitgespielt hätte, hättest du ihn auch so lange liegen lassen können, bis er das Ding irgendwann aufgehoben und wieder angepappt hätte. Und während du die anderen Sachen von ihm einpackst, den „am Boden liegenden“ gar nicht beachten. Der bekommt dann schnell mit, dass sein Kram in Gefahr ist. Und durch die Nichtbeachtung wird es für ihn -spätestens nach dem „Ausräumen“ des Zimmers- schnell langweilig für ihn. Wenn man sich hingegen die ganze Zeit mit ihm beschäftigt und diskutiert, bekommt er ja noch Unterhaltung – da würde ich auch nicht „aufgeben“ ;)

    Die Sachen würde ich jetzt auf jeden Fall erst mal vor ihm versteckt halten, vielleicht im Keller? So dass er denkt, dass die tatsächlich weg sind, er sie jedenfalls keinen Zugriff mehr darauf hat. Anders merkt er ja nicht, dass sein Handeln / Nichthandeln Konsequenzen hat – wie im übrigen Leben ja auch, von daher muss er das so oder so lernen. Bis du merkst, dass er seine Lektion gelernt hat oder er sich vielleicht sogar entschuldigt. So eine Einsicht kann auch ein Vierjähriger schon entwickeln, scheint ja auch sonst ein cleveres Kerlchen zu sein (was mich bei der Mutter nicht wundert^^). Dann kannst du es ihm ja unauffällig wiedergeben – so, dass er nicht mitbekommt, wo dein „geheimes Versteck“ war… wer weiß, ob man das in Zukunft dann noch mal nutzen muss :)

  2. Die Geschichte erleben wir zur Zeit auch tagtäglich und ich frage mich, warum mein Sohn das geforderte nicht macht. Meistens ist es so eine Kleinigkeit die du beschrieben hast. Haben wir keine Autorität? Wenn ich an meine Kindheit denke, dann brauchte meine Mutter bloß gucken und ich machte es. Ok ich hatte aber auch Angst vor ihr: Angst vor Ohrfeigen, später Taschengeldentzug + Ohrfeigen oder andere Verbote. Alles das was ich nicht machen will und ich höre meine Schwiegermama immer noch sagen, das wir zu weich sind. Sind wir das wirklich? Kann man nicht auch anders erziehen, mit Gesprächen? Im übrigens habe ich fast alle oben aufgeführten Varianten auch ausprobiert, doch es hilft nichts. Meistens lasse ich ihn jetzt liegen und ignoriere ihn, vor allem wenn er sich brüllend hinschmeißt. Wenn ich was wegschmeiße (meistens das, was er gerade kaputt gemacht hat und das ist zur Zeit echt viel), dann steht er auch brüllend daneben und will es wieder rausholen. Aber da bleibe ich hart. Erziehung ist wirklich schwer und manche Tage, je nach Verfassung, mag man am liebsten aufgeben. Und ich stelle mir vor, das ist nicht nur einer, sondern drei die so sind. Ich weiß nicht, wie du und andere Mütter das hinbekommen, ohne auszurasten….

  3. Ich hab dann immer getrickst. Ist wohl auch der Stolz, das Kind merkt zwar, dass die Ansage vielleicht doof war, aber einfach nachgeben? Nö! Also hab ich getauscht. Ich: „gut, wenn du die Mütze nicht aufheben willst, mach ich das und du holst mir dafür meine Schuhe aus dem Schrank“ Weiß nicht, ob das jetzt interessanter war, hat jedenfalls geklappt. er musste nicht nachgeben und er hat dafür für mich was gemacht (wenn es auch „0“ geholfen hat, oft genug waren es die falschen, oder ähnlich…) Aber irgendwie haben wir unser Gesicht bewahrt….fand ich… öhm… Manchmal hat er sich aber angeschmiert.. ich hab die Kindergartentasche gehabt und er die Mülltüte … ätsch!… und irgendwie hat dieser Verweigerungsquatsch aufgehört.
    Vielleicht kann er mit einer „Aufgabe“ sein Spielzeug auslösen?

  4. Ich denke in dem Alter ist dieses „Machtspielchen“ normal und man steht als Elternteil dem ganzen wirklich komplett hilflos gegenüber. Die Variante die du gewählt hast habe ich auch schon gewählt (jedoch ohne Spieleug zu entfernen – Konsequenz sollte immer mit dem jeweiligen Problem in Verbindung stehen. Hätte er Spielzeug geworfen, wäre es nachvollziehbarer warum dann dieses Spielzeug weg kommt.) Was auch gut funktioniert hat (dafür braucht man jedoch Zeit) ich habe mir ein Buch genommen und mich im Schneidersitz vor die Kinderzimmertür gesetzt (Chaostochter lag im Flur). Sie sah mich dort sitzen, sah das die Sache für mich „ausdiskutiert“ war und gab irgendwann auf. Sie konnte ja auch nicht ins Kinderzimmer und so wurde ihr langweilig, also vollzog sie die Aufgabe und wir konnten gehen. Wenn ich in Eile war bin ich auch schonmal einfach vorgegangen, habe die Tür hinter mir zugezogen mit den Worten „ich muss zur Arbeit und möchte pünktlich kommen“. Habe natürlich im Hausflur einige Treppen weiter unten gewartet und sie kam recht schnell schluchend nach. Dann musste ich zwar meist kurz wieder mit nach oben, um zuzuschauen wie sie die Aufgabe erledigt (das Kind braucht in dem Moment das Gefühl, „sie hat gesehen das es mir leid tut und selbst bemerkt habe das ich `falsch` reagierte“) Dies funktioniert jedoch nicht bei jedem Kind! Ich denke wichtig ist es der Sache nicht zuviel Aufmerksamkeit zu schenken, wenn man seinen Standpunkt vertreten hat, dem Kind dies klar ist, dann sollte die „Diskussion“ beendet sein. Auch negative Zuwendung ist Zuwendung und somit wird das Kind nicht aufgeben.

  5. Habt vielen Dank für eure ausführlichen Antworten… Es ist gut zu wissen, daß es – naja, ein wohlbekanntes Phänomen ist, vor dem man als Eltern immer mal wieder steht. Grundsätzlich ist es wohl wirklich so, daß man die kleinen „Tyrannen“ noch bestärkt, je mehr Aufmerksamkeit man ihnen in einer solchen Sache schenkt, daher versuchen wir eigentlich auch, solchen Machtspielchen aus dem Weg zu gehen, weil es am Ende eigentlich nur „Verlierer“ gibt, und das hat dann nix mehr mit Erziehung zu tun.

    Ein Problem ist sicher auch immer die Zeit. Hat man genug davon, kann man locker als „geduldigste Mama ever“ in die Geschichte eingehen, doch oft genug sind es gerade die Situationen, in denen man es eilig hat..

    Oder es ist einfach nur noch der berühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt, weil es schon vorher „Knatsch“ gab.

    Wenn man dann noch ein Kind hat, welches besonders stur sein kann (und wir haben den Vergleich mit den beiden Großen immer vor Augen), dann wird es knifflig und viele Tricks und Taktiken haben da schon versagt… :bernd:

    Das mit dem Tauschen, wie Miki sagt, finde ich interessant, und ganz wichtig finde ich auch den Hinweis von Herzchaosmama, daß eine Konsequenz immer direkt mit dem Problem in Verbindung stehen sollte. Deshalb habe ich heute früh auch einige Zeit überlegt, was ich „wegwerfe“, denn wir haben Dutzende Kühlschrankmagnete und die bedeuten ihm rein gar nix, da er aber auch sein Spielzeug überall fallen und liegen läßt, wo er geht und steht, war das das Naheliegendste.

    Daß wir angeblich zu „weich“ sind, wie Jana schrieb, diesen Vorwurf konnte ich mir auch schon oft genug anhören, besonders von meinen Großeltern. Klar wäre es oft einfacher, schnell mal hinzuhauen, und Kinder, die ständig Angst vor Schlägen haben, wagen es irgendwann nicht mehr, Widerworte zu geben oder irgendwelchen Blödsinn zu machen (den machen sie dann woanders). Und als Elternteil brauche ich nur mal meine Hand schwingen, ohne mir weiter Gedanken machen zu müssen, ohne vielleicht auch mal den Fehler bei mir zu suchen und mein eigenes Verhalten zu reflektieren. Aber ich denke, daß wir „weichen“ Eltern es trotzdem besser machen…
    Und letzten Endes gehen diese Trotzphasen (wie du es mit Gustav grad erlebst, Jana) ja auch zu Ende, jedenfalls mehr oder weniger. Das versichern mein Mann und ich uns dann immer gegenseitig, wenn uns die Rüben mal wieder total geschafft haben.

    Ach ja, nachdem mein Mann heute die Jungs abgeholt hatte, lief unser Jüngster schnurstracks ins Kämmerchen und fand sofort den Beutel mit den Spielsachen, da ich nicht rechtzeitig dran gedacht hatte, ihn richtig zu verstecken. (Soviel zum Thema „clever“, Sascha… hihi..) Allerdings erklärte ich ihm auch, daß ich die Sachen nur deshalb nicht weggeworfen habe, weil sie ja teilweise auch seinem Bruder gehören. Tja, damit war die Sache dann endgültig erledigt.

    Mal sehen, für wie lange…

    Liebe Grüße an euch alle… habt noch einen schönen Abend! teddy2:
    Magrat schrieb letztens..Winter im Nordhäuser StadtparkMy Profile

  6. Oh, das ist verzwickt…
    Schlagen geht bei uns auch gar nicht, das erzeugt nur Angst und keinen Respekt, wie manche glauben. Allerdings sollte man den Nachwuchs auch nicht mit Erklärungen erschlagen. Das Problem ist, dass man intelligenten Kindern automatisch auch einen hohen Intellekt unterstellt, das sind aber zwei ganz unterschiedliche Dinge. Kinder tun bis zum neunten Lebensjahr alles nur ihren Eltern zuliebe, nicht, weil sie den tieferen Sinn hinter den Tätigkeiten verstehen. Das bedeutet, deine Rübe verweigert nicht das Aufräumen, sondern das deinen-Willen-ausführen. Wenn du den Kleinen jetzt mit Spielzeug wegnehmen bestrafst, bekommt das sein kindlicher Verstand nicht auf eine Ebene, du verlangst einfach noch einmal, dass dein Wille geschieht.
    In diesem Zusammenhang halte ich auch Ersatztätigkeiten für problematisch, weil man dem Kind so vermittelt, dass es in Ordnung ist, sich (bei eigentlich verpflichtenden Aufgaben) zu verweigern und auf einen anderen Weg zu warten. Oder besser gesagt, weil man ihm erlaubt, seinen irrationalen, kontraproduktiven Willen durchzusetzen und damit das sowieso latent vorhandene Gefühl bestätigt, dass elterliche Forderungen auch nicht immer Sinn machen.
    Wir hatten mit unserer Großen eine fast identische Situation und das große Glück, dass sie den Kindergarten heiß und innig liebte. Als sie ihre Legoskulptur einfach mitten im Raum am Boden liegenließ und das übliche Elterngedöns keine Wirkung zeigte, zog ich meine Jacke und Schuhe aus und ging in die Küche. Sie war erst perplex, aber irgendwann brüllte sie ‚du musst mich in den Kindergarten fahren!‘ und ich rief aus der Küche zurück ’nein, muss ich nicht.‘ Es dauerte nicht lange und das Lego lag auf dem Tisch.
    Ich weiß nicht, vielleicht hätte es ja irgendetwas tolles, interessantes, wichtiges gegeben, für das du auch keine Kraft gehabt hättest?
    Und dass ihr bis Weihnachten alles vergesst, klingt stark nach einem Echo, das kenne ich nämlich von unseren :rabbit_blush: :rabbit_smile: :rabbit_laugh:

    1. Hmm… eigentlich sollte man wirklich ein paar Semester Erziehungswissenschaften oder ähnliches studieren, bevor man Rüben und andere Kinder in die Welt setzt… ;)
      Es ist aber auch wirklich nicht so einfach… Da ich mir ja zu allem und jedem immer Bücher besorge, habe ich damals, als unsere Große unterwegs war, einen Haufen Erziehungsratgeber und dergleichen gelesen…. und auch immer versucht, vieles davon umzusetzen, vieles davon war aber auch nicht durchsetzbar.

      Ich hatte z.B. für unsere Große mal ein Belohnungssystem eingeführt, mit Punkten und so… wie man es auch für ADS-Kinder macht… wir haben das abgebrochen, unter anderem deshalb, weil uns und unserer Großen damals nichts einfiel, womit wir sie hätten belohnen können. Klingt komisch, ist aber so. Die wenigen Sachen, für die sie sich damals brennend interessierte, hatte sie ja bereits…aber ich schweife ab. :)

      Dein Beispiel mit dem Kindergarten ist gut… allerdings könnte ich unserem Jüngsten keinen größeren Gefallen machen, als ihn zu Hause zu lassen… ;)

      Was du über die Ersatztätigkeiten sagst, stimmt schon, aber genau das ist eben auch oft das Problem… Es war heute nur ein kleiner Magnet, aber natürlich war das nur der Auslöser, die Ursache war eher der Umstand, daß so oft alles herumfliegt und nix weggeräumt wird. Wie verhält man sich da am besten? Immer daneben stehen und alles sofort aufheben/aufräumen lassen klappt meist nicht, weil wir den Rüben schlecht auf Schritt und Tritt folgen können. Werden wir aber unmittelbar Zeuge, daß etwas herunterfällt und auf unsere Bitte hin nicht aufgehoben wird, hmm… dann soll das eben auch passieren. Klar… das ist dann der elterliche Wille… aber genau das ist ja eben auch irgendwie Erziehung…
      Läßt man nun etwas anderes dafür aufheben oder machen… liegt der Magnet ja trotzdem noch im Weg. Daher habe ich heute drauf bestanden, daß es -egal wie – gemacht wird.

      Und dann gibt es noch diese typischen Wenn-Dann-Situationen. „Wenn du das und das (nicht) machst, darfst du das und das (nicht) machen…“ Irgendwann artet das dann in Erpressung / Bestechung aus und die Rüben versuchen dasselbe dann mit uns: „Ich mache meine Hausaufgaben, aber nur, wenn ich danach an den Rechner darf…“ Aargh… Das ging dann nach hinten los…

      Naja… das alles ist jedenfalls ziemlich anstrengend und oft auch nervig und ärgerlich… aber es gehört wohl einfach dazu… :frog2:
      Magrat schrieb letztens..Winter im Nordhäuser StadtparkMy Profile

      1. Du hast das ja auch richtig gemacht – ich finde es absolut wichtig, dass man den Kindern seinen Standpunkt klar macht, dazu steht und dabei bleibt – und es auch durchsetzt. Nur so lernen die Kleinen, sich in ein soziales Netzwerk einzufügen und sich an Regeln zu halten (die es bis zu ihrem Lebensende überall geben wird). Ich wollte nur sagen, dass der Wille nicht aussehen soll wie Willkür, die Kinder sollen die Reaktion auch als Reaktion verstehen (ich behaupte hier nicht, dass ich das immer schaffe!!!).
        Aber unser Aufräum-Problem habe ich zumindest so weit im Griff, dass nur in den Kinderzimmern die Sachen rumfliegen (aber irgendwo müssen sie sich ja noch austoben können). Geschafft habe ich das so:

        Es gilt die Regel, dass alles, was im Erdgeschoß herumliegt, vogelfrei ist. Es ist mir völlig schnuppe, ob der Kleine darauf herumkaut, die Mittlere etwas abbricht oder der Staubsauger Kleinteile verschluckt – wer nicht aufräumt, ist selber schuld.
        Wenn die Kinder im Bett sind, packe ich eine Kiste, stopfe alles rein, was trotzdem noch herumliegt und stelle sie in den Keller. Wer etwas vermisst, muss unten suchen und das ist lästig.
        Die Kinderzimmer sind Sperrgebiet für die Geschwister, außer sie werden eingeladen. So dient das Aufräumen dem Schutz der eigenen Habseligkeiten.
        Die Regeln gelten auch für mich: wenn der Kleine meine liegengebliebenen Stricksachen auftrennt oder Rechnungen zerfleddert, ist das mein Problem.

        Ich ziehe das jetzt seit ein paar Monaten durch und inzwischen funktioniert das sogar bei unserer Dreijährigen schon ganz gut.
        Ein bisschen Härte gehört aber trotzdem dazu, nicht den Kindern, sondern sich selbst gegenüber – Konsequenz und Vorbildlichkeit sind nämlich ganz schön anstrengend und man (ich) lässt nur zu gerne einmal fünfe gerade sein… :wurm:

        Ach, eine Lösung ist mir noch eingefallen – hilft dir natürlich jetzt nix mehr:
        Du hättest seine Spielsachen versehentlich zur Haustür (Balkon?) rauskicken und dann zu schwach zum Tür-wieder-aufmachen-und-reinholen sein können. Dann hättest du es auf derselben Ebene abgehandelt.
        Aber ich fürchte, wenn er nicht in den Kindergarten mag, wäre ihm selbst das egal gewesen – Hauptsache, Zeit schinden… :turtle:

        :poop: drauf und schlaf gut!

      2. Heute früh war der Jüngste recht zahm, und in einer ganz ähnlichen Situation wie gestern, als nämlich wieder etwas „rein zufällig“ herunterfiel, hob er es diesmal gleich auf. Ein kleiner Schritt für ihn, ein großer Schritt für die… äh…ja. :))

        Dein Aufräum-System finde ich super. Etwas Ähnliches bräuchten wir hier auch. Allerdings muß dafür vorher erstmal gründlich entrümpelt werden, um den dafür nötigen Platz zu finden. Weil sich die zwei Jungs ein kleines Zimmer teilen müssen, ist es schwer, dort Ordnung zu halten, einfach, weil sie viel zu viele Lego-Kisten haben. Das eigentlich Tolle, aber aufräumtechnisch Blöde an der Sache ist, daß sie tatsächlich mit all ihren Sachen intensiv spielen, und gerade der Mittlere kann praktisch alles gebrauchen, weil er daraus die verrücktesten Dinge konstruiert. Naja, und er sammelt. Leere Insulin-Ampullen, abgebrannte Streichhölzer, Kisten voller Steine… einfach alles.

        (Aber vorhin hab ich gesehen, daß in der Stube auch noch der ein oder andere „Baby-Kram“ in den Spielzeugkisten herumdümpelt, das fliegt als Nächstes raus. :devil: )

        Ach ja, alles nicht so einfach… aber… alles wird gut. Bestimmt.

        :frog2:
        Magrat schrieb letztens..Wohnt ihr noch oder spielt ihr schonMy Profile

  7. Ich hätte es genau so gemacht, wenn man unter Zeitdruck ist, gehts eben nicht immer sanfter.
    Aber wenn ich Zeit hatte und einer der Flöhe so ein Theater vollzog, inkl. sich auf den Boden legen, nein sagen, Sachen liegen oder fallen lassen ect., dann machte ich das auch… Also irgendein Spielzeug in greifbarer Nähe auf den Boden fallen lassen, mich daneben legen… stur sein kann ich auch. das gab ein paar Mal einen blöden Blick und seitdem ists ok. jetzt sind sie 19 und 10. Wenn jetzt irgendwo etwas liegen bleibt, lebe ich nach dem Motto „Da habt ihr Pech gehabt“. Holt die Katze sich ein Spielzeug, wird ja nicht rumgemault… Kleinteile weggefegt… uuppss, Die Idee mit der Kiste im Keller find ich aber auch gut, unser Keller ist nicht schön… :-D.
    LG Petra

    1. Ja… es ist echt der Zeitdruck, der da (meistens) die größte Rolle spielt…

      Hihi… ich kann mir gut vorstellen, daß deine Kinder da beeindruckt waren, wenn sich Mama genauso bockig verhält… Wenn sie dann nicht mehr so klein (oder sogar schon richtig groß) sind, dann gibt es zwar nicht mehr solche Szenen, aber dafür dann eben anderes Theater… Wär wohl sonst auch zu langweilig… :frog2:

      Oh je… Keller, erinnere mich nicht daran… unserer muß auch dringend mal entrümpelt werden… Mein Mann hat heute früh sogar eine Maus drinnen piepsen hören… :mousy: Die wird sich wohl ein Nest in einer alten Klamottenkiste bauen… :-/

      Liebe Grüße, Petra…

  8. Oh man, wenn ich das alles so lese… Da weiß ich dann wieder, warum ich mir bis dato nicht vorstellen kann, mit der Erziehung eines Kindes fertig zu werden. :eek: Meinen Respekt an alle Mütter und Väter, die das mit Sinn und Verstand auf die Reihe bekommen! :yes:

    1. Oh weh… wir wollten dich auf keinen Fall abschrecken!!!

      Kinder sind ja nicht immer so, nicht einmal meistens, sie sind was Tolles, was zum Knuddeln, und es ist ganz oft sehr lustig mit ihnen, mit ihnen ist es niemals langweilig und man steht jeden Tag vor neuen kleinen und großen Herausforderungen… gut, das ganze trifft auch auf die meisten Hunde zu *gnihihi*, und auch in der Erziehung sind sich Hunde und Kinder sehr ähnlich, zumindest in den ersten Jahren, aber… ähm… ja. ;)

      Das Gute an dieser ganzen Erziehungssache ist ja, daß man damit (normalerweise) nicht von heute auf morgen konfrontiert wird, sondern daß man da zusammen mit dem Kind quasi hineinwächst, deswegen schaffen es die meisten Leute (viele sogar ohne Sinn und Verstand… ;) ) ohne bleibende Schäden. Natürlich sind solche Trotzphasen nervig, und man macht auch genug Fehler und wünscht die Bande oft genug auf den Mond… aber…irgendwie ist es eben auch was Wunderschönes… teddy3:

      :-)

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