Extreme Wartezimmering… yeaah!

Heute hätte ja eigentlich der erste Kindergartentag unseres Jüngsten sein sollen. Wie gesagt: hätte. Hätte hätte Fahrradkette, wie B. Stromberg einmal sagte. Denn wie jeder weiß, man benötigt eine Art Musterungsschreiben vom Kinderarzt, damit man kein hochgradig verseuchtes Kind in der Kita abgibt. Dieses Schreiben wiederum darf nicht älter als 5 (in Worten: fünf) Tage alt sein, wenn man das Kind zum ersten Mal hinbringt. Da wir aber alle wissen, daß Zeit unterschiedlich schnell vergeht, nämlich in direkter Abhängigkeit von der Bewegung des Betrachters, und damit also relativ ist, geschah es, daß heute zwar schon der 2. Juni ist, für Frau Magrat aber noch immer Mitte Mai, etwa. Also noch genug Zeit. Denkste. Nun sind die tatsächlich meßbaren Zeit-Differenzen doch geringer als man meinen könnte. Somit habe ich es einfach verpaßt, rechtzeitig einen Termin beim Kinderarzt zu vereinbaren. Die Freudianer unter Ihnen dürfen auch gerne annehmen, daß ich es klassisch verdrängt habe, um so noch einen Tag zu gewinnen. Wie auch immer.

So kam es jedenfalls, daß ich heute, nach einem Anruf in der Kinderarztpraxis unseres Vertrauens, völlig kopf- und nahezu terminlos mit meinem jüngsten Kind das Wartezimmer betrat. Darinnen – wie kann es anders sein – andere Kinder. In Begleitung ihrer pädagogischen Eltern bzw. Großeltern. Mein lieber Sohn, unausgeschlafen, da erst Mitternacht eingeschlafen, gebärdet sich wie ein junger Berserker, wobei ich sicher bin, daß mit dieser Bezeichnung den mittelalterlichen, im Rausch kämpfenden, kampfschreiausstoßenden Kriegern Unrecht getan wird.

Muß auch dieses AK, dieser Oskar Matzerath-Verschnitt, dieses Kind gegen sein Müllauto treten? Liebevoll toleriert von seiner pädagogisch geschulten, hochschwangeren Mutter? Muß dieser Junge dann auch noch einen Vortrag halten? „Das Spielzeug gehört dir nicht, das gehört der Tante Doktor!“

Hah! Da war es! „Tante Doktor“ hat er gesagt! Ich hasse es so! Die furchtbare Diabetologin unserer Großen verlangte diese Anrede immer von ihren kleinen Patienten! Aber gut, das konnte er wohl nicht wissen…

Ich hatte mir, optimistisch, wie ich manchmal bin, extra mein neues Buch eingepackt:

„So baut man eine Zeitmaschine: Eine Gebrauchsanweisung“

Über die ersten zwei Seiten aber kam ich nicht hinaus, da ich pausenlos unhygienisches Plastespielzeug aus den Klauen Händen meines Jüngsten befreien mußte, welches dieser gerade im Begriff war, anderen Leuten zu entreißen. „Sie hat wohl Fieber?“ erkundigte sich eine Mutter. „Nein. Er … ist nur ein wenig… unausgeschlafen.“

Beim nächsten Mal also lieber umgekehrt, nämlich wie mein lieber Mann mir vorschlug: Erst die Zeitmaschine bauen, dann zum Kinderarzt.

Wie auch immer. Es war alles in Ordnung, Kind ist gesund. Und das ist ja die Hauptsache.

Allerdings waren wir zu früh fertig. „Wie?! Zu früh?! Geht das denn überhaupt?“ – höre ich Sie jetzt wieder heimlich ausrufen. Nun ja, es geht. Wenn man nämlich erst eine Stunde später abgeholt wird, da uns mein lieber Mann auf dem Weg zur Arbeit nur schnell beim Kinderarzt abgesetzt hatte. Was macht man in dieser Zeit mit einem Dreijährigen, der jetzt übrigens wieder ganz zahm und sehr possierlich anzusehen war? Richtig. Man geht schon mal los. Vage in die Richtung, aus der irgendwann der liebe Papa auftauchen wird. Immer entlang der Straße und vorbei an unzähligen Straßenbahnen, in die man natürlich nie einsteigen würde, weil einen das vollkommen überfordert. Wo steigt man ein, wo wieder aus? Woher bekommt man eine Fahrkarte? Was um alles in der Welt kostet so etwas? Was ist, wenn ich umsteigen muß? Fragen über Fragen. Außerdem sind öffentliche Verkehrsmittel vielleicht ökologisch, aber vorallem unhygienisch. Doch! Und seit Frau Magrat einen Führerschein ihr Eigen nennt, wird entweder gelaufen oder mit dem Auto gefahren. So isses.

Zwischendurch rasteten wir ein wenig abseits auf einer vogelbekackten Parkbank. Und es ist absolut erstaunlich, wieviele ältere Herren scheinbar völlig zweckfrei alleine mit umherschweifenden Blicken durch Parks flanieren! Fehlt nur noch der Beutel mit den Keksen…

Dann endlich. Endlich. Sammelte uns mein lieber Mann auf, da waren wir genau eine Stunde unterwegs. Das nächste Mal also lieber umgekehrt…

2 Antworten auf „Extreme Wartezimmering… yeaah!“

  1. Dann drück ich mal die Daumen, dass euer Filius sich im Wartezimmer nichts eingefangen hat… ich glaube ja, dass es nirgendwo mehr „Krank-werde-Potential“ gibt als in Ärzte-Wartezimmern, wo die ganzen kranken Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht schön ihre Bazillen austauschen können, ob sie wollen oder nicht ;)

  2. Danke für’s Daumendrücken, leider krächzt er tatsächlich schon bedenklich… Ich hoffe, daß wenn überhaupt alle JETZT krank werden hier, damit wir danach ungehindert in den Urlaub fahren können. Na – mal abwarten.

    Arzt-Wartezimmer. Igitt. Zumal Kinderarzt. Wo sich alle, ob Schnupfen, Durchfall oder nässender Ausschlag, um das Spielzeug kloppen. Bääääh!

Kommentare sind geschlossen.