[Quirks & Co.] – Special –

Unsere Kinder haben keine eigenen Fernseher.

Unsere Kinder tragen nur selten Markenklamotten und würden diese nicht mal als solche erkennen.

Unser Fernseher ist annähernd würfelförmig und wird nur eingeschaltet, wenn wir als Eltern das sagen. Dann dürfen unsere Kinder einen Film von DVD oder Videokassette schauen, der für Kinder geeignet ist. Sie dürfen außerdem sonntags „Die Sendung mit der Maus“ und das Sonntagsmärchen ansehen und jeden Abend den Sandmann und „Wissen macht Ah“. Unser Fernseher läuft nicht rund um die Uhr und im Hintergrund.

Unsere Kinder können daher bei vielen Themen in Schule und Kindergarten (!) nicht mitreden.

Wenn wir einen Ausflug planen, erkundigen wir uns oft vorher nach etwaigen Veranstaltungen, um dort nicht hinzugehen, sondern ein anderes Ziel ohne viel Trubel zu suchen. Ausgenommen davon sind Mittelalterfeste.

Unsere Kinder zeigen kaum Interesse daran, Mainstream-Produkte haben zu müssen oder die aktuell angesagte Musik zu hören, obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten, wir haben aber eine Wii und DS.

Unsere Kinder zeigen kaum Interesse an Aktivitäten außerhalb des Elternhauses, obwohl wir es ihnen anbieten und sie regelmäßig dazu ermutigen.

Wir wandern, basteln und experimentieren viel mit unseren Kindern, gehen aber nur selten mit ihnen baden oder ins Kino.

Bei uns sieht es oft chaotisch aus: Überall liegen Bücher herum. Unsere Wohnung ist voller Plüschtiere und Lego. Wir mögen Kreisel. Von der Stubendecke hängen Puzzlebälle, die historische Welt- und Sternenkarten zeigen. In unserem Schlafzimmer steht ein Trampolin und wir haben ein extra-großes Schaukelpferd, welches auch ein Kind und einen Erwachsenen aushält.

Unsere Kinder waren noch nie im Ausland. Wir fahren stattdessen immer an die Ostsee.

Wir gehen mit unseren Kindern nicht auf den Jahrmarkt und wir gehen nicht in den Zirkus, weil dort meistens Tierdressuren geboten werden, die wir aber ablehnen.

Wir erklären unseren Kindern die Welt. Mit allem was dazu gehört, sobald sie dazu bereit sind und danach fragen. Wenn wir etwas nicht wissen, sagen wir das, dann wird gegoogelt oder nachgeschlagen. Oft erklären uns aber auch unsere Kinder die Welt.

Wir besuchen nur selten Familienfeiern. Wir haben Familienmitglieder, denen mehr daran gelegen ist, daß sich unsere Kinder ruhig verhalten und nichts anfassen, als sie so zu sehen, wie sie sind: Wundervolle, schlaue, liebe Kinder, die auch mal über Tisch und Bänke gehen, stur sein können, ihren eigenen Kopf haben und den auch durchsetzen können. Wir haben erlebt, wie solche Familienfeiern ablaufen können, und finden es nicht logisch, sich dem auszusetzen, nur, weil man das eben so macht.

Wir haben mit diversen Krankheiten zu kämpfen und mit Ängsten. Ängste, die zum Beispiel durch das Fehlverhalten einer Ärztin vor einigen Jahren ausgelöst wurden.

Jedes unserer Kinder hat Eß-, Anzieh- und andere Macken. Wir kennen sie (meistens) und stellen uns darauf ein. Auch, wenn das bedeutet, daß wir mal frühs zu spät in die Schule kommen. Wir bieten zu fast allen warmen Mahlzeiten noch ein einfaches „Alternativgericht“ an, da es oft nicht möglich ist, etwas zu kochen, was allen schmeckt.

Ach ja… wir kochen fast jeden Tag und weichen nur gelegentlich auf Fertigmahlzeiten aus.

Wir nehmen alle unsere Mahlzeiten gemeinsam am Eßtisch ein. Das sorgt für viel Gesprächsstoff, aber auch für viel Spannung. Unsere Kinder sind teilweise geruchs- und geräuschempfindlich und einem unserer Kinder fällt es schwer, ruhig sitzen zu bleiben.

Wir sind nicht die Entertainer unserer Kinder und wir finden es manchmal nervig, kleine Lego-Männchen sprechen zu lassen. Wir spielen dennoch oft mit ihnen.

Wir lesen ihnen Geschichten vor und fragen zwischendurch immer wieder nach, ob sie verstehen, um was es geht oder lassen sie ein bestimmtes Wort erklären.

Wir haben nicht mehr viel Vertrauen zu Ärzten & Co. . Sie schicken ein Kind, welches lange Zeit viel auf Zehenspitzen läuft, zur Fußgymnastik, statt die Ursachen abzuklären. Sie schreiben katastrophale Verdachtsdiagnosen mit Fragezeichen dahinter auf Überweisungsscheine, die sich als komplett halt- sowie glücklicherweise als harmlos erweisen. Sie setzen uns auf Wartelisten, die einen Termin erst nach 2 Jahren ermöglichen, um uns dann einer Hochschwangeren zuzuteilen, die kurz vor ihrem Mutterschaftsurlaub steht. Sie hören unsere Verdachtsdiagnose, um genau diese Krankheit / Störung daraufhin von vornherein auszuschließen. Sie sagen Dinge, die jeder Laie als falsch erkennt, der sich die Mühe gemacht hat, ein wenig Fachliteratur zu genau diesem Thema zu lesen. Sie finden es gut, ein Kind mehrere Wochen in einer Tagesklinik zu betreuen, ohne sich auch nur im geringsten Gedanken zu machen, wie besagtes Kind den Unterrichtsstoff wieder aufholen kann. Sie führen Gespräche mit dem Kind, welche bei diesem komplett falsch ankommen und somit kontraproduktiv sind, und sind trotzdem noch in der Lage, das als Therapieerfolg abzuhaken.

Wir sind Atheisten. Oder nein: Agnostiker. Wir beschäftigen uns – wenn aus Zeitgründen auch nur auf populärwissenschaftlichem Niveau – mit Wurmlöchern und der Stringtheorie, aber wir erwarten von unseren Kindern, daß sie den Glauben anderer Leute tolerieren. Solange uns diese ihren Glauben nicht aufzwingen oder „beweisen“ wollen. Nein, wir gehen an Weihnachten nicht in die Kirche, nur weil da so schöne Musik ist.

Wir verlangen von unseren Kindern nicht, daß sie anderen die Hand geben, sie sollen aber „Hallo“, „Guten Tag“ oder eine ähnliche Floskel bemühen.

Wir verlangen von unseren Kindern nicht, daß sie uns oder andere beim Sprechen anschauen, wenn sie sich dabei unwohl fühlen. Wir machen das selbst auch oft nicht.

Wir vermeiden nach Möglichkeit Smalltalk. Er führt in der Regel zu nichts, ist oft anstrengend und kostet unnötig Zeit.

Ich habe ein Zeitschriften-Abo für die „Caridina“. Das ist keine Frauenzeitschrift. Wir beziehen außerdem die „GEOlino“ und die „Flohkiste“. Eine nicht unbeträchtliche Summe stecken wir regelmäßig in Nachschlagewerke und Lernsysteme wie LÜK. Wir haben kein „BRAVO“-Abo.

Wir sind gebildet, haben aber noch nicht den Sinn von Elternstammtischen erfassen können.

Wir haben eine Schwäche für Füllfederhalter.

Wir rüsten sukzessive unsere PCs auf und erfreuen uns daran.

Wir … sind vielleicht manchmal ein bisschen … quirky.

Danke für’s Bis-unten-lesen.

Dieser Text ist absichtlich sehr allgemein gehalten. Es geht absichtlich durcheinander.

Es gibt im Moment viele Dinge, über die ich gerne schreiben würde, aber nicht kann und auch nicht werde.

Ich versuche, mir über Dinge klar zu werden. Ich habe versucht, einen anonymen Blog zu starten, aber das gelingt mir nicht.

Es geht hier zur Zeit um Diagnosen und Therapien, um Anträge auf Hilfen, ob oder ob nicht, und noch so einiges.

Solltet ihr Fragen haben, fragt. Habt aber Verständnis, wenn ich nicht alles (öffentlich) beantworten werde.

12 Antworten auf „[Quirks & Co.] – Special –“

  1. Liebe Magrat, danke für diese wundervollen, schönen, nachdenklichen, nachdenklichmachenden, traurigen, skurrilen, lustigen, menschlichen, nahen und mutigen Einblicke in euer Leben. :rose: teddy2:
    Katja schrieb letztens..Meerblick 1My Profile

    1. Danke… liebe Katja… für diesen wundervollen Kommentar… teddy3:

      (Eine eMail an dich ist in Arbeit… mal schauen, ob ich sie heute noch fertig bekomme… :rabbit_blush: )

      Liebe Grüße.

  2. Ich finde gar nicht, dass der Text allzu allgemein gehalten ist. Klar, er geht nicht einzeln ins Detail, verschafft aber dennoch einen -in meinen Augen- sehr weit reichenden, intensiven Einblick.

    Was das anonyme Bloggen angeht: wo genau besteht denn da dein Problem? Gratis-Hoster, bei denen man kein Impressum auf die Seite packen muss, gibt es ja wie Sand am Meer. Oder ist das nichts für dich, weil der Blog erst mal unbekannt bei anderen Lesern ist (logisch, du kannst es hier ja nicht hinschreiben, wäre ja sonst nicht sonderlich anonym^^)? Oder gibt es da ein anderes Problem?

    1. Lieben Dank für deinen Kommentar, Sascha.. stimmt, die Details selbst sind nicht grad allgemein… aber ich habe es vermieden zu schreiben dieses Kind, jenes Kind, dieser Arzt, jene Diagnose… das meinte ich damit (hab mir beim Drüberlesen schon fast gedacht, daß ich es etwas mißverständlich ausgedrückt hab… ;) )

      Das anonyme Bloggen: Das bezog sich mehr auf meine Unfähigkeit, nicht als „ich“ schreiben zu können. Hmmm…. schwer zu erklären. Versucht habe ich es, das heißt es gibt diesen anderen Blog bereits. Leider bin ich auch noch zu vergeßlich, um mich zwischendurch umzumelden, so daß ich dann plötzlich als mein Alter Ego irgendwo kommentiert hab. :heh:
      Alternativ ginge ein ganz „artfremdes“ Blog, damit ginge man dieser Sache eventuell aus dem Weg… naja… ist noch nicht vom Tisch, das Ganze.

      Lieber würde ich aber alles hier einfach schreiben (können). So ein nicht-anonymer Blog hat eben auch Nachteile… :bernd:

  3. Miki hat recht.
    Außerdem finde ich es schön, wie Ihr Eure Kinder erzieht. Viel mehr kann man glaube ich nicht machen, um ihnen zu helfen, eben keine oberflächlichen Menschen zu werden, denen es hauptsächlich auf Statussymbole, Karriere etc. ankommt.
    Ich glaube, ich würde versuchen, meine Kinder ähnlich zu erziehen. Minus Wurmlöcher und Stringtheorie, das verstehe ich nämlich eh nicht (und es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht sonderlich). :-) (Das könnte der Vater den Kindern näherbringen, ich glaube, Rahm ist schlau genug dafür. :-) )
    Auch dieses „dem Rummel aus dem Weg gehen“ kann ich gut nachvollziehen, ich mag das selbst auch nicht, und wenn die Kinder da nichts vermissen… Haben die Rüben eigentlich viele Freunde? Ich meine irgendwie im Hinterkopf zu haben, dass diese klassischen Kindergeburtstage nicht so Euer Fall sind.
    So aus der Ferne heraus betrachtet habe ich den Eindruck, dass Ihr den Kindern zeigt, dass man seinen Weg gehen sollte und dass das nicht immer der meistgenutzte und der einfachste sein muss. Ich find’s gut. Auch, dass Ihr sie mit den „Macken“ nicht allein lasst. Das ist nämlich ziemlich übel für ein Kind, wenn es mit irgendwas Probleme hat und keinen Rückhalt findet. Ich weiß, wovon ich spreche.
    Fellmonster schrieb letztens..Projekt 52-2010- Woche 43- GruseligMy Profile

    1. Dir auch lieben Dank, Fellmonsterchen. Nein, die Rüben haben nicht viele Freunde… das ist ein leidiges Thema. Der Jüngste ist da am unkompliziertesten, er interessiert sich sehr für andere Menschen in seinem Alter, etwas, was man von den anderen beiden nicht unbedingt behaupten kann.
      Wenn man so ein bisschen seine eigene Sicht-Weise hat und ein klein wenig anders tickt, naja, sowas merken andere Kinder schnell. Und Kinder können bekanntlich grausam sein…
      Zu einer Geburtstagsparty konnten wir unsere Große dieses Jahr nicht überreden und unser Mittlerer hatte einen Kumpel aus seiner Klasse eingeladen.
      Naja… so ist es eben.

      Das mit den Wurmlöchern und so… naja, ich würde mir nicht anmaßen, daß auf mathematischer Ebene alles verstehen zu wollen, im Gegenteil. Aber mich hat das schon als Kind interessiert, hab darüber viel nachgegrübelt, und mache das auch heute noch.

      :wurm: + :moon: + :star: + :alien: => :nerd: + :silly:

  4. Dein Post hat mich unglaublich berührt, weil ich viele dieser Situationen sehr gut kenne. Ich kann an dieser Stelle nur sagen, die meisten Ärzte fühlen sich weniger dem Hippokrates-Eid als dem Umsatz verpflichtet – wir hatten in unserer Familie eines ihrer billigen Versuchskaninchen – und ich selber pfeife schon seit langem auf meine Autoimmunerkrankungen-sind-nicht-heilbar-und-müssen-lebenslang-medikamentiert-werden-Diagnose.
    Wir haben andere Wege gefunden und stoßen damit oft auf Unverständnis – aber das ist uns egal. Weh tut nur, dass die Kinder gelegentlich unter ihrer Nonkonformität leiden – aber zum Glück sind sie ja nie alleine… ;-)
    Designerhaase schrieb letztens..Was kommt dannMy Profile

    1. Was wir in den letzten Monaten – indirekt – mit Ärzten erlebt haben, darüber könnte ich mittlerweile ein Buch schreiben. Oder vielmehr meine Eltern. Zwei Fälle von „Meine Mama ist Arzt, ich werde das jetzt auch: Ziehe mir einen weißen Kittel über und übernehme ihre Patienten. Ärztliches Wissen habe ich erERBT.“ :-(

      Was für eine Autoimmunerkrankung hast du denn? Magst du’s erzählen? Wenn nicht hier, dann kannst du mir auch gerne eine Mail schicken… und wenn du nicht magst, ist’s auch okay, ja?

      Und ja.. es ist so wichtig, die Kinder nicht allein zu lassen mit solchen Dingen. Nonkonformität… das klingt so harmlos… Leider ist für viele „Toleranz“ nach wie vor ein Fremdwort… :-((

      Liebe Grüße… teddy2:

      1. erERBT, finde ich gut… :doctor: Da haben wohl ein paar Säure-Basen-Paare den Anschluß verloren… ;-)
        ich schreibe Dir gleich eine Mail, das sprengt hier sonst den Rahmen.

        Liebe Grüße und bis gleich teddy3:
        Designerhaase schrieb letztens..Was kommt dannMy Profile

      2. Hihi… genau… :-D

        Okay… prima… freu mich auf die Mail. Auch wenn ich eine Antwort heute nicht mehr schaffen werde…

        Liebe Grüße… teddy2:

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