Das Teil, das in der Spüle lauert

Nein, ich werde nicht mehr zum Spinnenfreund. Nicht in diesem Leben. Wem will ich da was vormachen?

Vor Jahren noch rannte ich schreiend vor jeder Spinne weg, im Anschluß erlitt ich oft einen Heulkrampf.

Als das große Tochterkind noch nicht ganz so groß, aber besessen von Reptilien und anderem Geschnetz war, besuchten wir mit ihr eine Ausstellung, bei der sie unter anderem eine ausgewachsene Vogelspinne auf die Hand nahm und ich – mich hinter ihrem Rücken versteckend (hinter dem Rücken meiner dreijährigen Tochter, nicht hinter dem der Spinne) – besagtes Spinnentier an dessen Knie gestreichelt hatte, besserte sich anschließend die Symptomatik.

Solange Spinnen gleich welcher Größe ruhig dasitzen und so tun, als seien sie gar nicht da, tue ich wiederum so, als seien sie nicht da. Und umgekehrt. Wir sind uns einig.

Doch heute früh zeigte sich, daß sich meine Arachnophobie nicht so leicht austricksen läßt:

KLICK offenbart Grauenvolles

Schlummert doch schon seit Tagen eine – mindestens! – handtellergroße Zimmerwinkelspinne in der Spüle des Waschkellers. Lauert dort. Die Magrat’sche Weißware direkt daneben. Kein Problem für mich, wacker stopfe ich die Wäsche in die Maschine und nur dem Eingeweihten fällt meine seltsame Körperhaltung auf, die es mir ermöglicht, den erforderlichen Mindestabstand zur Spüle einzuhalten und trotzdem noch die Waschmaschine einzuschalten.

Das Gleiche am Trockner.

Doch irgendwann ist die Wäsche gewaschen, ist der Trockner fertig, ist der Wasserbehälter randvoll und verlangt, entleert zu werden. Wohin? In die Spüle etwa? Zu – ihr? Mit Sicherheit würde sie plötzlich losflitzen, und der Anblick einer flitzenden Spinne von der Größe eines Zwergkaninchens hätte mich wahrscheinlich um den – restlichen – Verstand gebracht.

Die Rüben sind längst in Kindergarten und Schule, sie hatten mir nämlich angeboten, das Teil-das-in-der-Spüle-lauert zu entfernen. Nicht ohne zu fragen, ob sie es danach als Haustier behalten dürften, weil sich doch unser Mittelkind schon so lange eine Spinne wünscht, eine eigene.

Erratet meine Antwort.

Mein Blick fällt auf die beiden Wasserkanister, in die wir gelegentlich das Wäschetrocknerkondensat einfüllen. Ich bin gerettet! Hinein damit! Während das Wasser langsam, aber stetig danebenplätschert und nur ein Bruchteil tatsächlich im Kanister landet, höre ich plötzlich Schritte.

Es ist Frau X., eine ältere Dame aus dem Haus, leid- und lärmerprobt, wohnt sie doch zwei Etagen unter uns, und trotzdem fast immer gut gelaunt. Ich bin heute mutig, ich frage sie einfach: „Frau X., haben Sie Angst vor Spinnen?“

„Nein, warum?“ – „Schauen Sie mal hier… ob Sie vielleicht…?“

Und sie tut es. Schnappt das Teil-das-in-der-Spüle-lauert mit der bloßen Hand. Mir bleibt die Luft weg. Ich sehe, wie die Spinne nun selbst panisch wird, sie zuckt und zappelt und Frau X. hat Mühe, sie festzuhalten. Ich betrachte nun inbrünstig meinen Wäschetrockner und merke, wie ich kurz davor bin, loszuheulen. Verdammte Phobie! Aber nun ist sie fort, von Frau X. an die Luft befördert.

„Na die konnte aber flitzen!“ – sagt Frau X. und hat nun selbst Gänsehaut. Frau X. ist mein Held des Tages.

Brrrr….

Damit wäre auch die Frage von Schattenzwerg geklärt… und – ganz wichtig – man kann bei unserer zukünftigen Weltherrscherin nachlesen, wie man sich verhalten kann, wenn einem eine Winkelspinne zustößt:  Das liebe Fellmonster hatte die Antwort in ein Rätsel verpackt, wohl um Bildungsunwillige nicht zu verschrecken, und – man lese und staune – ich war am nächsten/nahesten dran an der richtigen Lösung und habe ein puscheliges, von Hand genähtes Fellmonster von Knäcke IV mit starkem Fusselfaktor gewonnen!

Jippieh!

14 Antworten auf „Das Teil, das in der Spüle lauert“

  1. Uih, ein Prachtexemplar von Winkelspinne. Dazu fällt mir folgende Story ein. Vor ein paar Wochen schwamm eine lebende Winkelspinne im Klo. Ich war am Überlegen, ob ich sie rausfischen sollte, aber ich hatte ein ziemlich dringendes Bedürfnis und so dachte ich: Okay, gibt genug Winkelspinnen. Also Spülung, das volle Programm. Als ich danach guckte, war die Spinne immer noch an der Oberfläche, aber total zusammengekrümmt. Ich dachte: Okay, scheint tot zu sein. Doch da. Sie bewegte sich. Sie entfaltete ihre Beine. Sie lebte. Sie schwamm.
    Was ich dann tat, kannst Du Dir ja denken? :-) Ich rettete sie. Nahrung für meine Zitterspinnen.
    Daran kann man mal sehen, wie widerstandsfähig die Viecher sind. Bin nun doch geneigt zu glauben, dass die auch ein Staubsaugerattentat überleben können. Faszinierend.
    Fellmonster schrieb letztens..Faszinierend…My Profile

  2. Waaah! Fellmonsterchen! Ich werde Jahre brauchen, bis ich das Gelesene wieder verdrängt habe und mir selber mantramäßig eingetrichtert, dass die den Staubsauger nicht überleben und folglich dort auch keine Armee bilden, die eines Nachts…. *grusel*

    Hoch lebe Frau X.!
    Katja schrieb letztens..Wenn man morgensMy Profile

    1. @Katja: Falls es Dich beruhigt: Ich habe noch nicht erlebt, dass eine Spinne den Staubsauger überlebt hat (damals in meiner Zeit, als ich die Spinnen noch damit tötete). Aber es kann sicher nicht schaden, wachsam zu sein, nicht dass doch mal eine Armee kommt und mir die Weltherrschaft streitig macht. :-)
      Habe mal von einem Trick gehört, dass man vorsichtshalber noch Reiskörner mit aufsaugen soll, die die Spinnen quasi erschlagen. Ging mir aber gegen den Strich, Nahrungsmittel einfach so wegzusaugen.
      Fellmonster schrieb letztens..Faszinierend…My Profile

      1. Boah… was ’ne Geschichte… Eine Winkelspinne im Klo? Damit hätte sich das dringende Bedürfnis wahrscheinlich von selbst erledigt… :shock:

        Der Trend geht ja auch ganz stark zum Zweit-Klo… vermutlich genau aus diesen Gründen.

        Staubsauger… hmm… hab ich noch nie ausprobiert, weil ich die Vorstellung so grauenvoll finde, daß aus dem Teil-das-in-der-Spüle-lauert einfach ein Teil-das-im-Staubsaugerbeutel-lauert werden könnte… :tremble:

        Und ja… ein Hoch auf Frau X. !!! :yes:

      2. @Magrat: Dann hätte ich allerdings vom Keller in den ersten Stock rennen müssen, und ich hatte es wie gesagt ein bisschen eilig. :-) Es hat mir auch nix ausgemacht, es war nur eine mittelgroße Winkelspinne. Noch ganz jung also. Quasi, beinahe, so’n bisschen, ganz entfernt… niedlich?
        :-D
        Fellmonster schrieb letztens..Liebe Frau Frerichs-My Profile

      3. Niedlich, hmm? Eine… Winkelspinne, ja? Geht denn das? DARF die das denn überhaupt? Niedlich aussehen? :wurm:

        Heute hat mich übrigens ein ganz anderes Tier erschreckt. Es war ein GIGANTISCHER Schmetterling, er kam aus dem Kinderzimmer und flog DIREKT AUF MICH ZU!
        Ich hab erstmal gequiekst und dummerweise damit auch noch meinen Jüngsten erschreckt, der dann seinerseits Angst hatte. Mist, schließlich übertragen sich ja solche Ängste auch.

        Aber bei diesen Flatterdingern verliere ich jedesmal die Fassung, hat sicher etwas mit Kontrollverlust zu tun… *grübel*

        Dann lieber eine berechenbare :snail: …

      4. Stimmt, das klingt viel humaner, als Von-Reiskörnern-erschlagen-werden… ;)

        Und schade um den Reis wär’s allemal… Aber vielleicht könnte man zusätzlich noch andere Insekten aufsaugen, die dann den Winkelspinnen den Garaus machen? Im Staubsaugerbeutel? Bleibt aber immer noch die Frage, wer die Sauerei entsorgen soll…

        :-D

  3. Mein Ex-Lebensgefährte ist 2.06m groß. Und ssseehhhr langsam. Aber wenn man ihn mal rennen sah – passierte- dann war GARANTIERT eine Spinne hinter ihm her! Hä, hä! Daher heißen die Dinger bei mir Rennspinnen! :rotfl:
    Miki schrieb letztens..Versuch 4 ging in die Hose…My Profile

    1. Oh, du bist auch ein Staubsauger-Spinnenjäger… igitt… aber gut ist natürlich, daß man bauartbedingt einen recht großen Sicherheitsabstand zur Achtbeinigen einhalten kann… das gefällt mir schon wieder… :)

      Das Foto machte ich aus sicherer Entfernung mit dem Handy… eine Super-Makro-Aufnahme, bei der man bis auf wenige Zentimeter ans Objekt/Subjekt heran muß, hab ich mir verkniffen…

      :tremble:

  4. “ und gegen das getier hilft übrigens bestens der staubsauger, ein wirklich treuer gefährte *g “

    aus dem Staubsauger kommen die Viehcher wieder raus , kein Witz, und schon sitzen sie wieder bei dir unter dem Sofa oder sonst wo. Am besten ist noch immer der altmodische Latschen, Patsch, und die Spinne war einmal ( ist auch kurz und Schmerzlos ) wenn es auch nicht sehr Nett für die Spinne ist.

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