Staub, Wohnraum und andere Diagnosen

Es war keine Schweinegrippe. Es war auch nicht Frau Magrats Kochkunst, die für zwei Tage ihren lieben Mann und ihren jüngsten Sohn außer Gefecht gesetzt hatte, es war offenbar ein fieser Virus.

Als mein Mann heute wieder bei seinen Studenten auftauchte, waren diese leicht verunsichert. Schon hörte man von Spontan- und Wunderheilung. Aber nichts dergleichen. Es war wohl der pure Ekel, der die beiden so schnell wieder genesen ließ, denn ich hatte bereits vor einigen Tagen zwei Fläschchen reinsten Colostrums bestellt. Da ich damit drohte, ihnen etwas davon zu verabreichen, kehrte das Immunsystem spontan zurück.

Und da soll noch einmal einer sagen, dieses Zeug würde nix bringen!

Auch die Horror-Diagnose, die als Verdacht auf dem Überweisungsschein für unseren Jüngsten stand, hat ihren Schrecken verloren. Nach einigen Tagen eifriger Suche im Web wurde ich fündig. Nein, ich bin noch immer kein Dermatologe, aber da der Termin erst im Januar ist und ich es gewohnt bin, die Diagnose VOR dem Arztbesuch zu kennen oder doch wenigstens ansatzweise zu ahnen, womit ich es zu tun habe, ist es der absolute ZWANG, herauszufinden, was hier los ist.

Um Sie noch einmal kurz ins Bild zu setzen: unser Jüngster hat seit einigen Wochen eine Art obskures Ekzem am Beinlein. Die Kinderärztin erschien einigermaßen ratlos, stellte folgerichtig einen Überweisungsschein zum Hautarzt aus und schrieb eine Verdachtsdiagnose darauf. Deren erster Teil erwies sich nun nach meinen Recherchen als ziemlich richtig, der zweite Teil, der ja mit Fragezeichen gekennzeichnet war, erwies sich hingegen als … Quatsch.

Und das ist auch gut so.

Stattdessen scheint es eine zwar recht seltene, aber harmlose, schmerzfreie, juckreizfreie, nach einigen Wochen bis Monaten selbstheilende Erscheinung zu sein.

Während all dieser Dinge, die einem ja per se schon das Leben schwer machen, streikt dann auch noch unser Kühlschrank.

Nicht komplett, er kühlt also durchaus noch. Aber alles andere, also quasi alles um das Kühle drumherum, löst sich so langsam in Wohlgefallen auf. Schon vor einigen Jahren fiel nicht nur die Lampe aus, sondern gleich der ganze Schalter. Fortan ging man nach Gefühl auf Kühlschrank-Expedition.  Der Griff fiel eines Tages ab und wurde durch eine formschöne Konstruktion aus scharfkantigen Metallteilen und ein wenig … Strick… ersetzt. Kein Problem. Doch als jetzt auch noch die Tür begann, sich nicht mehr ohne Zuhilfenahme des Fußes oder beider Hände schließen zu lassen, dachten wir uns: Zeit für den Zweit-Kühlschrank!

Der stand nämlich seit Jahren im Keller. Nahezu baugleich mit dem alten, nimmt er nun dessen Platz ein. Beim Wegrücken des alten Kühlschranks kamen circa zwei Dutzend Magnetbuchstaben zum Vorschein und ein Eimer voll Staub. Interessant, was sich innerhalb weniger Jahre so alles ansammelt…

Staubig

Nun steht der kaputte Alte neben dem alten Intakten und wartet darauf, hinunter getragen zu werden. Die Tatsache, daß nun zwei Kühlschränke nebeneinander stehen, hat zur Folge, daß die effektive Wohnfläche gefühlt nur noch die Hälfte beträgt. Hierbei wollen wir uns einen interessanten psychologischen Effekt zunutze machen: Wenn wir in den nächsten Tagen den kaputten Kühlschrank in den Keller schaffen, wird uns die Wohnung doppelt so groß vorkommen!

Und das ist doch was. Wenn man das jetzt einmal hochrechnet und statt des Kühlschranks auch noch die Ersatz-Waschmaschine, den Zweitwagen und die Dachbox in die Wohnung stellen, einige – sagen wir mal – Wochen dort belassen und dann wieder entfernen würde, hätte man damit mindestens gefühlte 150 m² reine Wohnfläche gewonnen!

Genialer Gedanke…

Wie mir dies alles langsam den Geist verwirrt, zeigte sich erst gestern. Mit unserer Großen fuhr ich flink in den Zooladen, um einen Mineralstein zu kaufen. Für die Rennmäuse, nicht für unsere Tochter. Ach, das wußten Sie…? Gut.

Die obligatorische Zooladen-Runde führte uns wie immer an den Aquarien vorbei. Frau Magrat geriet ins Schwärmen. Hier tolle Hexenwelse, dort Zwergkrallenfrösche, bombastisch…

Die Zooladenfrau steht günstig herum und es platzt aus mir heraus: „Haben Sie Dornaugen?“ (Gut, daß ich nicht nach Hühneraugen gefragt habe, wo ich jetzt so drüber nachdenke…) . „Ja!“ – ruft sie fröhlich. „Hier drüben!“ Sie geht zu besagtem Aquarium und hebt eine geschmackskrebserregende Unterwasserplastik an.

Ah ja, da tummeln sie sich, nur eins der Dornaugen nicht, das treibt blaß und regungslos im Wasser. Statt spätestens jetzt einfach meine Klappe zu halten, denke ich laut dies hier: „Ob wir da welche mitnehmen?“ Da sehe ich, daß die Fischfangfrau bereits alles vorbereitet hat, Tüte und Eimer und Kescher. Hastig fällt mein Blick auf’s Preisschild, ah ja, 4.99 €, jetzt schnell noch virtuell meinen Bargeldbetrag durchrechnen, naja,… „Zwei, wir nehmen zwei.“ – höre ich mich sagen. Mist. Zwar standen weitere Dornaugen schon auf der Fisch-Beschaffungsliste, aber nicht gerade jetzt.

"Sanddoerner"

Zu spät. Aber auch nicht allzu schlimm, meine anderen beiden „Sanddörner“ (meine Große brachte immer „Sanddorn“ und „Dornauge“ durcheinander, nun heißen sie eben „Sanddörner“)  wirkten jedenfalls erfreut.

Und warum wir nun unbedingt einen Mineralstein für die Mäuse kaufen mußten, erzähle ich das nächste Mal….

17 Antworten auf „Staub, Wohnraum und andere Diagnosen“

    1. War mir bis eben auch neu. Kann es aber–oh ja– mit einem Gleichnis erläutern:
      Colostrum:
      Milch, die den ersten 24 bis 72 Stunden nach der Geburt von Säugetieren produziert wird und irgendeinen Schnickschnack bewirkt.
      Quasi die Milli unter den Frühstücksbieren! :sheep:

      1. Ah, es wirkt schon, prima.

        Ich habe soeben beschlossen, mich damit selbstständig zu machen.

        „Fernheilung durch Colostrumandrohung. Nicht 20 €, nicht 30 €, nein, hier für 50 € !“

        Guter Plan, oder? :cow:

      2. Genau, das isses! Colostrum, oder auch Kolostrum, es kann praktisch ALLES!

        Ein Tausendsassa! (dieses Wort wollte ich schon immer einmal schreiben)!

      3. Teufelszeug! Lässt den Eintrag von 9:17 noch vor dem von 9:15 erscheinen. Maggi? Ach: M A G I E ?

      4. Ja, nee, es handelt sich hier um einen klaren Fall von … Knorr. Nix Mag(g)i(e).

        Ich habe erst nach dem Server-Umzug gemerkt, daß ich die Kommentare auch verschachtelt anzeigen lassen kann, und das mußte ich sofort ausprobieren!

        Es ist so … verwirrend, nicht?

        Und der Button für „Antworten“ ist zu kurz, haaach, das sieht nicht aus, das muß anders werden…

        Also doch :devil: – Zeug…

  1. …denn ich hatte bereits vor einigen Tagen zwei Fläschchen reinsten Colostrums bestellt. Da ich damit drohte, ihnen etwas davon zu verabreichen, kehrte das Immunsystem spontan zurück.

    Igit, das ist ja leicht ekelhaft! Da wäre ich wohl auch wieder schnell gesund geworden. Wie kann man nur mit so etwas drohen?

    1. Aber nein, nicht ekelhaft. Damals, als ich es einmal nahm, habe ich absolut nix geschmeckt!

      Allerdings gilt das auch für alle anderen Dinge…

      *grübel*

      1. Nein nein, der ist schon seit Jahren weg. Das Colostrum könnte ihn ja vielleicht wieder her zaubern?

        *Colostrum – :liquor: – aufschraub-und-hastig-ausschlürf*

    1. Ja, verlinkt, verlinkt!!! Jippieh!

      Mach ich auch gleich noch. Also nicht mich, sondern dich verlinken… gleich, spätestens aber morgen, weil ich irgendwie Abendbrot machen muß für die Bande…

      Ick freu mir!

      :skywalker:

      1. Olé! :)

        Hier Tiefkühlpizza und nebenher TV und Internet; es ist bisweilen praktisch, wenn man in gewissen Dingen völlig vorbildfunktionslos durch’s Leben gehen kann :tv:

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