Farbenblind

Ich mache mir Gedanken. Wenn nicht sogar… Sorgen. Frau Magrat ist ja bekanntlich ein sehr… visueller…Mensch. Kann man das so schreiben? Ja, offensichtlich, steht ja jetzt da. Wie muß man sich das nun vorstellen? Ich hab es ja vielleicht (bestimmt!) schon einmal hier oder da erwähnt: Was auch immer mir jemand erzählt, was auch immer ich höre oder eben auch denke – ich stelle es mir sofort und unwillkürlich bildlich vor.

Das ist meist vorteilhaft, erweist sich aber manchmal auch als Nachteil. Doch dazu vielleicht einmal später.

Farben. Im – halten Sie sich fest! – SUPER-Wahljahr. Nun sind ja seit Menschengedenken bestimmte Farben untrennbar (sollte man meinen) mit bestimmten Parteien verbunden. Man sah etwas in bestimmter Farbe und wußte gleich: AHA – weg damit, ab in die braune Tonne. Zum Beispiel.

Doch in den letzten Wochen fällt mir immer mehr folgendes auf: Auf dieses Prinzip ist kein Verlaß mehr!

Da flattert doch erst heute früh ein knallroter Zettel in den Briefkasten. Nun ja, ich will hier nicht für irgendwen Partei ergreifen (Obacht! Wortspiel!) , aber als mir mein lieber Mann diesen extrem-ROTen Zettel überreichte, fiel mir sofort sein angewidertes Gesicht auf. Obendrein hielt er den Zettel – in Ermangelung einer Kneifzange – zwischen den Fingerspitzen, als hätte er am Ende der Sommerferien im Schulranzen unseres Kindes eine nicht ganz leer gegessene Brotbüchse entdeckt. Was war da los? Ich ergriff den Zettel mutig mit der linken Hand, um dann sofort einen Schrei der Empörung auszustoßen. In etwas so: „Uuhäääährrrrrgghs!“ – Nee, klingt nicht nach Empörung,…egal.

Anderes Beispiel: SCHWARZ. Eigentlich ja meine Lieblingsfarbe. Haben Sie sich vielleicht ja schon gedacht. Doch die Partei, die man so landläufig mit Schwarz verbindet, publiziert vor nur wenigen Tagen eine GRÜNEe Zeitschrift mit dem tollen Titel „Tolles Thüringen“. Auf den ersten Blick dachte ich, ich hätte versehentlich einen neuen Garten-Katalog bestellt! Weit gefehlt…

Und so geht das weiter. Dabei ist doch so ein Farb-Code gar nicht verkehrt? Ein Blick genügt, und schon weiß man, wie man was ein- oder wegzusortieren hat. Doch bei vielen Wahlplakaten, die derzeit draußen hängen, sieht man nicht mal auf den zweiten Blick, um wen es sich hier dreht. Die Gesichter kann ich mir sowieso kaum merken, warum also nicht einfach ein Plakat mit nix weiter als dem Parteienkürzel aufhängen?Dann hätte man es schwarz auf weiß vor sich.. Ach geht nicht, Schwarz ist ja schon belegt, na dann vielleicht Chicheringrün? Nee. Ist ja grün.

Ähm… Heidelbeersahnejoghurtfarben geht aber! Hatte früher die Tapete meines Kinderzimmers, selbstgemischt (nicht die Tapete, die Farbe!), aber ich verzichte auf alle Rechte daran, bin ja kein Unmensch…Das wär schon fast VIOLETT, sagen Sie? Mist. Aber BLAU geht auch nicht mehr, dann vielleicht ein feuriges Steingrau? Wie? Ach hören Sie auf, ja, ich weiß die GRAUen… Hoooch…

Dann eben…Wollweiß. Auf WEISSem Grund. Das geht.

Das Wahlplakat
Das Wahlplakat

(Der leichte Schlagschatten dient als dezenter Hinweis auf meine immense Kreativität. Danke.)

So. Plakate hätten wir. Dann zählen wir einfach, von welcher Partei die meisten Plakate hängen… neee, geht ja nicht. Die Großen, Reichen, die mit den Lottomitteln und Spendengeldern, die wären ja dann klar im Vorteil… Also anders.

Wir bewerten das am schönsten verzierte (No-name-Filzstift, mit leicht angetrockneter Spitze aufgrund fehlender Kappe, hat jeder, zur Not schauen Sie mal in den Schulranzen ihres Kindes, Chancengleichheit und so…) Plakat und die darauf beworbene Partei gewinnt standrechtlich alle Wahlen. Nee.

Oder wie früher? „Wählt die Kandidaten der Nationalen Front?“ Das konnte auch nicht überzeugen…

Wissen Sie was, ich weiß es nicht. Partei hin – Farbe her, Plakat oder Lotto, dies oder das…. Aber das ist ja hier ein Bildungsportal, ich kann das nur immer wieder betonen, und deswegen schauen Sie doch auch hier noch einmal… Ich frage Sie dann ab.

2 Antworten auf „Farbenblind“

  1. Ui, jetzt hab ich fast gedacht, du hättest wirklich eine Farbenblindheit ^^

    Das mit den verwirrenden Wahlplakaten ist aber wahr: Die Botschaften darauf lassen nicht mehr auf eine eindeutige Partei schließen. Da schreibt zum Beispiel eine NPD von „Touristen sind geduldet“ und eine CDU von „mehr Bürgerrechte“ usw…

    Da wird man doch wirr. Ich wähle nur Parteien, die keine penetrante Werbung machen :)

    Arrrr ;)

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