[Magrat am Meer] – Tag 11 –

Der Tag vor der Abreise wurde noch einmal aufregend. Es war der einzige Tag, an dem es einmal nicht unerträglich heiß war und ab und zu nieselte es sogar. Das war unser Tag! Wir starteten nach dem Frühstück und fuhren nach Prora. Unser Ziel war der „Koloss von Prora“, das nie vollendete KdF-Bad, so größenwahnsinnig und abartig wie einstmals seine Erbauer. Es ist so grotesk und bizarr in seinen Ausmaßen, daß einem übel werden kann.

Vor Jahren hatten wir hier diverse Museen besucht, so daß wir einen Bruchteil des Gebäudekomplexes auch schon von innen sahen. Es war wie ein gestaltgewordener Albtraum. Unzählige, nie endende Gänge, Treppen, Zimmer, Türen, Türen, Türen…

Anders als die Jahre zuvor näherten wir uns diesmal von der anderen Seite, so daß wir am weniger besuchten und noch heruntergekommeneren Teil des Seebades entlangliefen:

Prora. KdF-Bad III
Prora. KdF-Bad III

Langsam fing es an zu nieseln. Die Leute am Strand packten ein und gingen, als wir kamen. Das bisschen Wasser von oben konnte unsere Rüben nicht davon abhalten, direkt neben der Kaimauer am Ufer herum- und einige Meter in die Ostsee hineinzulaufen.

Unser Mittlerer war irgendwann pitschnaß. Natürlich hatten wir alles mitgenommen. Alles. Aber keine Wechselsachen. Und wir wollten doch anschließend unbedingt noch ins Eisenbahnmuseum ganz hier in der Nähe. Das ging so natürlich nicht. Wir beschlossen, die fünf Minuten bis zu Wolfgangs Fundgrube zu fahren, in der Hoffnung, dort auch ein T-Shirt und eine kurze Hose für Jungs zu finden. Was für ein Laden! Hier findet man alles! Jedenfalls alles Mögliche. Ob Taucheranzüge oder Damenunterwäsche, Angelzubehör oder Strandspielzeug, Militärklamotten oder brauchst du schnell noch ein 6 Personen-Zelt – kein Problem. So hatte sich unser Mittelkind auch gleich in eine Mütze verliebt. So eine olivgrüne, mit Plüsch und Ohrenklappen, die man als Panzerfahrer im Winter aufsetzt. Die mußte er haben. Klar, wir sind ja keine Unmenschen. Trocken wurden seine Sachen davon aber auch nicht.

Zu guter Letzt fanden wir einen … Schlafanzug. Naja, es war ja nur für das Stündchen im Eisenbahnmuseum, versteht mich nicht falsch. Normalerweise laufen unsere Kinder nicht mit Schlafanzug und Militärmütze herum. Und so schlafanzugverdächtig sah es ja gar nicht aus, das Oberteil ging als oranges T-Shirt und die kurze Hose … naja, als kurze Hose durch. Nicht schön, aber… wir konnten ins Museum. Nur das war wichtig.

Okay. Die plüschige Militärmütze zog dann doch einige Blicke auf sich. Aber heißt es nicht „Was gut gegen Kälte ist, ist auch gut gegen Hitze?“ Na bitte. Und unser Kind so glücklich zu sehen, hatte schließlich auch etwas.

Im Übrigen war es faszinierend, vor diesen alten, riesigen Lokomotiven zu stehen. Absolut überwältigend. Plötzlich verstand ich, warum es so viele train watcher gibt:

Prora. Eisenbahnmuseum II
Prora. Eisenbahnmuseum II

Anschließend statteten wir noch dem Museum zum Anfassen – „Experimenta – Das verrückte Labor“ einen Besuch ab. Eigentlich kannten wie vieles schon, da es damals auch im KdF-Bad seine Räume hatte. Nun ist es umgezogen – in eine Art Baracke, aber immer noch in Prora. Leider ist nun weitaus weniger Platz, es waren Unmengen an Besuchern da und somit hatte ich nicht wirklich viel Freude daran. Hinzu kamen die Lichter, die Geräusche, Blitz und Donner, und ich war eigentlich nur auf der Flucht. Den Kindern machte es Spaß, sie waren in ihrem Element, wenngleich sie sich auch nicht gerne ins Getümmel stürzen.

Ich lenkte mich damit ab, Bilder zu machen (welch‘ Überraschung):

Prora. "Experimenta"
Prora. "Experimenta"

Die Kinder waren derweil damit beschäftigt, Edelsteine und falsches Gold zu finden. Es war ein überaus obskurer Anblick, Dutzende Kinder und Erwachsene in Hockstellung in einem Kieshaufen buddeln und andere in trübem Wasser herumfischen zu sehen.

Alles in allem war es ein schöner Tag, mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen und einem ganzen Beutel voll Bücher. Oh. Von den Büchern hab ich noch gar nix erzählt, meint ihr? Stimmt. Davon berichte ich ein andermal… :)

Informationen zu Prora


Die anderen [Magrat am Meer] – Artikel gibt es hier zum Nachlesen.

Alle Bilder vom KdF-Bad und vom Eisenbahnmuseum in Prora sowie einige andere vom 11. Tag findet ihr wie immer in der Galerie. Viel Spaß beim Stöbern! :)


5 Antworten auf „[Magrat am Meer] – Tag 11 –“

  1. In Taucheranzug mit drübergezogener Damenunterwäsche wäre die Rübe sicherlich deutlicher aufgefallen – insofern: Glück gehabt. :enti:
    Herzlich gelacht habe ich allemal! Und auf die Mütze bin ich jetzt ein wenig neidisch. Ich hab mir nämlich vorhin am Rhein ordentlich kalte Ohren geholt. :koala:
    Katja schrieb letztens..November RainMy Profile

    1. Hihi… da hast du wohl recht… (Hab grad das Bild vor Augen… :-D )

      Schön, daß ich dich damit zum Lachen bringen konnte… teddy3:

  2. durch prora bin ich schon mehrmals durchgefahren, sowohl zu ost-, als auch zu westzeiten, allerdings ist das letzte mal über 10 jahre her … die bauten hast du sehr schön herausgearbeitet … die ergebnisse gefallen mir immer, aber selbst hand anzulegen an meine bilder habe ich nicht ;)
    schattenzwerg schrieb letztens..DDR Punk – Ein Einstieg … 4My Profile

    1. Ja… Prora… ist schon ziemlich bizarr… Die Bilder sollten das quasi noch unterstreichen, daher der diesmal recht massive Griff in die Bildbearbeitungstrickkiste… ;)

      Naja, ich hab mir früher auch nicht getraut, meine Bilder anzufassen. Aber jetzt… du siehst es ja. Zumal ich mir immer sagen kannen: „Es ist alles noch da, kein Originalfoto geht dir flöten, wenn’s Mist wird, kannste jederzeit wieder von vorne anfangen oder es einfach … lassen.“

      :frog2:

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