Schweinegrippe und Die tiefere Bedeutung eines Fragezeichens

Seit heute steht es also fest: nicht nur hier in der Stadt, sondern auch in der Schule unserer Großen ist sie … nun ja… ausgebrochen.

Mit dieser Botschaft kam unser Tochterkind heute nach Hause, morgen bekommen alle Eltern noch einen Zettel. Den Schülern wurde erklärt, sie sollten möglichst nichts anfassen, möglichst niemandem zu nahe kommen, sich möglichst ununterbrochen die Hände waschen, möglichst keinerlei Türklinken anfassen und überhaupt und sowieso sich möglichst nicht anstecken.

Während nun offiziell dazu geraten wird, auch und gerade kleine Kinder zu impfen, und chronisch Kranke sowieso, bekamen wir von der Kinderärztin eine eher zurückhaltende Antwort. Man würde also noch abwarten, noch überlegen, die Nebenwirkungen, die Zusatzstoffe, die Wirkverstärker…

Schaut man nun einmal auf eine der zahlreichen Eltern-Ratgeber-Seiten im Web, stellt man schnell fest, daß auch hier nach wie vor keine eindeutige Antwort kommt.

Was kommt, sind – weiter unten auf besagten Seiten – die Kommentare der Eltern.

Die Impfwilligen und die Impfgegner.

Ein erbittert geführter Kampf, der wahrscheinlich seit der allerersten Impfung besteht.

Dies ist ein freies Land (sagt man). Wir haben hier Rede- und Meinungsfreiheit (heißt es). Das ist auch gut so (meistens).

Aber (und es gibt fast immer ein ABER).

Darauf mag ich mich nicht einlassen. Ich kann es nicht mehr hören. Und auch nicht mehr lesen. All die selbsternannten Experten (auf beiden Seiten)…

Egal.

Natürlich reicht es nicht, daß man sich als Mutter ja quasi von Natur aus Gedanken macht, sich sorgt. Keines der Kinder soll nach Möglichkeit krank werden. Schon gar nicht schwer oder gar ernst erkranken.

Und als wär es nicht genug, daß wir schon mit Diabetes und Zöliakie und Hashimoto und Neurodermitis und Allergien und Asthma und dergleichen zu tun haben.

Nein.

Da hat unser Jüngster einen obskuren Hautausschlag am Bein. Während ich am Besonnengoogeln bin, diverse Ratgeber und Bücher über Kinderkrankheiten durchpflüge und einfach keine Idee habe, worauf ALLE Symptome passen könnten, war heute nun wieder Kinderarzt angesagt.

Als mein Mann mir heute den Überweisungsschein für unseren Jüngsten zum Dermatologen in die Hand drückt, lese ich darauf eine mir bis heute unbekannte Verdachtsdiagnose mit einem dahinterstehenden Fragezeichen.

Beim nun folgenden Immernochrechtbesonnengoogeln erfahre ich, daß diese Krankheit EXTREM selten ist, quasi nur Mädchen betrifft und bei Jungs in der Regel tödlich verläuft.

Googelt man nun weiter, erfährt man auch noch, daß entsprechende Symptome im ersten Lebensjahr auftreten und eine Vielzahl anderer, wirklich ernster Störungen damit einhergeht. Zum Beispiel Zahndeformitäten.

Schauen Sie sich mal unter diesen Umständen die Zähne Ihres Kindes an!

Wenn man so eine Verdachtsdiagnose erhält, dann wird aus einem undeutlichen Sprechen plötzlich ganz schnell „geistige Retardierung“ und aus dem Milchschorf, den auch die anderen beiden Kinder recht lange hatten, eine ernste, genetisch bedingte Hauterkrankung.

Dann hält man sich an dem kleinen Fragezeichen fest, welches ja da noch steht. Dann stützt man sich auf die „dermatologische Unkenntnis“ der allgemeinen Kinderärzte und darauf, daß EXTREM SELTEN auch genau das heißt.

Dann findet man plötzlich mögliche Diagnosen wie „Neurodermitis“, „Schuppenflechte“ oder „Hautpilz“ attraktiv.

Dann möchte man auch Ärzten eine Art Pflicht-Googeln, kombiniert mit dem Kurs „Besonnenverdachtsdiagnosenaufschreiben“ verordnen.

Und dann wünscht man sich, man hätte sich endlich einen geeigneten Psychotherapeuten „besorgt“, der einem einmal wöchentlich das Gefühl, verrückt zu werden, professionell nimmt und all diese Dinge wieder relativiert und der einen mit „Frau Monk“, wahlweise auch mit „Frau Magrat“ anspricht.

Hat jemand meine Depression gesehen, die muß hier ganz in der Nähe sein…?

7 Antworten auf „Schweinegrippe und Die tiefere Bedeutung eines Fragezeichens“

  1. Maggrat, upps verdipt, neu:
    Magrat versetzt sich virtuell ins Rheinland- wenn es beliebt auch gleich nach Kölle am Rhing- und schreibt die unten folgende Weisheit aus den Zeiten des sogenannten KT-Impakts (Kreide-Tertiär-Einschlag) ab.

    Da lösten ja Säugetiere die Reptilien ab; erfanden flugs das „Kölsch“ (wg. der Säugerei, klaro) und aber die Weisheit: »Et hätt noch immer joot jejange«. :clover:

  2. So besonnen kann man bei Google manchmal gar nicht nachlesen. Das wird alles, bestimmt!! Und danach erschlägst du den Arzt dafür, dass er sowas überhaupt auf die Überweisung geschrieben hat, aber unpuschelig bitte.

  3. @Blinkfeuer:
    Danke dir… Ja, Kölle, klingt gut, das mache ich…

    Und die Kommentarfunktion …äh.. die Kommentarkorrekturfunktion … die ist bald wieder da, versprochen! (Jetzt, wo ich weiß, daß nicht SIE es war, die meinen Blog lahmgelegt hat, steht dem ja nichts mehr entgegen…)

    @Fellmonster:
    So, gerade den Termin beim Hautarzt bekommen, gestern war da keiner mehr. Ist aber erst Mitte Januar, ich hoffe, bis dahin hat sich das alles hier in Wohlgefallen aufgelöst…

    Danke fürs :yes: und :dog: -Pfoten-Drücken!

    @quadratmeter:
    Danke für die aufbauenden Worte, und ja, das wird alles, aber bestimmt nicht puschelig!

    Ich finde es echt unverantwortlich, so etwas da drauf zu schreiben. Nur, weil man in einem Buch, welches in der Praxis herumlag, ein Bild gefunden hat, was so ähnlich aussah wie dieser Ausschlag am Bein…!

    Und trotzdem macht man sich Gedanken, man kann irgendwie nicht anders… Dabei wäre es quasi eine medizinische Sensation, wenn es einen Jungen mit dieser Krankheit gäbe, der schon 3 1/2 geworden ist, wenn ich das alles richtig verstanden habe…!

    *grummel*

  4. Diese Verdachtsdiagnosen hasse ich wie die Pest. Mir ging es ja letztens auch so, als ich zu einer Untersuchung sollte, die rein aus Verdacht stattfinden sollte. Ich weiß nicht, warum Ärzte nicht ein bisschen sensibler sind oder geht es denen so wie meiner Oma und ihren Freundinnen: „bei meiner Patientin habe ich heute Wolfsblutflecken diagnostiziert!“ sagt die eine und die andere Ärztin antwortet: „das ist ja noch gar nichts, ich hatte heute eine, die hatte nicht nur eine Nasenspalte sondern auch noch 6 Zehen an der Unterlippe!“ „Nein wirklich?“

  5. @Jana:
    Ja, das war ja auch ein Ding, was sie da mit dir gemacht haben…
    Wie gesagt, unverantwortlich ist so etwas.

    Ich hoffe jetzt einfach nur, daß dieses Ekzem oder was auch immer so schnell wie möglich verschwindet, ich hab ja ein paar gute Salben etc., und dann zeigen wir es diesen ganzen Ärzten!

    Da heißt es immer, als Patient solle man nicht googeln, man verstünde ja sowieso nix von Medizin etc. . Eine Ärztin meinte auch mal zu mir, mit spöttischem Lächeln: „Woher haben Sie das denn, aus dem Internet?“

    Platzen könnte ich da!!

    :pissedoff:

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