Twitter ist doof

… findet Frau Magrat eigentlich GAR NICHT. Jeder verwendet es auf seine Art, die einen nutzen es als Chat, die anderen, um die Welt oder doch wenigstens die Follower über neue Postings auf dem Blog zu informieren und manche… naja. Ferkel gibt es überall.

Und dann gibt es Leute, die prinzipiell DAGEGEN sind. Ich verrate jetzt hier mal nicht, auf welchem Blog zu welchem Beitrag ich da einen Kommentar gelesen habe, weil das nix zur Sache tut.

Aber aufgeregt hat es mich.

Da sitzt also jemand – vermutlich zuhause, vielleicht auch auf der Arbeit – am wie auch immer gearteten Rechner, liest sich einen neuen Artikel durch, den es auf einem der Blogs gibt, die ganz offensichtlich zur Stamm-Blogroll seines eigenen Blogs gehören, und tippt jetzt fleißig eine Antwort, die mich während des Lesens immer wieder stutzen läßt:

Da ist von "Neuzeit" die Rede. Twitter und soziale Netzwerke werden als "reine Zeitkiller" bezeichnet. Und "wirklich sozial" wär das nicht. "Schafft twitter und CO wieder ab und ihr werdet mehr Zeit haben!" – heißt es da. Und weiter: "Denn die Zeit bringt euch niemand zurück. Macht Fotos zur Erinnerung an die Zeit, die ihr draußen verbracht habt und nicht vor einem Gerät. Geht spielen und schreibt ein offline Blog – das gute alte Tagebuch."

Nun ist dieser letzte Satz hauptsächlich an Kinder und Jugendliche gerichtet, aber mal ganz ehrlich: Was ist da los?

Mein erster Gedanke war dieser hier:

Lieber Kommentator, schaff deinen Blog AB! Schreib dein Tagebuch und laß es danach bitte in der Schublade, es reicht auch völlig, die Bilder deiner Kinder wieder nur Tante Elfriede zu zeigen, geh, schalt den Rechner aus, am besten kündige auch gleich noch diesen ganzen neumodischen Kram wie zum Beispiel elektrischen Strom, geh zu Fuß, man trifft ja so viele Leute unterwegs, wie unterhaltsam, du schaust fern, statt mit deiner Familie draußen auf dem Feld zu arbeiten, du hast ein Telefon, ein Handy ganz und gar, was ist bitteschön aus dem Briefeschreiben geworden? Wie, das dauert zu lange? Was meinst du?

Die einzig wahre Kommunikation findet doch ausschließlich von Angesicht zu Angesicht statt, das wußten Sie noch nicht? Facebook, meinen Sie? Skype? Wozu DAS denn? Das ist doch nicht SOZIAL!

Meinen Kommentar zu diesem Thema hatte ich übrigens VOR diesem Artikel abgegeben. Und das war auch gut so. Denn sonst hätte ich vielleicht das alles hier noch als Kommentar … nicht auszudenken.

Aber mal ehrlich: Wer mit diesem ganzen Web 2.0 nix am Hut hat, der läßt es eben. Doch wenn ich diesen ganzen Nostalgie-Schwachsinn höre, wird mir richtig übel. Wer meint, die eigentliche Kommunikation finde einzig und allein auf der persönlichen, direkten Ebene statt, na bitte.

Was aber ist mit den Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht in der Lage sind, so DIREKT zu kommunizieren?

Bin ich vielleicht ASOZIAL, weil ich lieber einen Blog lese und kommentiere, statt mich mit Freunden ins nächste Café zu setzen und sinnfrei alles Mögliche durchzuhecheln? Ich schreibe lieber eine eMail, als jemanden persönlich zu treffen. Bin ich jetzt asozial? Ich schaue meine Feeds durch und schicke ein "Gute Besserung" über Twitter, bin ich jetzt ECHT asozial?

Ich habe in den vergangenen Monaten über diesen Blog, über Twitter, über Facebook (und was es da sonst noch alles gibt), viele neue Leute kennengelernt. Nein, ich behaupte nicht, diese Menschen wirklich zu KENNEN, das bleibt meiner Familie und den ein, zwei ECHTEN Freunden vorbehalten, aber all diese Leute teilen ein kleines oder größeres Stückchen ihres Lebens mit mir, man zeigt einander Fotos, man kann auch mal über persönliche Dinge sprechen, man erfährt von tollen Aktionen, manchmal ergibt sich auch ein netter eMail-Kontakt, abseits von Twitter & Co. .

Das klingt doch gut, oder?

Und wenn es einem doch einmal zuviel ist, dann schaltet man ab. Dann klickt man das "Fenster" weg oder loggt sich aus. Dann ist trotzdem keiner beleidigt und ich muß mir keine Ausrede ausdenken, die erklären könnte, warum ich jetzt wieder für mich sein möchte.

Für Menschen wie Frau Magrat ist diese Art der Kommunikation eine echte Errungenschaft. Und natürlich sollten Kinder auch noch draußen spielen, sich mit echten Freunden in der echten Welt treffen, keine Frage.

Es kommt, meine ich, wie bei allen Dingen, auf das richtige Maß an.

Oder? Was meinen Sie? Sie da, Sie Twitter-User, und Sie da drüben mit dem Facebook-Account, sagen Sie mal:

Sind wir wirklich nicht sozial?

14 Antworten auf „Twitter ist doof“

  1. Ich weiß gar nicht, von welchem Blog du redest, da hätte ich zu gerne meine Meinung dazu getwittert oder gefacebooked.

    Ich finde schon, dass es ganz schön asozial ist, wenn man mit 140 Zeichen eine Beziehung beendet oder seinem Chef sagt, dass man kündigt. Früher hat man wenigstens eine lange SMS geschrieben und heute tut man das per Twitter.

    Ich warte schon ganz sehnsüchtig darauf, das Microblogging-Dienste zugunsten von Nanobloggingdienste ihre Bedeutung verlieren. Wie einfach wird es sein, wenn ich nur noch schreiben muß: H Xmas, G. J.

  2. Ich denke die richtige Mischung machts aus. Sein ganzes Reales Leben nur noch Digital über Blog/Twitter oder Social Networks auszuleben, ist sicherlich nicht das Gelbe vom Ei. Seinen ganzen fikitiven Freundeskreis nur noch über diese Dienste zu verwalten ebenso. Man sollte die richtige Mischung aus Realer und Virtueller Identität finden.
    Ich denke ein leben zwischen Feed Reader und Twitter ist nicht gerade die angestrebte Daseins Form.
    Denoch bieten uns diese Medien eine Art der unkomplizierten Kommunikation, die wir alle zu schätzen gelernt haben und nicht mehr missen wollen.
    Ich finde nicht das man Asozial ist, wenn man hauptsächlich diese Kommunikation wählt.

    Leider gibts halt immer wieder Leute die das Ausufern lassen. Und das sind die negativen Bespiele, die meist gegenüber den Positiven überwiegen.
    Das ist genau wie Onlinespiele. Es spielen vielleicht 20 Mio. Deutsche Onlinespiele. Ganz normal, nicht zu viel und haben noch Freunde und sind gut ich Job und Beruf. 500,000 davon haben aber Probleme, das sie sich nach aussen Abkappseln und schlecht in der Schule oder im Job sind. Das sind gerade mal 2,5%. Die Fallen aber zum Beispiel in den Medien auf. Sind Onlinespiele nun Lebenszerstörer und Zeitverschwendung. Ich glaube nicht. Es kommt immer drauf an wie man damit umgeht.

  3. @Jana:
    Hmmmmm, ich wollte meinen Senf nicht als Kommentar schreiben, weil ich von mir weiß, manchmal überzureagieren und dann kann ich irgendwann nicht mehr sachlich argumentieren. Auf meinem eigenen Blog fällt das dann in die Kategorie „Kopf-Salat“ ;-)
    Das ist also keineswegs böse gemeint und ich möchte auch niemanden ärgern.

    Im Grunde ist es schon so, wie du ja auch schreibst, Twitter ist für den einen dies, für den anderen das. Ich geh halt schnell auf die Palme, wenn dann plötzlich zu einem Rundum-Schlag ausgeholt wird.

    Natürlich ist es daneben, wenn man per Twitter eine Beziehung beendet oder ähnliches, aber ich glaube, Leute, die so etwas tun, sind dieselben, die „früher“ einfach einen Zettel auf dem Küchentisch hinterlassen hätten oder über einen Dritten die Beziehung beendet haben (um beim Beispiel zu bleiben).

    @Symm:
    Stimme dir quasi in allem Gesagten zu. Die Analogie zum leidigen Thema „Onlinespiele“ fiel mir auch gleich ein.

    Grundsätzlich bin ich sehr froh, daß es all diese Dinge nun gibt. Aber ich freu mich natürlich auch, wenn mich (alle paar Monate einmal) gute Freunde besuchen oder eine liebe Postkarte mit Urlaubsgrüßen in meinem Briefkasten landet.

    Also: die Mischung machts.

    :-)

  4. Glaube nach 2*4h Nutzung den einzigen & „reine(n) Zeitkiller“ erspäht zu haben: ebay- Händler- Auktionen!
    So`n Quark für Zeitverschleuderer habe ich ansonsten noch nicht verortet, hier, in diesem Webdingens.
    Hat den Artikel wohl jemand verfasst, der/die beim B*G**N auch TV gucken kann, sehr souverän!!

    Aber was rege ich mich denn auf, mit Daggi bin ich ja sowohl draußen, vor & im PC beschäftigt. Und Urlaub habe ich ihr auch gegeben. Fragt Felli!
    Ich bin ja soooo sozial, verdammt!

  5. @Sozialer Blinkfeuer:
    Gerade für Daggi ist ja frische Luft sehr wichtig. Und dann noch URLAUB!

    ebay-Auktionen? Das ist nicht nur schlimme Zeitverschleuderung, sondern hat auch extremes Nerven-Verlier-Potential. Wenn man nämlich das für 1€ versteigerte Buch fachgerecht verpacken/verschicken muß. Nix für Frau Magrat, jedenfalls.

    Und TV beim B*g**n? Das ist so ein Extreme-Multitasking-Ding. Also auch nix für Frau Magrat.

  6. Siehste! Man muss nur mal jammern.
    Habe dann doch meine ebay Ersteigerung erfolgreich beendet.
    Obwohl eine Frage offen bleibt.
    Die können sicher nur die Sozialpartner von der FDingsPartei klären:
    Darf das Prekariat überhaupt Chefsessel ersteigern? Komme ich ins Gefängnis? (Ach nee, das wäre ja teurer für die Entlasterparteiabsichten)

  7. Stimme dir zu, das ist überhaupt nicht asozial, im Gegenteil. Ich habe auch schon einige sehr liebe Menschen übers Netz (Chat + Blog + Twitter) kennengelernt. Einige hab ich dann auch schon „real“ getroffen und da hat man gemerkt, dass es auch so super geklappt hat, sicher auch, weil man einige ähnliche Interessen hat.

    Klar, man kann nicht sein komplettes Leben online leben, aber es ist eben eine einfache, angenehme Zerstreuung, einfach mal kurz bei Twitter oder etwas im Blog zu schreiben. Daran finde ich nichts verwerflich.

  8. @Konna:
    Sehe ich auch so.
    Auch wenn ich mir nicht die gesamte Blogospähre zum Kaffee einladen würde ;-) , aber interessant ist es bestimmt, wenn man sich im real life mal kennenlernt, weil man ja doch schon so einiges voneinander weiß.

    @Blinkfeuer:
    Ich habe noch nie etwas ersteigert, ich halte einfach den verdammten Druck nicht aus!

    Aber CHEFsessel? Ist das nicht bereits eine Art Subordinationsverletzung? *grübel*

  9. Ich verstehe auch nicht, warum manche Menschen immer gleich so extrem reagieren müssen. Ich selbst bin eher ein Twitter-Wenig-User, aber das, was ich immer wieder höre, nämlich, dass nur Belanglosigkeiten à la „Ich gehe jetzt ins Bett“ getwittert werden, ist ja nun nicht wahr… Ich denke da nur mal an die originellen Tweets vom Häkelschwein.
    Was für mich persönlich gar nichts ist, sind diese Facebook-/Xing-/sonstige Social Networks. Bei „Facebook“ war ich einige Monate, weil ein Bekannter immer so davon geschwärmt hat, aber mir wurde das zu zeitintensiv, auch mit dem „Adden“-Wünschen von anderen Leuten etc. Deswegen behaupte ich aber nicht, dass Facebook & Co. schlecht sind. Für den einen sind Foren das Ideale, für andere ein Blog, für manche alles durcheinander. :-) Jeder, wie er möchte. Man selbst muss ja nicht überall mitmischen.
    Und für reichlich frische Luft sorgen bei mir eh Hutze & Hursch.
    Blinkfeuer ist in der Tat sehr sozial. Ich werde demnächst dafür sorgen, dass Daggi gesunde Nordseeluft einatmet, damit sie für weitere Filmmeisterwerke fit sein wird.

  10. @Fellmonster:
    Stimmt, bei all diesen Social Networks verliert man auch schon mal schnell den Überblick. Deshalb bin ich außer bei Twitter nur bei Facebook angemeldet und mache da auch nicht alles mit.

    Es reicht, daß man sofort an FarmVille denkt, wenn man einen Baum voller Früchte sieht und dann „Click to harvest“ klicken möchte :-D !

    Ich bin auch in einigen Foren, aber da schaue ich längst nicht jeden Tag rein. Nur in einem bin ich so ein wenig „zuhause“, weil dort viele Leute sind mit den gleichen Macken und Problemen, das ist manchmal sehr beruhigend.

    Und frische Luft, ja, da sind Hutzen und Hursche prima, denn Kinder SOLLEN zwar täglich raus an die frische Luft, haben aber längst nicht immer Lust dazu. Sie müssen ja auch nicht dringend ihr Geschäft draußen erledigen…

    Ich finde es übrigens zutiefst sozial vom sozialen Blinkfeuer, daß er Daggi nicht nur Urlaub, sondern obendrein so einen richtigen Reizklima-Wellness-Urlaub ermöglicht…!
    Die Gute, sie hat es sich verdient!

  11. Du hast es ganz gut getroffen. Genau wie ein Blog ist Twitter die persönliche Spielwiese und man kann halt tun und lassen was man will. Die einen nutzen es nur im Freundeskreis, andere sammeln tausende Follower um Ihre Meinung zu verkünden. Niemand ist gezwungen mitzumachen oder zu followen.

  12. @Gilly:
    Genau, das finde ich ja auch gerade so genial, es gibt so viele Möglichkeiten… Und wenn Twitter nicht gerade jetzt im Moment total überlastet wär, hättest du jetzt noch einen Follower mehr…

    Na, ich versuch es nachher noch einmal! ;-)

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