Foto-Safari

Wobei „Safari“ jetzt auch leicht übertrieben ist. „Foto-Spaziergang“ würde es eigentlich eher treffen, aber das sah als Überschrift dämlich aus.

Gestern nämlich nutzten mein lieber Mann und ich bereits zum zweiten Male innerhalb weniger Tage die famose Gelegenheit, daß keines der Kinder zuhause ist. Nicht, daß wir uns falsch verstehen, wir LIEBEN unsere Kinder, aber gelegentlich ist es einfach von immenser Wichtigkeit, auch einmal für sich zu sein.

Deshalb zogen wir gestern vormittag los. Es war bitterkalt, aber sonnig, blauer Himmel, der Wind schnitt einem förmlich in die Finger, da man mit dicken Handschuhen versehen ja nicht mehr in der Lage ist, all die kleinen Knöpf- und Rädchen zu drücken oder drehen.

Also hieß es Prioritäten setzen: warme Hände statt gelungener Fotos? Niemals!

Um nicht ziellos herumzuirren, gingen wir geradewegs in den Fotoladen, wo Frau Magrat ihre zwei vollen 35mm-Filme abgab. Eigentlich sogar drei, denn ich hatte gestern auf der verzweifelten Suche nach meinem Canon-Akku-Ladegerät noch einen dritten, offenbar vollen Film in einer Schublade entdeckt.

Keine Ahnung, wann diese Bilder gemacht wurden. Gut möglich, daß hier noch eins unserer Kinder als Baby drauf zu sehen ist, wer weiß, das macht das Ganze doppelt spannend, allerdings heißt es nun, noch fast eine Woche zu warten, nämlich bis mittags Heiligabend .

Unterwegs wurden wieder einmal Bilder von der Stadt, die ich eigentlich nicht besonders mag, gemacht. Diesmal war die niedrigstehende Sonne eine echte Herausforderung. Außerdem schneite es leicht und natürlich sollten auch einige Schneeflocken aufs Bild.

Die einzige Möglichkeit, total überbelichtete Fotos mit ausgebranntem Himmel und ausgefressenen kahlen Zweigen zu vermeiden, war, wie gewöhnlich, alle Werte manuell einzustellen bzw. auf die Blendenvorauswahl (Av) zu setzen. Damit wurden einige Bilder zwar recht dunkel, aber wenn man mag, läßt sich dies ja mittels geeigneter Software im Nachhinein noch ändern, was ja mit den ausgebrannten Stellen nicht möglich wäre. (Es sei denn, man zieht in Erwägung, den fehlenden Himmel kunstvoll selbst zu gestalten… )

Mit den Ergebnissen war ich diesmal vergleichsweise zufrieden. Die historische Stadtmauer, von Vögeln übersehene Beeren, die letzten, gelben Äpfel an einem kahlen Baum, die Sonne… nur die Amseln erwiesen sich als durchaus unkooperativ. Da ich nur mein Kit-Objektiv dabei hatte, hätte ich in das stachelige Gebüsch hineinkriechen müssen, um die Amsel formatfüllend abbilden zu können, das aber … war offenbar nicht im Sinne des Vogels.

Mein lieber Mann hatte in weiser Voraussicht unseren Frühstückskaffee in die Thermosflasche umgefüllt und mitgenommen. Den tranken wir dann unterwegs, als wir kurz für einige Bilder Halt machten. Hier entstand auch eines dieser ganz seltenen Bilder, auf dem man uns gemeinsam sieht, dank Selbstauslöser…

Wir 2

Damit grenzten diese anderthalb Stunden schon fast an eine Art Wellness-Wochenende! Heißer Kaffee, blauer Himmel, Photographieren bis zum Abwinken, eine Runde durch den Bücherladen ohne besitzanstrebende Rüben, kein ständiges zu diversen Ab- und Ermahnungen Genötigtsein… Herrlich.

Zuhause wieder angekommen hieß es, schnell die Rüben vom Kindergarten abzuholen. Vorbei mit der Ruhe. Aber vermutlich wüßte man sie sonst auch gar nicht zu schätzen…

P.S. Der berüchtigte Wermutstropfen: Frau Magrat hatte vor lauter Begeisterung völlig vergessen, daß sie ja extra ihren Lomo Supersampler mit einem Extra-Lomo-Redscale-Film versehen und in ihre Jackentasche gestopft hatte, bereit,alles zu knipsen, was ihr vor die 4 Linsen kommen sollte… Nach dieser Entdeckung hieß es dann – ganz OTTO-esk – :“Und …ÄRGERN! ÄRGERN! ÄRGERN!“

Nun ja. Einige der Bilder sind jedenfalls auch auf Flickr zu sehen….