Rennmaus – zwischen Krampf & Kampf

Praktisch jedes Kind wünscht sich ja bekanntlich irgendwann einmal ein Haustier. Haustiere sind wichtig. Kinder lernen so, Verantwortung zu übernehmen, das regelmäßige Reinigen, Pflegen und Füttern verlangt nach Disziplin und Durchhaltevermögen, und obendrein erlebt man hautnah, was es heißt, ein Tierchen gesund zu pflegen oder an eine fiese Krankheit zu verlieren, man spürt, daß ein altes Tier mehr Rücksicht und Ruhe braucht und vielleicht eines Tages friedlich für immer einschläft.

Kinder erleben aber auch hautnah, wie Papa-Maus die Mama-Maus begeistert durch das komplette Rennmaus-Domizil treibt und zwischendurch den an einen Auffahrunfall erinnernden Zeugungsakt vollzieht.

Als logische und nahezu unabwendbare Folge dessen erlebt nun das Kind die komplette Schwangerschaft der Mäuse-Frau, bis hin zur Geburt kleiner, nackeliger, schrumpeliger Mäuse-Kinder-Dinger.

Daran anschließend erlebt das Kind, wie aus so einem rosa Dingens  ein richtiges Mäuse-Kind wird, und außerdem, wie der gesamte Rennmaus-Clan sich um die Nachkommen des Alpha-Pärchens kümmert.

Ab und an – es ist wie im Leben, denn es IST ja das Leben – ziehen auch am Rennmaus-Himmel, welcher im Übrigen große Ähnlichkeit mit einem sauber abgeschliffenen Holzbrett aufweist, kleine, mausgraue Wolken auf.

Dann nämlich, wenn man eines Tages ein winziges Fellknäuel entdeckt, welches regungslos an die Glasscheibe gepreßt und unter einer dicken Schicht Hobelspäne verbuddelt ist.

Dann zeigt sich nämlich, daß auch so ein Rennmaus-Leben nichts Kleines, Selbstverständliches ist.

Und wenn der Rennmaus-Papa einen jungen Rennmaus-Mann in dessen Schranken weist, und dies – ganz nonverbal – mittels scharfer Zähne tut, bis dem jungen Rennmaus-Mann das Schwänzchen blutet und er nur noch hofft, in Ruhe gelassen zu werden, dann zeigt sich, daß so ein Rennmaus-Leben auch seine Schattenseiten hat.

Wenn dann zu allem Überfluß eine junge Maus plötzlich einen Krampfanfall erleidet, schlaff und unfähig, sich zu bewegen, auf dem Boden liegt, ein, vielleicht zwei Minuten lang, die einem unendlich erscheinen, wenn man davor steht und nicht in der Lage ist zu helfen, sondern nur immer wieder abwechselnd Kind und Mäuse-Kind zu beruhigen versucht, dann fragt man sich plötzlich, ob all diese Studien über Kinder mit Haustieren wirklich richtig lagen…

Andererseits… so ist es eben, das Leben. Oder nicht?

Also kauft man fleißig Mineralsteine, weil eine gute Versorgung mit ausreichend Mineralien helfen soll, diese Krampfanfälle, für die Rennmäuse leider so anfällig sind, zu verhindern oder wenigstens zu verringern.
Also kümmert man sich um blutige Mäuse-Schwänzchen und das Kind führt Ergotherapiesitzungen für den Alpha-Mäuse-Papa ein.
Also beerdigt man das tote Mäuse-Kind, das ja von Anfang an so klein und schwach war und sich nun nicht mehr quälen muß.

Denn das Leben geht ja bekanntlich weiter, nicht wahr?

Und wenn man dann sieht, wie glücklich das Kind darüber ist, daß es seine Mäuse hat, wie es sich täglich rührend um sie kümmert, sich mitfreut und mitleidet, fleißig und gewissenhaft Tagebuch führt und ihre Mäuse immer wieder zeichnet, wenn jedes noch so kleine Ereignis im Mäuse-Stall registriert und darüber berichtet wird, dann ist man plötzlich wieder sicher, daß diese Studien wohl doch nicht ganz daneben liegen.

4 Antworten auf „Rennmaus – zwischen Krampf & Kampf“

  1. Ich könnte da noch hinzufügen:

    Und wenn man nach Hause kommt, und überall Blut im Käfig, aber nur noch eine maus findet, dann weiß man, das auch so eine süße Fellkugel nicht immer nur niedlich ist.

    Und wenn man dagegen die Mäuse zum Arzt bringt und dann hibbelnd auf einen Anruf von eben jenem Arzt wartet, ob die OP erfolgreich war und der Tumor entfernt werden konnte – und wenn man dann noch sieht, das es der Maus wieder gut geht – dann geht die Sonne auf, mitten im Winter.

    Ich hoffe, das es
    – der kleinen Epi-Maus bald wieder gut geht
    – dem Lütten die Wunde bald wieder heilt
    – dein Kind den Tod des Babies bald verwindet

    1. Hallo Nebelkind, vielen lieben Dank für deinen Kommentar…

      Ich hoffe ja eigentlich, daß ich unsere Große zu einem eigenen Blog „überreden“ kann, damit sie einen Ort hat, wo sie all ihre Erlebnisse und Gedanken aufschreiben kann.

      Aber noch ist sie wohl nicht so weit…

      Die kleine Epi-Maus hat sich erholt, allerdings bekommt man wahrscheinlich die meisten Anfälle gar nicht mit, da man ja nicht ständig in der Nähe sein kann.. :-((

      Unser Gobo, dessen Schwänzchen so malträtiert wurde, ist wieder wohlauf, bis zum nächsten Kampf…

      Über den kleinen Mäuse-Tod haben wir mit ihr gesprochen, sie weiß ja, daß das leider dazu gehört und nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Gut ist, daß wir die Kleinen im Garten meiner Eltern beerdigen können, das hilft, um damit klar zu kommen.

      1. gott sei dank erholen sie sich wenigstens meistens rasch..

        und ja, der tod gehört dazu – ist aber selbst für mich mit 28 immer noch schwer wenn ich eine meiner felle beerdigen muss

      2. Da hast du Recht, es ist wirklich schwer, sich von den kleinen Dingern verabschieden zu müssen…

        Wäre aber auch bedenklich, wenn man schon so abgestumpft wäre, daß es einem nix mehr ausmacht.

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