Kampfkater William: Damals und heute.

Was wär ein Blog ohne Katzen-Content? Eben. Darum und weil ich es schon immer einmal tun wollte, stelle ich euch heute William vor. „William S.“ – um ganz genau zu sein.

Er war noch keine Woche alt, als nette Leute ihn irgendwo völlig verlassen fanden und ins Tierheim brachten, in dem ich damals mithalf. Da er noch so winzig war, war schnell klar, jemand mußte ihn mit nach Hause nehmen, da er rund um die Uhr sein Fläschchen brauchte, und daß dieser Jemand ich sein würde.

Baby-William
Baby-William

Ich mußte nur noch meine Eltern überzeugen. Meine Eltern, die nie – nie, nie, niemals! – ein Haustier dulden würden, das sich nicht in einem Aquarium oder Vogelkäfig wohl fühlt, sondern in der ganzen Wohnung frei herumläuft  (die aber mittlerweile abgehärtet waren, nachdem ich zuvor bereits einige Wochen lang eine Deutsche Dogge mit dem Fläschchen aufgezogen hatte, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte).

Als ich ihn mit nach Hause brachte, so winzig, warm und weich und überaus puschelig… stellte meine Mutter leise fest: „Naja…. er stört ja nicht…“ und meinem Vater konnte ich glaubhaft versichern, daß er „sobald er groß genug ist, an nette Leute vermittelt wird.“ (Der Kater, nicht mein Vater. Obwohl…ach, ich schweife ab.)

Das war der Tag, an dem William bei uns einzog, und das ist nun über 15 Jahre her. Er bekam sein Fläschchen, wuchs und gedieh, und eine seiner Lieblingsbeschäftigungen war es, sich an mein Bein geklammert von mir durch die Wohnung ziehen zu lassen.

Eingeschlafen
Eingeschlafen

Wenige Wochen später brachte mein Vater überraschenderweise einen kleinen Kratzbaum mit nach Hause, hellbeige und nagelneu aus dem Baumarkt. Da konnte William zwar schon tapsig herumlaufen, aber noch lange nicht klettern.

Das war der Tag, an dem ich wußte, daß William bleiben würde. Schnell wurde aus dem putzigen Katzenbaby ein junger Kater, der nur noch Unsinn verzapfte. Die Kastration, als er ein gutes Jahr alt war, brachte da nicht wirklich viel, von wegen „der wird dann ruhiger und eventuell auch fett“. William blieb das, was er war, ein wilder, stets zu Streichen aufgelegter Stubenkater, dessen beste Freunde allesamt Hunde waren.

Bücherwurm William
Bücherwurm William

Er brachte die puschelige Fuß-Hupe des Nachbarn mit hoch, um ihm „seine“ Wohnung zu zeigen und besuchte regelmäßig den Yorki in der Wohnung nebenan, obwohl er dafür immer erst über das Balkongeländer klettern mußte.

Mittlerweile wohnte ich schon nicht mehr bei meinen Eltern, meinen Platz hatte nun irgendwie William eingenommen.

Einige Zeit später, William war nun schon seit vier Jahren „unser“, zogen meine Eltern um, in ein kleines Häuschen mit Garten, nicht weit von der alten Wohnung entfernt.

Und nun die bange Frage: Was wird William dazu sagen? Katzen in neuer, ungewohnter Umgebung – das kann bekanntlich problematisch sein. Aber er fand sich gut zurecht, schon nach kurzer Zeit begann er, die Gegend unsicher zu machen, sich mit anderen Katzen anzufreunden (oder von ihnen verdroschen zu werden) , er lernte schnell, sein Geschäft draußen zu verrichten (oder es auch mal 24 Stunden „auszuhalten“, wenn er versehentlich mal im Kleiderschrank eingesperrt ist), er bekam eine eigene Katzenklappe (und damit quasi seinen eigenen Haustürschlüssel), er lernte, die Haustür von innen durch Heraufspringen auf die Klinke zu öffnen ( und ersparte meinen Eltern damit mehr als einmal den Schlüsseldienst) und bringt nur ganz selten mal fremde Katzen mit rein, rücksichtsvollerweise dann, wenn meine Eltern nicht da sind.

Seit ich William kenne, habe ich einen gesunden Respekt vor Katzen. Nie würde ich auf die Idee kommen, eine fremde (oder bekannte) Katze einfach zu streicheln, weil William in so einem Fall schon oft genug hingekloppt hat. Mit ausgefahrenen Krallen und spitzen Zähnen, die er nicht scheut, einem in die Kopfhaut oder in die Wade zu schlagen. Alles schon dagewesen.

Wann immer ich meine Eltern besuche und der Kater in der Nähe ist, bewaffne ich mich mit einem kleinen Sofakissen. Mehr braucht man nicht, um William auf sicherem Abstand zu halten. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber ich vermute, mein Vater hat dank eines solchen Kissens vor vielen Jahren den Kampf ums Revier gegen William gewonnen…. *hüstel*

Mittlerweile ist der Kater ein alter Herr, aber das merkt man ihm nicht an. Noch immer weckt er meine Eltern früh am Morgen, damit sie nicht zu spät auf die Arbeit kommen und sollten sie am Wochenende tatsächlich ausschlafen wollen und nicht sofort aufstehen, um ihn zu füttern, macht er ohne Umschweife seinen Standpunkt klar, indem er demonstrativ die komplette Küchenrolle abrollt. Strafe muß sein, denkt er sich wohl.

Als ich ihn an Heiligabend bei meinen Eltern sah, durfte ich ihn sogar kurz streicheln. Ich weiß nicht, ob meine Eltern sich je wieder eine Katze anschaffen würden, aber eins ist sicher: Wenn William eines (hoffentlich noch sehr fernen) Tages mal nicht mehr sein wird, wird er eine ziemlich große Lücke reißen…

Kuschel-Kater William
Kuschel-Kater William

Mehr Bilder von William gibt es in meiner Flickr-Galerie zu sehen…

7 Antworten auf „Kampfkater William: Damals und heute.“

  1. Gleichwohl sieht er auf dem letzten Foto tatsächlich schon aus, wie ein alter Kater, der er ja auch ist. leicht zerzaust und mit etwas herausgestreckter Zunge – so fing das Altern bei meinem Kater auch an… Er wurde 19… und war auch ein ziemlicher Rabauke ;-)
    GZi schrieb letztens..Alltag – Aufräumen – AltglasMy Profile

    1. Naja, stimmt, so ganz spurlos sind die 15 Jahre auch nicht an ihm vorüber gegangen… da geht es den Menschen wie den Katzen… ;)

      19 Jahre sind ein schönes Alter, ich hoffe, daß es der William auch schaffen wird. Er kommt oft genug ziemlich gerupft nach Hause, außerdem vermuten wir, daß er ab und zu bereits an Nachbarn geraten ist, die es auf ihn abgesehen haben… :(
      Leider gibt es überall solche Leute und es ist schwer, ihnen etwas nachzuweisen oder entsprechend zur Rechenschaft zu ziehen, geschweige denn den Kater vor so etwas zu beschützen…
      Magrat schrieb letztens..Die Sache mit der Mehrfachbelichtung Teil IMy Profile

  2. Wie schön, dass es William so schnell gelungen war, deine Eltern zu zähmen! :)

    Dankesehr für’s Erzählen – ich sitze hier gerade mit so einem ‚hachz‘-Gefühl. :cat:

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