Die Sache mit der Mehrfachbelichtung (Teil I)

Meine erste eigene Kamera konnte das. Und machte das immer, obwohl sie es nicht sollte, einfach deshalb, weil ich schon als Kind meist sehr ver.. zerstreut war und oft einfach vergaß, den Film weiterzuspulen.

Meine erste eigene Canon konnte das, machte das aber erst, nachdem irgendetwas in ihr kaputtgegangen war und der automatische Filmtransport und damit auch die Qualität der Fotos zu einer Art Glücksspiel geworden war, wie ihr auf dem Bild sehen könnt. Es entstand vor ungefähr… 17 Jahren…. Grundgütiger, ist das schon so lange her?! Es zeigt ein Stückchen von meinem damaligen Zimmer, Plüschmaus „Mäuschen Gertrud“ und meine Freundin, und…ein Depeche Mode-Poster an der Wand! Und da ist noch jemand in einem unglaublich karierten Hemd, leider habe ich keine Ahnung, wer das sein könnte…

Defekter Filmtransport
Defekter Filmtransport

Wie auch immer. Meine erste eigene analoge Spiegelreflexkamera kann Mehrfachbelichtung. Und macht das heute manchmal, wenn ich dran denke und sie extra entsprechend einstelle. Aber Bilder kann ich euch noch nicht zeigen, weil ich die Filme ja (zum ersten Mal) selbst entwickeln will und noch auf mein Päckchen mit dem Starterset warte.

Meine erste eigene digitale Spiegelreflexkamera kann das… nicht. Und das finde ich echt schade.

Meine analogen Lomography-Kameras aber können das natürlich. Klar, dreht man das Transport-Rädchen nicht weiter, dann wird der Film an ein- und derselben Stelle jedes Mal belichtet, wenn man den Auslöser drückt. Macht man das zwei-dreimal, dann sieht das oft klasse aus, macht man das zu oft, ist das Foto natürlich unrettbar verloren, weil völlig überbelichtet oder doch zumindest arg verwaschen.

Warum eigentlich? Was ist das Besondere an Mehrfachbelichtungen? Keine Ahnung, ich finde es nur unheimlich spannend. Und wenn man es geschickt anstellt und sich vorher ungefähr überlegt, was auf dem Bild alles zu sehen sein soll, dann kann man da auch richtig tolle Bilder erzeugen. Finde ich jedenfalls.

Und weil ich ja gerne experimentiere, habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit den Splitzer bestellt. Bitte was?! – Werdet ihr jetzt fragen, und es klingt ja auch wirklich merkwürdig, daher hier schnell die Erklärung: Beim Splitzer handelt es sich um eine Art Plastikring, der auf die Standard-Linsen der Lomo-Kamera Diana+ paßt.

Splitzer
Splitzer

Vorn ist er zur Hälfte durch eine drehbare Plastikscheibe verschlossen, in der wiederum eine kleine, ebenfalls drehbare Plastikscheibe sitzt. Steckt man nun den Splitzer auf die Linse, wird das Foto nur zur Hälfte belichtet, man spult nach dem Auslösen nicht weiter, sondern macht einfach noch ein zweites, drittes, viertes Bild, dabei wird dann jedesmal der Splitzer bzw. eine oder beide der beweglichen Scheiben ein Stück weitergedreht:

Splitzer mit Katze
Splitzer mit Katze

Da ich die Sache erst einmal testen wollte, habe ich bisher nur 4 Fotos mit aufgesetztem Splitzer gemacht, wobei ich pro Foto durchschnittlich dreimal den Auslöser betätigte.

Ein wenig konzentrieren muß man sich beim Knipsen mit dem Splitzer, also nicht zwingend, aber es lohnt sich. Zum Beispiel kann man sich vorher überlegen, was man in etwa auf seinem Bild draufhaben möchte und an welcher Stelle auf dem Foto das Motiv erscheinen soll. Dann schaut man, wie oft man den Auslöser drückt und ändert die jeweilige Position der Splitzer-Drehscheiben.

Aber natürlich kann man auch – den Goldenen Regeln der Lomographie folgend – alle Vorsicht außer acht lassen und einfach drauf los knipsen. Und wer sagt, daß man nicht einfach mal eine Hälfte des Fotos unbelichtet läßt? Eben.

Die Übergänge zwischen den einzelnen Motiven auf dem Foto sind übrigens sehr weich und scheinen fast ineinander zu fließen, was ich besonders schön finde.

Ein wenig aufpassen muß man, damit der Splitzer, der ja nur aufgesteckt ist, nicht einfach unbemerkt abfällt und dann – vielleicht, vielleicht – in die falschen Hände gerät! Nicht auszudenken… Auf die Linsen mit größerem Durchmesser paßt der Splitzer übrigens nicht, darunter fallen die Soft Telephoto Lens (110mm) genauso wie die Fisheye Lens. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Abgesehen davon ist natürlich auch etwas Selbstgebasteltes denkbar oder man hält einfach die Linse zur Hälfte mit einer Hand zu… Die Lomography läßt uns da bekanntlich alle Freiheit!

Aber nun will ich euch auch noch meine beiden Lieblingsfotos zeigen, die mit dem Splitzer entstanden sind:

Gesplitzt I
Gesplitzt I

Beide Bilder sind übrigens unbearbeitet und kommen quasi „out of the box“, sprich wir sehen das, was mein Scanner (Epson V600) – mit meiner bescheidenen Unterstützung – aus den Rollfilm-Negativen herausgeholt hat.

Gesplitzt II
Gesplitzt II

Das obere Bild zeigt meinen lieben Mann in der unteren und einen Hagebuttenstrauch in der oberen linken Hälfte und auf der rechten Seite einen Baum.

Das untere Foto zeigt in der oberen Hälfte den schmalen Steg, der über einen der Erdfallseen in Liebenrode führt, und in der unteren Hälfte den Opfersee mit Blick in die Ferne.

In der Kamera (Diana F+ mit 75mm Linse) lag ein Kodak VC 400 (120mm Rollfilm), der diese kräftigen Farben hervorbringt.

Weitere Infos zum Splitzer findet ihr auf dieser Seite: http://microsites.lomography.com/diana/products/splitzer und all meine Lomo-Fotos gibt es in meinem Lomo-Home zu sehen…

In einem zweiten Teil erzähle ich euch, wie ich meine Canon Powershot SX200 dazu bringe, Mehrfachbelichtungen aus RAW-Dateien zu basteln und wozu das überhaupt gut ist (wenn man einmal von dem Heidenspaß absieht, den ich damit habe… ;)

4 Antworten auf „Die Sache mit der Mehrfachbelichtung (Teil I)“

    1. Nein, auch wenn ich das gerne behaupten würde… ;)

      Aber diese Bilder sind zu – sagen wir mal – 80% Zufallsprodukte, weil es schon schwierig ist, überhaupt einzuschätzen, was auf dem Foto landen wird. Der Ausschnitt, den der „Sucher“ zeigt, ist ja nur so eine grobe Schätzung… :)) Das klappt natürlich besser, je öfter man das macht, aber da man ja kein direktes Feedback bekommt, sondern erst nach Tagen/Wochen sieht, was man da nun geknipst hat, gehört immer eine Portion Glück dazu. Genau das ist aber auch das Tolle an der Lomography, man hat es nicht wirklich unter Kontrolle… :frog2:
      Magrat schrieb letztens..Kampfkater William- Damals und heuteMy Profile

  1. Da hat es der Zufallsgott aber wirklich gut mit dir gemeint. Ich hätte auch, speziell beim unteren, angenommen, das sei ins Detail komponiert. Sehr schön! Ich bin gespannt, was uns noch gesplitztes erwartet in Zukunft. :koala:

    1. Ich war auch begeistert von diesem Foto…. da hat irgendwie einfach alles gepaßt… Ist halt immer aufregend, wenn man die fertigen Negative scannt und dann erst sieht, was man wieder für’n Quatsch produziert hat… :))

      Auf die nächsten Lomo-Bilder müssen wir ja leider noch warten, weil ich noch auf mein Film-Entwicklungs-Zeugs warte… Ende Januar soll es kommen und dann… weiß ich ja noch gar nicht, ob ich das geb*cken kriege… :D Und dann auch erstmal nur Schwarz-Weiß-Filme, bevor ich mich an die farbigen wage… haach, aufregend, das…

      :enti:

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