1. März – Tag der NVA

Na, dran gedacht? Ja? Dann – lassen Sie mich raten – sind Sie wahrscheinlich in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Denn wem sonst wurden staatlich verordnete Gedenk- und Feiertage von solcher Bedeutung von Kindesbeinen an eingetrichtert.

Spätestens, wenn man geschlossen zum Fahnenappell angetreten war und gemeinsam einige Kampflieder geträllert hatte, wußte man wieder: Aha. 1. März, Tag der NVA. Vielleicht war man vom Wandzeitungsagitator agitiert worden, eine fetzige Wandzeitung zu gestalten. Noch heute habe ich das Geräusch von langsam in mit rotem oder blauem Fahnenstoff bezogenen Styropor hineingepieksten Stecknadeln im Ohr…

War man im Chor, hatte man zuvor wochenlang Lieder auswendig gelernt wie „Brüder zur Sonne zur Freiheit“, „Wir sind die Moorsoldaten“ oder auch „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘ „, das mußte schließlich nur bedingt Bezug zur Nationalen Volksarmee haben, wichtig war, daß man nicht nur im Gleichklang sang und im Gleichschritt marschierte, sondern möglichst auch dachte.

Derart gefestigt im Glauben machten wir Jungpioniere aus der 3. Klasse uns daran, nach fest vorgegebenem Schema Bilder zu malen. Bilder von Soldaten und Panzern, gehißten Fahnen und fröhlich winkenden Menschen, die voll Glück und Stolz ihr sossjalllistschsss Voterland, die Kandidaten der Nationalen Front sowie und vorallem natürlich unsere Streitkräfte – zu Lande, zu Wasser und in der Luft – bejubelten, immer die Parolen „Freundschaft zur Sowjetunion – Herzenssache aller“ oder wahlweise auch „Von der Sowjetunion lernen heißt Siegen lernen!“ im Hinterkopf.

Dieses nette Bild malte Frau Magrat vor 25 Jahren:

Man beachte die schon damals recht ausgeprägte Abneigung Frau Magrats, Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen. Allerdings könnte das auch daran gelegen haben, daß es sich so viel leichter malen ließ…

Der Dackel wirkt etwas abwesend. Ihm ist klar anzusehen: Bei der Sache ist er nicht. Hoffentlich mußten seine Eltern auf dieses Vergehen hin eine 5-seitige Stellungnahme schreiben….

Die Nummer des Panzers „271“  war vermutlich aus blanker Willkür meinerseits gewählt worden. Gibt man diese Zahl aber heute bei Dr. Gugel ein, erhält man unter anderem auch den Link zur offiziellen Webseite der „Bundeszentrale für politische Bildung“, genauer: zur Publikation
Informationen zur politischen Bildung (Heft 271) „Vorurteile“.

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Ich denke… Nein.

17 Antworten auf „1. März – Tag der NVA“

  1. Nun, immerhin ist der Panzer froschgrün und der Dackel boykottiert die sozialistische Grund-Werte-Jubel-Ordnung. Du bist also Widerspenstig …

    Tag der NVA – was es alles (nicht mehr) gibt. Freiheit ist heute also nicht nur bei mir ein Thema. Doch wie unterschiedlich die Ansätze sein können! Mich trieb der Frühling, dich noch der Blues?

    Herzliche Grüße!

    1. Liebwerter Herr Geheimrat, mit Freuden las ich Ihren heutigen Beitrag und ich muß sagen, er – aber das gehört nicht hierher. Das schreib ich drüben bei Ihnen, ja? ;)

      Und nein, heute war es nicht der Blues. Heute war es eine unbedachte – ja, fast beiläufig gemachte Bemerkung meines lieben Mannes, etwa so: „Ach, heute ist ja Tag der NVA!“, die mir sofort diesen Artikel entlockte. Außerdem wußte ich um die Existenz dieses schönen Bildes in einem meiner alten Schulhefter…

      Und ja, widerspenstig, aber nur ein wenig. Ich war ja noch jung, damals. Gerade 13 Jahre alt, als der ganze Zirkus den Bach runterging…. Nun ja.
      Wer weiß, wie das sonst geendet hätte…. Ich sage nur „Bautzen“!

      :redstar:

  2. Männer und ihre unbedachten Äußerungen :frog2: So sind wir halt. Immer noch besser als geplante Hinweise von :wurm: (bitte als Schlange interpretieren) Frauen … So inspirieren wir euch und animieren durch unseren Liebreiz nicht nur zu trauter Zweisamkeit, sondern hin und wieder auch zu schönen Artikeln :D

    Bautzen ist wieder ein unschönes Kapitel – ich hatte einmal eine Liebschaft ;-) in Bischofswerda, da war der Weg nach Bautzen nicht weit … Also für mich natürlich nur im direkten, nicht übertragenen Sinne. Ich habe es mir angeschaut …

    1. Ja, die Männer… :)

      In Bautzen war ich noch nicht, aber es war halt jedem ein Begriff, und zwar kein schöner… :bernd:

      Es waren finstere Zeiten… *grusel*, aber… es war nicht alles schlecht früher…

      :devil:

  3. Blätter,wusel…war da nicht noch was? Doch!
    Schaumpolystyrol statt BASF- Styropor?
    Und guckt das rote Hintergrundhaus nicht wie der BrotBernd?

    1. Das war mir noch gar nicht so aufgefallen, daß mit dem Brotblick, aber … ja, natürlich!!!

      Unheimlich ist das…:bernd:

  4. Ein hübsches Bild! Der Panzer ist echt gut gelungen ^^
    Ich nehme an, du hast den Dackel von der Seite gemalt, weil man als Kind einfach nicht weiß, wie ein Hund von Hinten aussehen könnten…

    1. Danke dir… :)

      Ja, stimmt, außerdem legte man wohl auch mehr Wert auf die Darstellung des Panzers…. :redstar:

      Perspektivisches Malen und Zeichnen ist auch eine ziemliche Herausforderung für ein Kind und selbst für viele Erwachsene noch…

      Dackel von hinten… mal überlegen, das würde bestimmt lustig aussehen…!

      :dog:

    2. Früher haben die Kinder noch gemalt und wenn es ein Panzer und der dazugehörige Dackel, war egal aus welcher Sichtweise , aber die Erziehung hat gestimmt.!!

      Der Westen oder auch die Bundesrepublik Deutschland lernt soetwas ihren Kindern nicht, sondern nur wie verprügelt man Menschen , wie erschiest man Menschen oder wie zieht man den Menschen soviel wie möglich Steuern aus der Tasche!!

      Unsere Bundeskanzlerin M. ist übrigens meiner Meinung nach eine Vaterlandsverräterin und der größte Wendehals den es gibt.

      Ein Miteinander gibt es in diesem Staat BRD nicht, in der DDR gab es wenigstens einen Zusammenhalt!

      Desweiteren wünsche ich allen Ehemaligen Soldaten der NVA einen schönen Feiertag und Rot Front!

  5. ha, tolle idee und das du solch ein bild aufgehoben hast, sehr beachtlich, ich habe auch noch ein paar bilder aus dem kunstunterricht hehe, die muss ich auch mal scanne :D

    1. Hihi, ja, danke dir, schön, daß es dir gefällt ;)

      Erstmal willkommen hier, Schattenzwerg! :duck:

      Ich hab eine ganze Menge meiner Schulsachen etc. aufgehoben, weil ich mich meist nur schwer trennen kann. Bei Zeichnungen und Schulheftern meiner Lieblingsfächer jedenfalls, bei Mathe fiel mir das etwas leichter… :rabbit_smile: …

  6. Hi Mandy,
    diese Musik bekommt man so schnell nicht aus den Ohren, wenn man 6 Wochen vor so einem Ereignis jeden Tag auf der Betonplatte des Flughafen Schönefeld Kilometer für Kilometer nach diesen Takten abspult, damit es so aussieht wie auf dem Video. Es hat gereicht damals, `86 war´s :yawn:. Falsche Ideale zur falschen Zeit, hat aber nun mal dazugehört. Heute ist man weiser :nerd: und läßt sich nicht gleich von jedem Rattenfänger beeindrucken.

    LG Ronald

    1. Hallo Ronald,

      da hast du Recht… so war es eben. Ich hab das zwar nicht alles so miterlebt (’86, da war ich grade mal 10 Jahre alt… ;) ) , aber wir haben im Pionier-Chor gemeinsam Kampflieder geschmettert und all das… erzähl das heute mal unseren Kindern, die lachen uns aus, das können die sich gar nicht vorstellen. Sagen vielleicht: „Das hätte ich nicht mitgemacht..“… aber es war eben so. Gehörte dazu und ist nun vorbei. Und an Tagen wie heute erinnert man sich dann wieder dran… :redstar:

      Liebe Grüße… :spatz:
      Magrat schrieb letztens..Zwölf 2011 FebruarMy Profile

  7. Also ich habe ja gar nicht mehr daran gedacht, was der 1. März mal für ein Tag war! Aber Du hast vollkommen recht. Natürlich haben wir gesungen und gemalt und gewandzeitungt und andere ganz wichtige Sachen gemacht. Und das ist alles schon sooo lange her … ;)
    Heute jubelt man keinen Panzern mehr zu, sondern kratzt sich beiweilen am Kopf ob der schwer verständlichen Art der aktuellen Politiker. Das Faszinierende daran ist, dass man das Kopfschütteln wohl niemals los wird.
    Dein Bild ist allerdings wirklich schön. Ich habe leider keine Bilder mehr aus der alten Zeit (oder sie liegen irgendwo auf dem elterlichen Boden rum … wer weiß). Solch ein Talent war ich nie – nur einmal habe ich ein Bild über die „Welt von morgen“ gemalt, das dann eingezogen wurde, weil es „so toll“ war. Vielleicht hatte man nur Angst vor den fliegenden Autos und Raumschiffen und dem ganzen anderen modernen Zeugs. ;)
    Ach ja, jetzt schauen wieder fröhliche Menschen am Straßenrand großen Paraden zu. Nur nennt man es heute wohl Karneval. ;)

    1. Ja, diese alten Feiertage… naja, an alle denke ich auch nicht mehr, vieles verdrängt man ja mit der Zeit auch… :)

      Hihi..und das Bild..ja, da bin ich wirklich froh, daß ich meine alten „Werke“ aufgehoben habe. Von denen konnte ich mich nie trennen und ab und zu blättere ich da sogar mal durch und zeige es den Rüben. Die sagen dann sowas wie „Hä…wieso hast du denn einen Panzer gemalt?! (Geht’s noch?!!! – denken sie sich vermutlich auch noch ;) ).

      Allerdings hätten es die Lehrer damals in der Schulzeit fast geschafft, mir alle Freude am Malen und Zeichnen zu nehmen… Unsere Kunstlehrer waren meist ziemlich daneben und auf dem Gym hab ich Kunst sogar abgewählt und dafür das kleinere Übel, nämlich Musik, gewählt. Naja… heute bin ich froh, daß ich irgendwann wieder angefangen habe, mich mit Zeichnen und Malen zu beschäftigen. Und ich wünschte, ich hätte das alles mal „richtig“ gelernt…
      Aber autodidaktisch geht ja auch eine Menge…

      Und ja…Karneval… bin zwar kein großer Fan von, aber das ist mir allemal lieber, als Militärparaden zu bejubeln!
      In diesem Sinne: „Solze taut uff!“ Ach nee. Wie sagt man bei euch in NSW nochmal? ;)

      Ach und… wird es nicht Zeit, einmal ein paar Stündchen auf dem elterlichen Dachboden herumzustöbern? Vielleicht lauern da wirklich noch einige deiner utopischen Bilder… die würde ich zu gerne mal sehen..! Und eure Zwerge bestimmt auch… :pitti:
      Magrat schrieb letztens..SchweigenMy Profile

  8. Jaaaaa, war das ein Tag damals, der 1. März! Zwei Vertreter meines Betriebes (vermutlich aus Partei- und Gewerkschaftsleitung) klapperten alle Kasernen ab, in denen Betriebsangehörige für einige Zeit weggesperrt waren, und brachten als „Ehrentagsgeschenk“ ein Buch (konnte man aus einer Kiste voll Bücher wählen, wenn man nicht gerade der Letzte in der Tour war) sowie wahlweise eine Tafel Schokolade (keine Schlager-Süßtafel!!!) oder eine Schachtel F6 mit.

    Da mein 18-monatiger Grundwehrdienst von November bis April des darauffolgenden Jahres ging, kam ich zweimal in diesen Genuss. Am Abend aber dann wieder der Hammer: Das regelmäßige Entfernen und Zerreißen meiner am Spint klebenden Karte aus der kirchlichen Benno-Buchhandlung mit dem Spruch „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann….. usw.“ durch den Hauptfeldwebel. An diese Prozedur hatte ich mich schon gewöhnt. Zum Glück hatte ich mich damals mit genügend Karten eingedeckt… ;-)

    1. Huhu, lieber Thomas… bitte entschuldige, daß ich jetzt erst antworte…. :)

      Ja, damals®…. Tage wie der 1. März rufen eben immer wieder alte Erinnerungen hervor… Und siehst du… Schoki und Bücher… es war eben nicht alles schlecht früher… ;))

      Liebe Grüße, hab noch ein schönes Wochenende…

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