Hochstaplerin

Als ob ich es nicht immer geahnt hätte: Unsere Tochter ist eine Hochstaplerin. Das ist für eine Mutter natürlich erstmal ein Schock. Zumal dann, wenn die Mutter „Frau Magrat“ heißt.

Ach, Sie dachten, es ginge um mich? Grad im Moment haben Sie noch laut ausgerufen: „HAHAAA! Ich hab es doch schon IMMER gewußt, daß diese Frau Magrat eine Hochstaplerin ist!“ Doch  nein. Nein, um mich geht es hier nicht, ich meine, ich bin TATSÄCHLICH Ministerin für Puschelstrickdinge! Und ja, ich nähe meinen Möchtegern-Selbstnäh-Fleece-Frosch noch fertig, bestimmt!

Zurück also nun zu unserem Tochterkind. Da ist man all die Jahre fest davon überzeugt, daß das eigene Kind einmal in die ungeschickten Fußstapfen ihrer Mutter treten würde. Daß sie sich „Sport ist Mord!“ auf ihre sprichwörtliche Fahne geschrieben hat. Schon war man bereit, ihr kleine Atteste wegen Unpäßlichkeit auszustellen, um sie vom verhaßten Sportunterricht befreien zu können. Milde lächelnd quittierte man kleine Ausrutscher, Stolperer und mädchenhaft geworfene Bälle. Und dann DAS!

Da steigt dieses Kind zum ersten Mal in ihrem Leben auf 14 (!)  quasi währenddessen übereinandergestapelte (aus unerfindlichem Grund übereinandergestapelt, da oben war nämlich gar nix…) Kisten.

Ich bin unheimlich stolz. Aber ganz ehrlich, hier wurde ein Weltbild zerstört. Nämlich meins. Und zwar das von der „Ererbten Unsportlichkeit“. Schon höre ich wieder meinen Sportlehrer verzweifelt rufen „Zieh durch, Frau Magrat! Du schaffst es! Tschakka!“ Nee, das mit dem „Tschakka“ war ein anderer… Egal.

Das verstehe wer will.