Ein Jahr meines Lebens…

… hat mich die letzte Nacht gekostet. Nein, keine hemmungslose wie-auch-immer-geartete Or.gie ließ meine Kraft schwinden. Nein, es war – wieder einmal – eine der Rüben.

Ungefähr um Mitternacht war es. Da hatte gerade der Akku unseres gemeinschaftlichen Netbooks so mir-nichts-dir-nichts den Geist aufgegeben. Nicht für immer, ist ja ein Akku. Für den Moment aber schon. Und es war wie gesagt Mitternacht.

„Nüscht is‘ …“- denke ich so im Stillen. Und dann noch „Dich lade ich jetzt nicht wieder auf, wirst schon sehen… “ Ärgerlich war es, weil ich doch gerade in diesem Moment des völligen Versagens, der akkumulativen Leere, dabei war,  mir endlich einmal wieder leckere glutenfreie Nahrungsmittel zu bestellen. Eine kostspielige Angelegenheit, aber das ist ein anderes Thema.

Langsam packe ich Netbook & Co. wieder ein. Immerhin, es ist Mitternacht. Bald ist es an der Zeit, ins Bett zu gehen. Aber jetzt gehe ich erst einmal… aber das tut nichts zur Sache.

Als ich aus dem Bad herauskomme, schaue ich noch schnell ins Kinderzimmer. Sie erinnern sich vielleicht: das Kinderzimmer, in dem jetzt allen innenarchitektonischen Grundsätzen zum Trotz eben DOCH ein zweites Kinderbett steht. In welchem unser Jüngster schläft. Schlafen sollte. Oder doch zumindest darin liegen sollte.

Tut er aber nicht.

Das Bett ist verwaist. Nein, ich schreibe hier nicht, es sei „leer“, denn der Anblick, den es bot, verlangte nach ebenjenem Wort. „Verwaist“.

Ich werde stutzig. Schnell schaue ich in das Bett unseres Mittleren. Doch darin liegt bestimmungsgemäß auch nur das Mittelkind. Schnell weiter. Auf ins zweite Kinderzimmer. Unwahrscheinlich zwar, aber wer weiß?

Nichts. Unsere Große schläft tief und fest und allein.

„Gut.“ – denke ich. „Der Fall ist klar: der Kleine schläft im großen, im elterlichen Bett.“

Denkste.

Langsam spüre ich eine gewisse Panik in mir aufsteigen. Schnell durchsuche ich noch einmal die Zimmer. Wieder nichts.

Da plötzlich: Haare. Unter dem Bett unseres Jüngsten. Ich beuge mich hinunter und tatsächlich: Unter dem Bett, welches nur etwa 30 cm Bodenfreiheit hat, liegt mein Kind. Auf einer 5 cm dicken Spielmatte. Zugedeckt mit einer Wolldecke.

Für einen winzigen, klitzekleinen, endlos-langen Moment bin ich mir sicher, daß er nicht atmet. Schnell berühre ich ihn. Gesicht, Hände… alles warm. Er schläft friedlich.

Ich ziehe ihn nun schnell unter dem Bett hervor und lege ihn ordnungsgemäß hin. Decke ihn zu und gehe wieder in die Stube.

Diese Verrückten! Und als ich ihm heute früh erzähle, daß er letzte Nacht unter seinem Bett geschlafen hat, da lacht er mich an! Oder aus, wer weiß das schon so genau…

Naja, wie gesagt. Ein Jahr meines Lebens. Und graue Haare… Da fällt mir ein: Vielleicht sollte ich doch mal wieder zum Friseur…?

6 Antworten auf „Ein Jahr meines Lebens…“

  1. Vielleicht ist das verlorene Jahr genau das, welches du gar nicht erleben willst. Künstlich ernährt, von der Demenz deiner Erinnerungen an das Leben beraubt, nur ein stumpfsinniger, umweltverschmutzender Verdauungsapparat. Oh, ich glaub, ich hab grad einen düsteren Moment… :rain: also nein, eine süße Geschichte und hat dich sicher keine wertvolle Lebenszeit gekostet, sondern dir vor Augen geführt, was wichtig und unwichtig ist und manchmal braucht man das doch?Dein friedlich schlafender Knirps, gibt es einen schöneren Anblick?? :clover:

    1. Huuhaaa…. das… hast du sehr… anschaulich beschrieben… ;-)

      Schnell weg mit :thunder: + :rain: , ich hole einen :umbrella: …

      Und Recht hast du: Wenn dann alles wieder gut ist und die Rübe im warmen Bettchen liegt, das ist wunderschön.

      Aber auf diesen Schreck vorher und diesen Moment der Angst könnte ich auch glatt verzichten…

      :bernd:

    1. Ach neee…. Sowas nicht. Schmonzetten…

      Und Winnetou? Oder wie man in meiner Kindergartengruppe immer zu sagen pflegte (DAMALS…): Willetu und Old Schulhemd…

      :mohawk:

  2. haha, das kenne ich (aus Erzaehlungen)
    als ich klein war und noch nicht gehen konnte, da war ich in so einem Bett mit Staeben, damit ich nicht rausfallen konnte.
    Ich habe aber rausgefunden, dass man zwei der Staebe rausdrehen konnte und dann konnte ich so aus dem Bett.
    Das hab ich einmal gemacht. Staebe rausgedreht, aus dem Bett (offenbar auch wieder reingedreht) und dann hab ich mich als ich doch muede wurde, irgendwo verkrochen…

    Die Suchaktion, die meine Eltern gestartet haben als mein Bett leer war, hat groessere Dimensionen angenommen… :)

    1. Hallo Alex, herzlich willkommen hier! :-)

      Hihi… ja, solche Aktionen sind echt klasse. Hinterher kann man auch herzhaft drüber lachen, aber in DEM Moment…. !!!

      Aaargh!!! Naja, jedenfalls kann ich mir deine Eltern auf der Suche nach Klein-Alex gut vorstellen…

      :rabbit_smile:

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