Antimaterie

Endlich ist es soweit. Endlich ist das eingetroffen, worauf wir schon so lange gewartet haben: Forschern im CERN – genauer: im Proton-Proton- und Ionen-Beschleuniger Large Hadron Collider (LHC) – ist es erstmals gelungen,  38 Anti-Wasserstoffatome für 170 Millisekunden in einer magnetischen Falle quasi einzusperren. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil leichte Antiteilchen zwar in der Natur allgegenwärtig sind, Antimaterie in Form von Atomen oder Molekülen aber kaum natürlich vorkommt.

Was genau ist nun eigentlich Antimaterie? Nach allem, was man weiß, entstand sie gemeinsam mit der uns umgebenden Materie beim Urknall – damals, vor etwa 13,7 Milliarden Jahre (±0,2 Milliarden Jahre). Und hier sieht man wieder einmal: Alles ist relativ. Was sind bitte die paar Minuten, die man mal irgendwo zu spät kommt, im (leicht hinkenden) Vergleich zu 0,2 Milliarden Jahren?! Aber ich schweife ab.

Es entstanden also – aus Symmetriegründen – zu gleichen Teilen Materie und Antimaterie, beide eigentlich absolut identisch – bis auf die Ladung. Treffen nun negative und positive Teilchen aufeinander, vernichten sie sich selbst. Trotzdem gibt es scheinbar mehr Materie als Antimaterie, wie kann das sein? Vermutungen legen nahe, daß irgendwo-da-draußen ganze Galaxien aus Antimaterie existieren, faszinierend. Oder gibt es noch andere Unterschiede? Ist die gute alte Symmetrie eigentlich gar nicht so… symmetrisch?

Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, werden am CERN seit 2002 Antiwasserstoffatome erzeugt, und zwar in ausreichender Menge, um sie näher untersuchen zu können. ABER – und es gibt fast immer ein Aber – Antiwasserstoffatome besitzen eine neutrale Ladung, sind viel zu schnell und lassen sich daher nicht einfach mittels elektrischer Felder an einem Ort „festhalten“ – sie bewegen sich und kommen dabei mit Materie in Kontakt, was wiederum zur sofortigen Vernichtung führt, wobei ein Energieblitz entsteht. Antiwasserstoffatome existierten also einfach viel zu kurz, um sie bzw. ihr Spektrum (Welche Lichtwellenlängen absorbieren die Teilchen?) untersuchen zu können.

Nun aber hat es geklappt – mittels einer magnetischen „Falle“. Es funktioniert also, nun wird daran getüftelt, wie man größere Mengen Antimaterie auf diese Weise festhalten kann, denn nur dann werden weitere Untersuchungen möglich sein. Und das ist doch schon was … das ist doch schon was:

P.S. Und einmal mehr finde ich es schade, während meiner Schulzeit – damals, vor etwa 20 Jahren (± 0,2 Milliarden Jahre) – keine fähigeren, engagierteren, neugierigeren, begeisternderen, enthusiastischeren Mathe-, Physik- und Chemielehrer gehabt zu haben.

3 Antworten auf „Antimaterie“

    1. Ach… ich glaube, bei mir fängt langsam der Kalk an zu rieseln. Ich hätte schwören können, längst auf diesen epochalen Vorschlag geantwortet zu haben, liebes Fellmonster!

      Natürlich! Briegel! Der könnte noch ein wenig Licht in die dunkle Materie der Antimaterie bringen… Naja… ist ja erst einen knappen halben Monat her (± 0,2 Milliarden Jahre), beim nächsten Mal antworte ich schneller, versprochen…

      :rabbit_blush:
      Magrat schrieb letztens..Wie ich das Perpetuum Mobile entdeckteMy Profile

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