Buchvorstellung I

Schon lange habe ich vor, hier ab und zu einmal eines meiner zahlreichen Bücher vorzustellen. Heute nun das erste Buch, in vollkommen unregelmäßigen sowie unvorhersehbaren Abständen werden dann weitere folgen…

Das Asperger-Syndrom (Alltag, Schule und Beruf)

ISBN 978-3-8370-2126-4, Paperback, 92 Seiten 6,70€

Die Autorin dieses kleinen Buches heißt Katja Carstensen, sie ist Mutter von 5 Kindern, schreibt und zeichnet mit Leidenschaft und unterhält mehrere Homepages. Sie selbst wurde mit dem Asperger Syndrom diagnostiziert. Dieses und das Leben damit bildet das Hauptthema ihrer Webseiten, aber auch ihrer Bücher, von denen ich bis jetzt 2 las. Eines dieser Bücher möchte ich nun also vorstellen.

Mittlerweile habe ich wohl mindestens 20 Bücher zum Thema Asperger Syndrom gelesen, darunter viele englischsprachige, da der deutsche Büchermarkt meist ein wenig „hinterherhinkt“. Von all diesen Büchern waren die meisten biographischer Art und einige populärwissenschaftliche  Sachbücher.

Warum nun gerade das Buch von Katja Carstensen? Einfach, weil es sich gut liest, weil es viele persönliche Erfahrungen der Autorin wiederspiegelt, weil es viele Dinge anspricht und ausspricht, die ich ohne weiteres „unterschreiben“ würde, und vielleicht auch, weil es nicht von einem großen Verlag vermarktet wird, sondern von Books on Demand.  In einem Forum bat Katja Carstensen außerdem um ein kurzes Feedback zu ihren Büchern, und da dachte ich: Wenn nicht hier, wo dann?

Und wer meine letzten Beiträge hier aufmerksam gelesen hat, dem ist nicht entgangen, daß auf Frau Magrats „Liste“ auch steht, daß sie irgendwann einmal ein Buch schreiben möchte…. Sollte das irgendwann tatsächlich eintreten, dann würde ich mich auch über ein Feedback freuen, welches über die herkömmliche Amazon-Rezension („Bäääh, voll flahc, ales voller Rächtschreibfeeler, so ein doofes Buch würde ich aba nich kaufen!“ ) hinausgeht.

Das Buch möchte kein Fachbuch sein, es setzt voraus, daß man sich mit dem Asperger Syndrom in seinen Grundzügen auskennt. Trotzdem verzichtet die Autorin nicht auf eine Einführung und die ein- oder andere nähere Erläuterung diesbezüglich und zeigt immer wieder auf, welche Verhaltensweisen, welche Besonderheiten auf das AS zurückzuführen sind.

Das Asperger Syndrom ist eine sogenannte Autismus-Spektrum-Störung. Der Alltag für Menschen mit AS, von denen sich viele gerne als „Aspies“ bezeichnen, steckt oft voller Hindernisse. Hier gibt das Buch wertvolle Hinweise und richtet sich damit auch speziell an Eltern, Angehörige und Freunde von Aspies, denn vieles hängt davon ab, ob und inwieweit das persönliche Umfeld über das AS informiert ist.

Wenn ich weiß, daß die Eigenarten und „Ticks“ meines Gegenüber durch das Asperger Syndrom bedingt und in diesem Zusammenhang also völlig „normal“ sind, kann ich ganz anders darauf eingehen bzw. damit umgehen.

Hierzu hat Katja Carstensen einige „Regeln“ für den Umgang mit Autisten aufgestellt, die helfen sollen, den Alltag und das Zusammenleben zu erleichtern:

Ein kurzer Auszug:

[…]

Helft uns euch besser zu verstehen – sagt was ihr meint.

Ironie und Wortspielereien sind zwar lustig – erklärt sie uns aber bitte, wenn wir sie nicht verstehen.

Nehmt unsere Wort so wie sie sind, wir meinen das was wir sagen und sind nicht in der Lage, Sätzen durch Mimik, Gestik und Tonfall eine andere Bedeutung zu geben – Ein Interpretationsversuch eurerseits führt nur zu unnötigen Missverständnissen.

Für euch mag es eine Geste der Freundlichkeit sein, sich zur Begrüßung und zum Abschied die Hand zu geben oder sich zu umarmen – für uns ist das schon ein Eindringen in die Privatsphäre, was wir höchstens unserer Familie und guten Freunden zugestehen (und das auch längst nicht immer). Respektiert das bitte.

Viele von uns sind berührungs- und  lärmempfindlich. Erspart uns nett gemeinte Tätscheleien und habt Verständnis, wenn wir uns bei zu heftiger Geräuschkulisse zurückziehen oder abschalten.

Im Interesse unserer Mitmenschen sollte jeder Autist ein „BITTE NICHT STÖREN“ -Schild aufstellen, wenn er mit seinen Spezialinteressen beschäftigt ist. Eine Störung von außen kann heftige Reaktionen zur Folge haben, stört also bitte vorsichtig und nur, wenn es sein muss.

[…]

Diese Regeln sind sowohl für Erwachsene als auch Kinder sinnvoll.

Die Autorin geht auch auf die Probleme der Erkennung von Distanz und Nähe ein sowie auf die daraus resultierenden Gefahren. Sie macht deutlich, daß gerade Kinder und Jugendliche (aber auch noch Erwachsene) mit psychischen und emotionalen Einschränkungen (wie eben beim Asperger Syndrom, aber auch ADS/ADHS) durch ihre andere Form der Wahrnehmung im kommunikativen Bereich und der sozialen Interaktion und dem dadurch häufig fehlenden adäquaten Umgang mit Distanz und Nähe einem stark erhöhten Risiko des körperlichen und emotionalen Missbrauchs durch Menschen in ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt sind.

Interessant fand ich den Abschnitt über die Möglichkeit des Einsatzes eines Schulbegleiters. Dies würde mit Sicherheit für viele Kinder eine gute Lösung darstellen. Allerdings vermute ich, daß nur einem Bruchteil der dahingehend gestellten Anträge überhaupt stattgegeben wird.

Desweiteren informiert sie recht ausführlich über den Nachteilsausgleich an Hochschulen sowie BaföG und Eingliederungshilfe.

Viel und durchaus kontrovers diskutiert wird die Frage, ob man seinen Arbeitgeber – bzw. potentiellen Arbeitgeber während des Bewerbungsgespräches  – über die bestehende Diagnose „Asperger Syndrom“ in Kenntnis setzen sollte. Hier zeigt sie auf, daß es bei weitem nicht nur Nachteile, sondern und vor allem auch viele Vorteile sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber gibt, sollte der Entschluß, es mitzuteilen, gefaßt worden sein.

Das Buch enthält außerdem den Text „Pappnasenkinder“, welcher nicht aus der Feder der Autorin floß, sowie das Kurzkonzept „Ich packs“ der Gruppe „Persönliche Zukunftsplanung für Menschen mit Autismus“ von Carsten Donath.

Abgerundet wird das kleine, aber feine Buch durch eine Liste wichtiger Adressen.

Mein Fazit:

Ein lesenswertes Buch, egal, ob man es als Elternteil /Freund /Kollege /Ehepartner eines Asperger Autisten, als Aspie, als Fachpersonal oder einfach nur als Interessierter liest.

Die Beispiele aus dem Leben der Autorin regen mitunter zum Schmunzeln, aber mehr noch zum Nachdenken an.

Dank der kurzen Einführung wird einem sicher auch als Neuling auf diesem Gebiet der Einstieg in die „Autismus-Problematik“ leichtgemacht.

Das Buch enthält einige Rechtschreibfehler, ich nehme an, daß dieser kleine Makel auf der Tatsache beruht, daß hier eben kein Verleger, Lektorat, Korrektorat etc. „dahinterstehen“.

Weitere Bücher der Autorin:

Das Asperger-Syndrom (Sexualität, Partnerschaft und Elternsein)

ISBN 978-3-8370-7768-1, Paperback, 80Seiten 6,10€

Unkraut in meinen Rosen (Roman)

ISBN 978-3-8370-8270-8, Paperback, 152 Seiten, 9,95 € (inkl. MwSt.)

…und noch mehr auf ihrer Webseite.

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Kleiner Hinweis:

Dies ist kein Werbetext oder ähnliches, ich schreibe dies freiwillig und unentgeltlich, einfach, weil ich das Buch mag.

Ich bin ganz bewußt nicht weiter auf das Asperger Syndrom eingegangen. Sollte es diesbezüglich Fragen oder Anregungen geben, kein Problem, einfach einen Kommentar schreiben.

Sowohl das vorgestellte Buch als auch meine Buchvorstellung hier erheben nicht den Anspruch der Allgemeingültigkeit. Daher gilt: Alle Angaben ohne Gewehr Gewähr, aber nach bestem Wissen und Gewissen. Und das ist doch schon was.

2 Antworten auf „Buchvorstellung I“

  1. So einen diverenzierten Kommentar wünscht sich wohl jeder Autor für sein Buch. Das Eingehen auf die einzelnen Punkte vermittelt dem Leser einen guten Einblick in das Buch. Ich möchte mich ganz herzlich dafür bedanken und würde mich sehr freuen, wenn ich den Kommentar- in Bezugnahme auf deine Website- auf meiner Website veröffentlichen dürfte.
    Mit freundlichen Grüßen
    Katja Carstensen

  2. @Chaoskatja:

    Vielen Dank für deinen Kommentar und herzlich willkommen hier auf meinem Blog!
    Selbstverständlich kannst du das gerne auf deiner Webseite veröffentlichen, ich freu mich drüber! :-)

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