Alle weg…

…jedenfalls im Moment. Unsere Kinder. Gestern ging ja bei uns die Schule wieder los, doch diesmal war  alles anders: Neue Schule, neue Schulkameraden, neue Lehrer… alles NEU.

Gestern morgen war die feierliche Begrüßung, in der Aula, in der ich früher mit meiner Theatergruppe immer geprobt habe – DAMALS…

Nach einer feierlichen Nicht-Rede des Direktors (welcher gleichzeitig auch mein ehemaliger Mathe- und Physiklehrer ist), wurde ein schnurriges Theaterstück aufgeführt (das Wort „schnurrig“ steht auf einer meiner Wortlisten und kommt unter anderem in dem alten DEFA-Märchen „Der kleine Muck“ vor, aber das nur nebenbei), in welchem ein gelangweilter Zeus ein EXPERTE werden möchte und darum seinen Götterboten HERMES losschickt, um Informationen zu sammeln. Dieser hü-hüpfte mit einem fröhlichen „Palimm-Palimm!“ hüpfend durch die durchhüpften Scharen aufgeregt sitzender Eltern frischgebackener Gymnasiasten, hinein in ein virtuelles Lehrerzimmer, welches die personifizierten Klischees aller Deutsch- , Geographie- , Sport- und EnglischlehrerInnen beherbergte, diese wiederum laut streitend über die Ach-so-große-Wichtigkeit des jeweils eigenen Faches – real life like. Die Moral von der Geschicht: Zeus geht für 8 Jahre aufs Gymnasium ODER „Alle Fächer sind wichtig“. Na bitte.

Irgendein Handy klingelte während der Aufführung immer wieder einmal leise vor sich hin. Es klang wie meins, wenn es mich an etwas Wichtiges erinnern will, aber auch beim dritten Mal Herauskramen gab meins keinen Mucks von sich… Daß manche Leute nie diese nervigen Dinger abschalten können!

Zwischendurch kam unser liebes großes Tochterkind wutentbrannt auf uns zugeeilt, nur, um uns ihren niegelnagelneuen (Was sind eigentlich „Niegel“? Oder heißt es „Nigel“? Ich glaube, es sind kleine, dunkelrunde Schnalpfe…?) Schulrucksack buchstäblich vor die Füße zu werfen. Was war da los? Entgeistert schauten mein lieber Mann und ich uns ein wenig an. Aber nur ein wenig, denn wir sind schon etwas abgestumpft, was solche Aktionen unserer Kinder betrifft.

Als nach einer Weile wieder dieses nervige Handy klingelte, begriffen wir plötzlich, warum unsere Große so aufgebracht war: Das Klingeln kam die ganze Zeit aus IHREM Rucksack. Frau Magrat hat nämlich großzügigerweise ihr gutes altes Nokia ihrem lieben Töchterlein „vermacht“ (Was für ein blödes Wort, finden Sie nicht?) und dieses, ganz tapfer, versuchte nun die ganze Zeit durch ein nettes Klingeln an einen wichtigen Termin zu erinnern, den ich da irgendwann einmal eingestellt hatte: Auf dem Display stand ganz deutlich: Heute großes Kind 8. Geburtstag. Nun ja, tatsächlich wurde unsere Große gestern aber schon 11…

Der stellvertretende Direktor hatte das ständige Klingeln übrigens für einen „special effect“ für den Hermes-Auftritt gehalten. Na bitte.

Dann wurden die lieben Kleinen auf ihre Klassen verteilt und sahen nun auch zum ersten Mal ihre Klassenleiterinnen. Nun denn.

Danach verschwanden alle im Klassenzimmer, wir standen – ganz allein – vor der Tür und … gingen dann heim. Um dort erst einmal in aller Ruhe zu frühstücken.

Und ruhig ist es ja jetzt. Zumal unser Jüngster nun seit Anfang dieser Woche kein Mittagskind mehr ist, sondern – neuerdings in derselben Gruppe wie sein großer Bruder – jeden Tag brav seinen Mittagsschlaf im Kindergarten macht. Das hat alles viel besser geklappt als gedacht. Man macht sich einfach viel zu viele Gedanken. Okay – ICH. Ich mach mir viel zu viele Gedanken. Als alter Zweck-Pessimist malt sich Frau Magrat teils abenteuerliche, teils absurde Szenarien aus. Auch für solche Gelegenheiten.

Nun sind sie also – zumindest für einige Stunden – alle weg.

Und nu?