Commentariophobie*…

Da schrieb doch vor einigen Tagen der Sascha in seinem Blog gesichtet.net über ein Erlebnis, welches auf der Arachnophobie seiner Freundin beruhte. Nun ist ja die Angst vor Spinnen quasi ein „alter Hut“ und vielen, nicht nur dem weiblichen Geschlecht angehörenden, Menschen bekannt.

Als eifrig bemühter Kommentator gab auch Frau Magrat ihren Senf dazu, denn mir war eingefallen, daß ich noch nie von einer panischen Angst vor Kellerasseln, welche sich unserer Tochter bereits vor einiger Zeit bemächtigte, gehört, geschweige denn den lateinischen (oder eher lateinisierten) Terminus dafür gelesen hatte.

Flugs war da ein neues Wort geboren, welches so wohlklingend ist, daß es kaum den dahinter stehenden Begriff vermuten ließe: Porcelliophobie.

Wie groß aber war nun meine Überraschung, als ich die Phobienliste zu Rate zog und auch hier mein wunderbares neues Wort nicht fand! Selbst Google bringt lediglich zwei Einträge, in denen jedoch auch nur Fragmente meines Wortes zu lesen waren.

Porcelliophobie! Wie das klingt! Ein schönes Wort…

Naürlich ist es weit weniger schön, an einer solchen Phobie, einer solchen Angst, zu leiden. Ganz gleich, welcher Art, als Phobiker weiß ich natürlich, was es bedeutet, sich mit dem Objekt seiner Phobie konfrontiert zu sehen. Panik befällt einen, es kommt zu Herzjagen, Schweißausbrüchen, Muskelkrämpfen…

Meine Spinnenangst schwächte sich ein wenig ab, als unsere Große ihre „Reptilien und Geziefer“ – Phase hatte. Da war sie etwa drei bis vier, und eines Tages besuchten wir eine Exotenausstellung, bei der es unter anderem auch Vogelspinnen zu bestaunen gab. Als eine solche auf der kleinen Hand unseres Tochterkindes saß und wie zum Gruße eines ihrer behaarten und rotknie-igen Beine emporstreckte, wagte ich es, letzteres leicht zu berühren. Es war…seltsam.

Nun, eine dicke, schwarze Zimmerwinkelspinne läßt mich noch immer panisch reagieren, aber kleinere, die einem unvermittelt auf dem Balkon oder im Garten über den Weg laufen, lösen keine Angstattacken mehr aus.

Aber dann ist da ja immer noch die Angst vor Schmetterlingen. „Wie das?!“ – höre ich Sie da draußen jetzt ausrufen. Diese hübschen bunten Flatterdinger? Vor denen kann man doch keine Angst haben!

Kann man eben doch. Eigentlich nicht direkt vor dem Schmetterling oder Falter selbst, sondern vielmehr vor seiner Eigenschaft zu FLATTERN. Während unseres letzten Ostsee-Urlaubs wollte mich meine Familie überreden, mit ihnen gemeinsam das Schmetterling-Haus in Saßnitz auf Rügen zu besuchen. Man stelle sich das einmal vor! Ein handtellergroßer, seltener, schwierig nachzuziehender Schmetterling flatattert um eine panische, die Augen zukneifende Frau Magrat herum, um sich dann ruhig und seltsam anmutig auf ihr niederzulassen (so geschehen bei unserer Großen, die davon noch heute stolz berichtet), wozu es aber nicht käme, weil er vermutlich von unwillkürlich einsetzendem Um-sich-schlagen verletzt oder, einmal niedergelassen, durch wildes Herumfuchteln schlicht und ergreifend PLATT gehauen würde! Aller Tierliebhaberei zum Trotze! Es wäre eine REINE Affekthandlung! Nicht wieder gut zu machen, fürwahr, aber eben doch geschehen!

Dann schon lieber meine seit meiner frühen Kindheit vorhandene Climacophobie – die Angst vor Treppen, zu klettern, herunterzufallen. Dabei kommt wenigstens kein Tier zu schaden.

Zum Schluß noch meine „Lieblingsphobien“, wenn ich sie denn so nennen darf, mutig der Phobienliste entnommen:

  • Alektorophobie – Angst vor Hühnern
  • Alliumphobie – Angst vor Knoblauch
  • Allodoxaphobie – Angst vor einer Meinung
  • Anthrophobie / Anthophobie – Angst vor Blumen
  • Arachibutyrophobie – Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen klebenbleibt
  • Bargainophobie – Angst vor Ausverkäufen
  • Coulrophobie – Angst vor Clowns
  • Germanophobie – Angst vor Deutschland, seiner Kultur etc.
  • Paedophobie – Angst vor Kindern
  • Sinistrophobie – Angst vor Dingen auf der linken Seite, vor Linkshändern
  • Triskaidekaphobie – Angst vor der Zahl 13
  • Xanthophobie – Angst vor der Farbe Gelb
  • Zemmiphobia – Angst vor Nacktmullen

Und wie ist es bei Ihnen da draußen? Ängste? Phobien? Erzählen Sie doch mal, ja? Ich werde doch nicht die Einzige in der weiten Blogosphäre sein, die unter – vielleicht auch ausgefalleneren – Phobien leidet?

Also, wenn Sie dramatische, traumatische, tragikomische oder auch exotische Phobien Ihr eigen nennen oder besonders dramatische, traumatische, tragikomische oder auch exotische Erlebnisse damit verbinden, dann schreiben Sie doch einen Beitrag darüber!

*commentarius (lat.) =  Tagebuch

4 Antworten auf „Commentariophobie*…“

  1. Wenn ich solche Phobien-Listen lese, staune ich immer wieder, vor was man sich so alles fürchten kann. Ich möchte mich da auch über niemanden lustig machen, da es sicherlich schwer für Leute ist, die wirklich unter extremen Phobien leiden, aber Dinge wie Angst vor dem Sitzen (Cathisophobie) oder Angst vor dem Stehen (Stasibasiphobie) find ich schon ziemlich krass.

    Teilweise kann man sich das gar nicht vorstellen, wie einige mit einer bestimmten Angst überhaupt leben können. Wie macht das denn jemand, der tatsächlich Angst vor Farben (Chromatophobie) oder Angst vor Schwerkraft(!?! , Barophobie) hat? Das sind ja Dinge, vor denen man wohl kaum weglaufen kann, oder? Und diese Phobien-Listen sind ja geradezu voll von weiteren solcher undenkbaren Phobien.

  2. Stimmt, manches kann man sich tatsächlich kaum vorstellen. Aber so viel-fältig (im wahrsten Sinne des Wortes) das menschliche Gehirn beschaffen ist, so vielfältig sind auch die neurologischen, psychischen oder eben auch physischen Störungen oder Erkrankungen.

    Aber ich kann vieles durchaus nachvollziehen. Und wer bekommt schon (in bestimmten Situationen) Panikanfälle, wenn er Treppen hinunter oder herauf gehen muß? Mir ist bisher noch niemand begegnet… außer mir selbst :-)

  3. Kicher, Angst vor Kinder. ;)
    Meine Phobie haste gar nicht erwähnt in der brillianten Liste *grins*
    Angst vor Schlangen iiiiiiiiiiiiiiiiiiih :shock:

    1. Hallo Nila, schön, dich hier zu lesen :-) !

      Angst vor Schlangen (Ophidiophobie – Angst vor Schlangen) ist ja auch etwas sehr „urtümliches“, haben ja auch sehr viele Menschen. Ich bin nicht der große Schlangen-Fan, ich finde sie aber sehr schön und interessant. Allerdings würde ich sicher auch in Panik geraten, würde mir eine über den Weg „laufen“! Das ist sicher unser evolutionäres Erbe… (Mama geht mit den Kinderlein Beeren sammeln und Wurzeln ausgraben und muß nebenbei das Krabbelzeug im Auge behalten – wobei es sich nach Hunderttausenden von Jahren so gut bewährt hat, daß wir auch ohne Kinder und vor dem Laptop sitzend plötzlich aufspringen würden, wenn sich etwas Schlängelndes in unser Sichtfeld wagen würde ;-) ) Also alles fest verdrahtet mittlerweile, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

      „Angst vor Kindern“ fand ich auch lustig, naja, die können einem manchmal schon Angst machen, diese kleinen Verrückten mit ihren klebrigen Kinderfingerchen!

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