Leichte Panik auf Kreidefelsen…

… na das kommt schon mal vor. Jedenfalls bei Frau Magrat. Gelegentlich. Wie bereits angedroht versprochen: hier ein weiterer Bericht aus dem Urlaub. Aber lesen Sie selbst:

Da wir seit einigen Jahren unsere Urlaubstage mit schöner Regelmäßigkeit nicht nur an der Ostsee, sondern obendrein auf Rügen verbringen, haben wir mittlerweile so einige der obligatorischen Ausflugsziele „abgehakt“. Manche sind… nicht so umwerfend, da lohnt kein zweiter Besuch. Andere hingegen haben es uns angetan, sie sind quasi „Pflicht“. Dazu gehört ganz klar der „Königsstuhl“ bei Saßnitz.

„Kreidefelsen und Meer, urtümliche Rotbuchenwälder, Wiesen, Moore und eine Fülle der verschiedensten Lebewesen – all das macht den Reiz von Deutschlands kleinstem Nationalpark aus.“

So ist es auf der Webseite zu lesen.

Nachdem wir bereits letztes Jahr dort waren und es ganz toll fanden, war schnell klar, daß wir auch dieses Jahr hinfahren würden.

Unser Navi leitete uns zielsicher über einen holperigen Weg, auf dem zum letzten Mal wahrscheinlich noch Kutschen fuhren, bis kurz vor den Königsstuhl und dann gleich wieder zurück nach Saßnitz, weil Frau Magrat mal wieder Nonsens eingegeben hatte. Egal. Irgendwann waren wir dann dort angekommen. Ein drei Kilometer langer Fußmarsch stand uns nun bevor, schließlich fährt man in einem Nationalpark nicht jeden Meter durch den Wald. In weiser Voraussicht hatten wir diesmal unseren Watchtower(Also unsere Kindertrage, oder wie nennt man das?) mitgenommen, um den König unseren Jüngsten halbwegs bequem tragen zu können.

Es war ein heißer, sonniger Tag, der Weg durch den Buchenwald aber, ständig im Schatten und entlang kleiner Teiche und Seen, war wunderschön. Überall gab es tolle Motive, die nach einer ständig schußbereiten Kamera schrieen: Baumpilze und Flechten, obskure Wurzeln und knorrige Äste, völlig mit Wasserlinsen bedeckte froschbewohnte Tümpel und mit Gräsern bewachsene Baumstümpfe, deren an Mangroven erinnernde Wurzeln ins klare Wasser ragten.

Irgendwann dann endlich angekommen wurde erst einmal der Spielplatz inspiziert. Frau Magrat ist ja sonst nicht so der Freund von Spielplätzen, aber wenn er nicht zu überfüllt ist und nur einige wenige erschöpfte Eltern am Rande sitzen und man es sich obendrein im Schatten, bei einigen Eis-Pralinen, ein wenig gemütlich machen kann – dann, aber nur dann, ist es auszuhalten.

Kurz bevor wir aufbrechen, um das Nationalpark-Zentrum zu besuchen, zweifle ich plötzlich an meinem klaren Verstand: Wo eben noch unser Jüngster gutgelaunt über die Wiese schlich, ist nun … eine … Pfütze. Bei 27°C im Schatten und einigen Tagen ohne Regen ist das … erstaunlich. Da sehe ich auf einmal, daß es immer mehr Wasser wird, und als aus der vermeintlichen Pfütze schließlich ein kleines Rinnsal wird… Ich grübele noch immer, doch nachdem wir irgendwann auch die Toiletten aufsuchen mußten und dort ein kleines Hinweisschild fanden, wurde es klarer. Prima – ich bin nicht verrückt, das ganze hat sogar eine logische Erklärung: es mußte  sich um einen Teil der Pflanzenkläranlage handeln! Daß hier außerdem Vakuumtoiletten zum Einsatz kommen, ließ mich aufgrund des plötzlichen Absauggeräusches (etwa so: „Pfflllörrrrrgggrrrhhummmp!!!“ ) ein wenig schreckhaft zusammenzucken, aber so einen kurzen Aussetzer des Herzschlags nimmt man ja gerne in Kauf, wenn es der Umwelt dient. Ernsthaft.

Später las ich dann:

„Das Pflanzenbeet ist primär mit Schilf bepflanzt und enthält dekorative Sekundärbepflanzung. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sichern die Qualität.“

„Nach Benutzung wird die Spülung aktiviert, das Absaugventil öffnet und befördert den Inhalt in die Vakuumanlage.“

Na bitte.

Weitere Informationen gibt es hier: www.koenigsstuhl.com/wasserkreislauf

Nun aber endlich zum eigentlichen Besuch im Nationalpark-Zentrum. Da gibt es nämlich ganz viel zu Entdecken. Wie auch schon letztes Jahr sollte es die Erlebnisausstellung sein. Da unser Jüngster letztes Jahr noch zu lütt dafür war, hatte ich mit ihm solange draußen gesessen, gespielt, waren wir ein wenig herumgegeistert, während mein lieber Mann und unsere beiden „Großen“ sich die Ausstellung anschauten.

Diesmal aber wollten wir alle gemeinsam hinein. Mittels Kopfhörer-System erlebt hier jeder seine „eigene“ Ausstellung. Man kann aus 4 Themen eines aussuchen: Abenteuer, Schönheit, Neugier und eins speziell für Kinder. So sehen alle dieselbe Ausstellung, hören aber nicht unbedingt Dasselbe.

So weit –  so gut.

Als es dann aber losging, geschah folgendes: Nachdem wir, zusammen mit einer begrenzten Menge an Leuten, hereingelassen worden waren, schloß sich die Tür. Nun sollten wir erst einmal Platz nehmen. Nach einer kurzen Einweisung wählte man sein Wunsch-Thema aus und erhielt den entsprechenden Player zum Umhängen und seinen Kopfhörer. Als es dann weiterging, in einen kleinen Raum, um zu testen, ob alles funktionierte, geriet Frau Magrat in einen Overload. Der enge Raum, die (fremden) Menschen, das Halbdunkel, die Kopfhörer (die wer-weiß-wieviele Leute schon aufhatten, Brrrr!), die plötzlichen Stimmen und die Musik im Ohr – das war zuviel. Schnell riss ich die Kopfhörer wieder herunter. Herzklopfen, Schwitzen – na das ging ja gut los. Dann ging es in einen Fahrstuhl, dieser sollte eine Art Zeitreise simulieren. Glücklicherweise blieb mein Player diesmal aus, da ich „versäumt“ hatte, ihn zu aktivieren. So hörte ich nur das leise Durcheinander-Gebrabbel all der anderen.

Die Ausstellung an sich ist wirklich sehenswert. Und wären da nicht all die anderen Leute, und hätte man genug Zeit (und ich meine wirklich „genug“) und verzichtet man – in meinem Fall – auf die Kopfhörer, dann ist es die beste Ausstellung ihrer Art, die ich je besucht habe. Leider kann man aber nicht allein und in aller Seelenruhe hindurchspazieren, wenn man nebenbei seine Kinder im Auge behalten muß, wenn irgendwann schon wieder die nächsten Leute nachrücken, wenn eigentlich überhaupt alles voller Leute ist und man kaum irgendwo in Ruhe schauen, anfassen, ausprobieren kann, ohne von irgendwem angerempelt oder versehentlich berührt zu werden. Wenn man dann zu dieser Masse an visuellen auch noch mit auditiven Reizen überladen wird und damit nicht so gut umgehen kann und vielleicht gleichzeitig noch versucht, alle Informationen zu lesen, zu erfassen und sich das ein oder andere zu merken – dann wird es irgendwann zuviel.

Das nächste Mal also lieber wieder ohne mich. Oder nachts, allein, wobei das wahrscheinlich furchtbar schaurig wäre…

Und nun… noch ein paar Bilder: