Blog-Revolution infolge massiver Kritikunfähigkeit

Ach ja, die Blümchen-Makro-Muttis…

Gerade las ich drüben bei Jana von janasworld.de ihren Beitrag über einige (an Photographie-Erfahrung) junge „Schnösel“, die sich nicht scheuen, im Web als Experten aufzutreten, Interviews geben und sich über „Blümchen-Makro-Muttis“ – zu denen ich wohl auch zählen würde – zu amüsieren scheinen.

Ich hatte eigentlich vor, nur einen kurzen Kommentar dazu zu schreiben, aber da dieser immer länger wurde, beschloß ich, einen eigenen Artikel zu bringen, nämlich diesen hier:

Obengenanntes Möchtegern-Expertentum ist der Grund, warum ich solche reinen Photocommunities (wie immer sie heißen mögen) normalerweise scheue.
Ich knipse schon sehr lange, habe aber erst vor einem Jahr angefangen, mich „ernsthaft“ mit Photographie zu beschäftigen.

Seitdem lese ich, informiere mich, mache ganz schrecklich viel verkehrt, ärgere mich dann schwarz, mache es beim nächsten Mal anders (aber nicht unbedingt besser).

Ich probiere und tüftele, experimentiere und gehe meiner lieben Familie damit wahrscheinlich tierisch auf die Nerven (sorry for that..) Da wird im wahrsten Sinne „aufgerüstet“ oder ich entdecke, wie vor einigen Wochen geschehen, plötzlich die Lomographie für mich, welche mich wiederum die (analogen) Grundlagen der Photographie neu erforschen läßt.
Einige meiner Bilder finde ich (mittlerweile) schön. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die finde ich dann toll genug, um sie in meinen Photoblog zu laden und freue mich, daß dies ein Photoblog innerhalb einer Community ist, bei der es fast ausschließlich liebe und lustige Kommentare gibt, aus der „ganzen“ Welt.

Das bringt mich zwar photographisch nicht unbedingt weiter, aber meine Fehler (oder einen Teil davon) kenne ich ja schon, nein, ich möchte nicht, daß jemand mir all die Makel und Unzulänglichkeiten aufzeigt, denn ich bin NICHT KRITIKFÄHIG, kein bisschen!

Ich nehme mir so etwas so sehr zu Herzen, daß es mich in tiefe Depressionen oder Wut stürzen kann, aber DAS ist schließlich nicht der Sinn meines Hobbys.

Ab und zu staune ich. Wenn ich hier, in meinem persönlichen Blog, der keinerlei Ansprüche auf irgendetwas erhebt, im Rahmen eines (meines!) Artikels oder für einen Projekt 52-Beitrag Bilder veröffentliche, und sich dann plötzlich Blogbesucher, die sich meist noch nie vorher oder sehr selten per Kommentar hier geäußert haben, genötigt/berufen fühlen, dieses Bild (oder gleich den ganzen Blog) zu zerpflücken oder regelrecht zu verreißen.

Was sind das für Menschen? – frage ich mich dann. Aber vermutlich sind es dieselben, die einmal im Vierteljahr ihre Verwandtschaft besuchen und sich dann über einen (oder mehrere)  Krümel mokieren, der unter dem Hochstuhl eines Dreijährigen herumkullert, nicht, ohne auch noch auf das brumm-surrige Gerät namens Staubsauger hinzuweisen… Aber das nur nebenbei.

Es ist etwas anderes, wenn ich explizit eine (fachliche) Einschätzung eines meiner Bilder hören möchte.  DANN, und nur dann, frage ich danach – und freue mich um so mehr, wenn mir Leute, die tatsächlich etwas von Photographie verstehen, mit freundlicher, konstruktiver (!) Kritik und ein bis zwei guten Ratschlägen weiterhelfen können.

Wahrscheinlich ist es wohl einfach so, daß sich noch nicht herumgesprochen hat, daß man nicht alles toll finden MUSS:

Nein, man muß nicht alles mögen, es ist auch okay, wenn man die Bilder eines Bloggers nicht mag, oder dessen Schreibstil.

Es ist auch völlig in Ordnung, einen Blog DOOF zu finden und den dazugehörigen Blogger gleich mit.

Aber wenn es MIR einmal so geht, dann – und ich weiß, das ist jetzt schon fast revolutionär – schaue ich mir diesen Blog/diese Webseite GAR  NICHT erst an!

Ich klicke das WEG!

Nein, meine Zeit ist mir zu kostbar, um sie mit Kommentaren zu vergeuden wie „Ich wollte dir nur sagen, daß ich deinen Blog nicht gerne lese/du nicht fotografieren kannst/ich es blöd finde, daß du immerzu Stöckchen und Paraden mitmachst/du wahrscheinlich daran schuld bist, daß ich meine Zeit hier mit diesem NONSENS-Kommentar vergeude statt für den akuten, pandemischen Ausbruch des Weltfriedens zu sorgen!“

Das gilt übrigens nicht nur speziell für meinen, sondern auch viele andere Blogs, in denen ich immer wieder einmal über Kommentare dieses Niveaus stolpere…

Und das prangere ich an!

15 Antworten auf „Blog-Revolution infolge massiver Kritikunfähigkeit“

  1. Ich wollte nur berichtigen, dass ich nicht die „Experten“ in Photocommunities meine (denn diese Fotoforen meide ich schon lange) sondern Fotographen-Blogs.

    Ansonsten kann ich deinem Beitrag nur zustimmen und nehme ihn ergänzend zu meinen Ausführungen zur Kenntnis.

    1. Ah, ja, dachte ich mir, bei „Photocommunities“ waren diese quasi mit eingeschlossen ;-) … aber gut, daß du es nochmal sagst und um so schlimmer, daß es so ist…

      Leider ist das ja meist Alltag im Web und trifft genauso auf die Aquaristik-Sparte zu wie auf Autismus-Plattformen… Nur zwei Beispiele, die sich beliebig erweitern, ergänzen oder ersetzen lassen…

      Überall gibt es diese „Experten“ und man tut gut daran, diese zu meiden.

  2. An die Aquaristikforen kann ich mich noch gut erinnern, die haben mich irre gemacht. Ich weiss nicht, wer dich so geärgert hat, bewirf‘ ihn mit herumkullernden Krümeln! ;)

    1. Oder mit Wattebällchen… oder mit… Lego, davon gibts hier auch genug… ;-)

      Oh ja, Aquaristikforen haben es in sich.

      Ich bin richtig froh, daß es damals, als ich noch meine Doggen hatte, solche Foren etc. nicht gab.

      Allerdings spielte sich da alles im „real life“ ab, das war auch nicht besser, die Leute lassen sich ja nicht einfach wegklicken… (hab’s versucht!)

      :-D

  3. Mein Tipp: Meide diese „Gemeinschaften“ wie der Teufel das Weihwasser.

    Ich war selbst jahrelang mal bei so etwas registriert, zusammenfassend: Kann man nicht ernst nehmen, null.

    Es haben sich allerdings ein paar nette RL-Kontakte ergeben, die auch bis heute andauern (das ganze ist schon 6 Jahre her, wäre heute nicht mehr so möglich, sehr speziell irgendwie)), aber das ganze Drumherum, also „die Anderen“ konnte man nur noch mit Guerilla-Bespaßungsaktionen hochkant auf die Schippe nehmen – was wir gern dort gemacht haben und uns an erbosten Reaktionen kaputt gelacht haben ;)

    Das dazu.

    Das Andere ist genau das von Dir bemerkte Problem, warum die Leute am Rechner im Netz zu alles und jedem ihren Senf abgeben müssen.

    Warum nicht einfach mal die Klappe halten? ich meine, ich kann das doch auch? Wenn mir auf der Straße ein Mensch entgegenkommt, der scheussliche Schuhe an hat -meiner Meinung nach- dann spreche ich den doch auch nicht an und übersehe das, weil es mir nichts bedeutet.

    Aber es wird wohl genau der Kreis der Leute sein, den Du weiter oben beschreibst – und damit hast Du sie sogar noch gut darstehen lassen, denn:

    Die Realität ist schlimmer, schlimmer, als das wir beide uns das ausmalen könnten. So kleine Dosen für so winzige Würstchen würde kein Supermarkt der Welt führen, denn keiner würde sie sehen und somit kaufen ;)

    Ich konter ebenfalls mit den Ärzten und sage dazu: „Lasse reden“

    Grüße
    Fotozelle

    1. „Meide diese “Gemeinschaften” wie der Teufel das Weihwasser.“ ist leichter gesagt als getan. Ich suche oft das Feedback. Ob harte Kritik oder „Das gefällt mir“ ist alles erlaubt. Darum geht man in Fotoklubs und wenn man wie ich momentan keinen vor Ort hat, dann im Internet. Und wo sollte man hin gehen, natürlich zu Gleichgesinnten, Menschen die vielleicht Ratschläge geben könnten.
      Leider wird in Foren diese gute Idee der Gemeinschaft von einigen miserabel interpretiert und man gerät schnell an aggressive oder beleidigende Kommentare. Und das finde ich schade, trotzdem würde ich sie nicht generell meiden….

      Dein Satz „So kleine Dosen für so winzige Würstchen würde kein Supermarkt der Welt führen“ ist klasse… den sollte ich mir merken :-)

      1. Stimmt schon, ganz aus dem Weg gehen kann man der Sache kaum.

        Ich bewundere deine Kritikfähigkeit. Die hab ich wirklich gar nicht. Ein falsches Wort kann mich für Stunden oder Tage aus dem Konzept bringen…

        Deswegen (unter anderem) klamüser ich auch meist allein vor mich hin und wenn ich mal nicht weiter weiß, dann such ich in Foren und verschwinde dann meist schnell wieder von der Bildfläche.

        Hihi, den „Dosen-Würstchen-Spruch“ finde ich auch klasse… Leider wird er mir im passenden Moment kaum so glatt von den Lippen kommen, wie ich mich kenne…

        ;-)

      2. Dann schätzt du mich falsch ein. Ich nehme mir Kritik ganz stark zu Herzen, zergrübele sie usw. Letztens habe ich sehr viel Kritik zu meinen Fotos bekommen, die hat mir sehr weh getan. Aber die Kritik war gut geschrieben, sodass ich lange darüber nachgedacht habe und versuche, diese Kritik irgendwie umzusetzen. Ob mir das gelingt, ist eine andere Geschichte. Aber leicht fallen tut mir das nicht. Wobei ich dabei noch unterscheide, ob ich persönlich kritisiert werde oder das was ich mache.
        Mit persönlichen Kritisierungen kann ich gar nicht umgehen, wahrscheinlich weil ich sooft schon kritisiert wurde, dass ich schon gar nicht mehr weiß, was richtig oder falsch ist und wie man sich ändern soll. Ganz schwieriges Thema….

      3. Oh. Das ist wirklich schwierig.

        Ich versuche es mal so: Du suchst eigentlich die Kritik bezüglich deiner Bilder etc., nimmst dir das dann aber (zu) sehr zu Herzen?

        Dann ist es ähnlich wie bei mir, mit dem Unterschied, daß ich aus genau diesem Grund jegliche Kritik scheue und versuche, ihr aus dem Weg zu gehen. Das ist nicht unbedingt die geschickteste Lösung, zugegeben, da man so ziemlich in seinem eigenen Saft schmort, ohne vernünftiges Feedback zu erhalten.
        Insofern… bewundere ich also besser nicht deine Kritikfähigkeit, sondern vielmehr, daß du dennoch nach Rückmeldungen suchst.

        Und in dem von dir angesprochenen Fall hat es dich ja auch wirklich weitergebracht, das ist toll…

        Mir fällt diese Unterscheidung sehr schwer, bin nun ich gemeint oder daß, was ich tue, da das für mich eins ist. Das ist sicher auch der Grund, warum ich so schlecht damit umgehen kann…

        Hab ich es jetzt? ;-)

    2. PS: Vielleicht liest du noch meinen Ursprungsartikel auf den sich Magrat stützt, denn von der Intention ist er anders gestrickt…

    3. Danke dir, fotozelle!

      Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die von mir im Text erwähnte Fotoblog-Community ist wie gesagt wirklich nett (ich will es nicht beschreien…).

      Im Web sind eben die Hemmungen der Leute um ein Vielfaches heruntergesetzt und die, die sonst hinter deinem Rücken tuscheln würden, toben sich eben hier im Netz aus.

      Wie gesagt, vieles davon ist nicht mal mir selbst passiert, aber es wurmt mich auch gewaltig, wenn ich auf „meinen“ Stamm-Blogs zu Besuch bin oder durch ein paar Foren blättere, auf der Suche nach für mich wertvollen Informationen, und dann muß ich da so unqualifizierte Bemerkungen lesen…

      So. Deshalb lassen wir die Winz-Würstchen dort, wo sie hingehören, nämlich in der untersten Schublade, und lassen Farin Urlaub das Wort an sie richten:

      http://www.youtube.com/watch?v=3N3tS9reuLw

      :rotfl:

  4. ich finde, dass du das sehr toll schreibst! den artikel von jana hab ich heute morgen schon gelesen, aber bisher noch nicht kommentiert ;-)

    Ich suche eigentlich immer einen Weg, Kritik zu bekommen, aber wie du schreibst: sonderlich kritikfähig bin ich nicht. unser lehrer brachte uns bei, dass kritik eine bewertung ist – in negativer, aber auch positiver form. Ich mag lieber verbesserungsvorschläge.

    ich halte es sowieso so: ich lese blogs. interessiert mich ein beitrag nicht, so klicke ich weiter. generell gibt es blogs auf denen ich viel kommentiere, andere verfolge ich lieber im stillen. trotzdem kommentiere ich, wenn mir etwas gut gefällt. Gefällt mir ein foto nicht, dann schreibe ich entweder, was mir nicht gefällt uns begründe das mit meinem persönlichen geschmack, der keinen anspruch auf allgemeingültigkeit hat. allerdings halten viele ihre meinung für allgemeingültig und das ist schon ziemlich traurig.
    Ich find es auf jeden fall ziemlich cool, zu beobachten, wie du dich versuchst (wie zum beispiel diese bunten lichtspielereien letztens) – denn fotografie lernt man doch durch ausprobieren (und durchs kennen der eigenen kamera und ein bisschen durch lesen von tipps oder ähnlichen).

    1. Hi Jana, danke dir…

      Du triffst es sehr gut… Kritik als solche, naja, allein das Wort „Kritik“ ist ja im allgemeinen Sprachgebrauch irgendwie schon negativ behaftet.

      Wenn es um Pädagogik geht, lernt man ja auch, erst einmal zu loben: „Das gefällt mir gut, was du da gemalt hast, besonders dies und das hier, die Farben sind toll. Und schau mal, das und das hier kannst du auch so und so machen, probier mal, vielleicht klappt es und gefällt dir… “

      Das klingt nett und ich mache damit niemanden klein. Ich drücke meine Anerkennung für die Leistung aus, die sich ein Kind /Erwachsener gemacht hat und trotzdem gelingt es mir noch, auf höfliche Art einen Verbesserungsvorschlag zu machen, der quasi als „Idee“ daherkommt. Da braucht sich niemand auf den Schlips getreten zu fühlen und trotzdem konnte man seine „Kritik“ anbringen.

      Leider dauert das länger als: „Mmm, was hast du denn DA gemacht…?! Das ist ja total verwischt! Kannste vergessen! Nochmal!“

      Naja, ich finde es natürlich gut, wenn das jemand so einsteckt und auch noch aus harscher Kritik lernen und somit einen Nutzen daraus ziehen kann, aber mich macht sowas einfach nur fertig…

      Ach und ich freu mich, daß dir die Lichtspielerein gefallen haben… :-)

      Macht halt einfach Spaß und das ist ja die Hauptsache, und Lernen tut man auch dabei.

  5. Ich glaube, dass solche Leute auf diese Art ihr Selbstbewusstsein aufpäppeln, anders kann man so ’ne Großspurigkeit ja kaum erklären. Eigentlich müsste man wohl Mitleid haben, aber mich regt so ein Verhalten auch immer auf. Solche Störenfriede können ja ganze Foren „auf Trab halten“…
    Um es in brotisch zu sagen: „Unser Leben ist die Hölle.“ :bernd: ;-)
    Diese Personen mit ihrem unangebrachten Verhalten zu ignorieren, ist natürlich auch leichter gesagt als getan. Aber denk immer daran: Die künftige Weltherrscherin mag Dein Blog und auch die Fotos. :-))

    1. Prima, das ist die Hauptsache!!!

      Und du hast natürlich recht, man kommt nicht immer drum rum, allerdings gibt es viele Foren, in denen ich registriert bin, aber nie oder selten etwas schreibe.
      Meist ist es dann eine Frage, zu der ich nix gefunden habe. Ansonsten wird eben still herumgelesen, denn vieles findet man eben nur in diesen Foren.
      Oft hat man dann schnell rausgefunden, wer die Störenfriede sind, und kann die Artikel dann überlesen…
      Nervig wird es, wenn solche sich dann in den eigenen Thread mit reinhängen…

      So. Jetzt aber erstmal lecker :coffee: für alle!

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