Wie man wählt…

… darum soll es heute gehen.

Wir alle wissen ja, wir haben das Super-Wahl-Jahr. Eine Wahl jagt die nächste, manch ein Wähler hat die Qual der Wahl, somit wird die Wahl zur Qual, völlig wahllos wird wild gewählt, frei nach dem Motto: Wählst du mich, wähl ich dich. Oder so ähnlich.

Nun ist dies ja hier ein Bildungsportal, deshalb habe ich keine andere Wahl, als Sie auch über dieses Thema zu informieren.

Da Frau Magrat ja im sogenannten grünen Herzen Deutschlands wohnt („Wo bitte?“ – höre ich jetzt den einen oder die andere ausrufen. Herrschaften, das sollte aber langsam sitzen! Früher, damals, hieß ja dieser Teil hier ganz lapidar „Bezirk Erfurt“. Fertig. ), jedenfalls wohne ich hier und habe somit erst vor wenigen Wochen gewählt.

Damals geschah folgendes: Um Ihnen, meinen verehrten Lesern, diese Wahl quasi hautnah zu vermitteln, zog ich inmitten der Wahlkabine mein Handy aus der Tasche. Ich zitterte innerlich. War es erlaubt, war es überhaupt legal, in der Wahlkabine zu photographieren? Wurde nicht dadurch das Wahlgeheimnis verletzt? Würde nicht durch diesen an sich wahrhaft heroischen, wenn nicht sogar pathetischen, Akt einer Lichtbildaufnahme die komplette Wahl ungültig? Schrie es nicht laut aus meiner ach so stillen Wahlkabine „Ungültig! Wahlbetrug!“ oder so etwas? Ich war fix und fertig. Ein ähnliches Gefühl hatte ich nur damals, in der Schule, bei meinem einzigen, von vornherein zum Scheitern verurteilten, Versuch, heimlich die Geographie-Hausaufgaben zu Beginn der Stunde von einer Schulfreundin abzuschreiben.

Doch ich war mir meines Auftrages bewußt. „Du hast ein Bildungsportal, denk an die Leser, denk an deine Pflicht…“ murmelte ich leise vor mich hin. Da war es also. Mein Handy. Mit der 5 Megapixel-auflösenden Kamera und der Carl-Zeiss-Optik. Ich nahm all meinen Mut zusammen und … drückte ab. Also den Auslöser. Es mußte einfach jeder gehört haben, dieses Auslöse-Geräusch, etwa so: “ ffffnnrrrrsuuuurschnappp“.

Es war vollbracht! In Windeseile schob ich es zu, versteckte es in den Tiefen meiner Jackentasche. Ich hatte es wirklich getan. Stolz erhobenen Hauptes schritt ich an den Herren und Damen unfreiwilligen Wahlhelfern (das macht doch keiner freiwillig, gell?) vorbei, zur Tür hinaus. Draußen, in Sicherheit, riß ich das Handy heraus, um DAS BILD sofort hochzuladen und zu veröffentlichen.

Doch was war das?

Es war nicht da. Wieder einmal hatte mir mein schlechtes Gewissen, die aufsteigende Panik, einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Schließen Sie niemals alle Programme, schieben Sie nie Ihr Handy einfach zu, wenn das Bild NOCH NICHT GESPEICHERT ist!

Ich war am Boden zerstört. „Ich Rind!“ – rief ich ein um das andere Mal aus. Doch es war zu spät.

Dieses schreckliche Ereignis suchte mich unlängst sogar in einem meiner Träume heim. Wieder war ich in der Wahlkabine, doch diesmal war es die große, die richtig wichtige Wahl, die uns ja noch bevorsteht! Im Traum war sie mit einer kleinen Kommunalwahl verbunden, und ich vergaß, meine Kreuzchen für die Bundestagswahl zu machen! Aaargh! Stattdessen hatte ich nur den neuen kommunalen Hausmeister und seine Vertretung gewählt, dabei liegt diese Wahl ja schon hinter uns…!

Wie Sie sehen, nimmt mich das ziemlich mit. Doch auch positive Ereignisse sind zu vermelden:

Vor einigen Tagen ist er ja nun endlich zurückgetreten.Waren meine guten Ratschläge also nicht umsonst! Ich sag noch zu ihm: „Mensch Dieter altes Haus…!“ – sag ich. „Ich mache mir echt Sorgen um deinen Geisteszustand Gesundheitszustand! Kuck mal, so ein bisschen Psychotherapie hat noch keinem geschadet!“ – sag ich. Das hat er ja dann auch endlich eingesehn. „Frau Magrat, recht hattest du, die ganz große Politik, das ist einfach nix für jemanden, der ROT von BLAU nicht unterscheiden kann, bla bla…“

Naja, da kann man ja reden…

So Herrschaften, die Stunde ist bald rum… was wollten wir denn heute noch durchnehmen… ah ja, ich hab’s.

Thema „Wahl-O-Mat“.

Unbedingt mal ausprobieren. Erstaunlich. Plötzlich kennt man seine eigene politische Gesinnung und man weiß, ob man in den letzten Jahren seine Kreuzchen an der richtigen Stelle gemacht hat.

Aber das soll hier keine Schleichwerbung sein, deshalb erwähne ich auch noch:

Queer-o-mat

Web-o-mat

Rotsch-o-mat

Auch hier dürfte für jeden etwas dabei sein!

So, wir sind am Ende (der Stunde) und ich kann nur noch einmal deutlich sagen:

Gehnse wähln! Wer nicht wählt, ist feige und darf nachher nicht mitmeckern!

4 Antworten auf „Wie man wählt…“

  1. Ha! Damit solche kleinen Fotopatzer dem Wahlprofi, wie Dingens es einer ist, gar nicht erst passieren, mache ich mir die Staatsdiener Untertan, fordere per sog. E-Mail die Unterlagen an (EU- Wahl= 1m Zettel, den bekommt man doch gar nicht mehr in den Umschlag, in der Enge der Kabine>>ungültig, aber nicht mit mir!!hoho) arbeite die sorgsam ab, frage die Wahlgeschenke ab und treffe dann meine supi- souveräne Entscheidung!
    Tja, wie modern ist das denn?

  2. @Blinkfeuer: Es ist – wie sagt man – HOCHmodern, ja ich möchte fast behaupten, man hat gar keine Wahl, es ist ULTRAmodern. Atemberaubend modern – jetzt hab ichs… per eMail, daß ich DARAUF noch nicht gekommen bin!
    Wo ich meine eigene Verwandtschaft am liebsten per eMail kontaktiere (und die meisten nicht mal einen Rechner haben…)!

    Bombastisch… muß ich jetzt mal in Ruhe drüber nachdenken…

  3. Die Wahl-O-Mate sind schon nicht schlecht, aber wenn man überhaupt keine Meinung zu den Parteien hat, sollte man lieber mehrere Wahlomat-Durchläufe bei verschiedenen Wahl-O-Maten machen. Einem Kollegen wurde nämlich mal die NPD vorgeschlagen, obwohl das ganz und gar nicht seine Meinung wiederspiegelt…

  4. Oh bitter! Die NPD? Entweder schnell den Wahl-O-Maten wechseln oder einen spontanen Gesinnungswandel einsetzen lassen!

    So weit sollte es jedenfalls nicht kommen! Nur gut, daß das W.-O.-M.-Ergebnis nicht bereits als Stimmabgabe zählt, wobei das eigentlich gar keine so schlechte Idee ist, wenn ich jetzt so drüber nachdenke *grübel* …

    Es wäre die Erschaffung der von mir sehr befürworteten Online-Wahl!

    Klicken statt Kreuzen! Na bitte!

    Werde das gleich mal weiterleiten…

Kommentare sind geschlossen.