Lechts oder Rinks?

Vorhin beim Bloggestöber fand ich doch beim Sascha einen interessanten Beitrag zum Thema Links- /Rechtshändigkeit:

Da geht mir so allerhand durch den Kopf! Bis vor ca. 2 Jahren hätte ich geschworen, ein Rechtshänder zu sein. Bis sich dann bei unserem Jüngsten bereits im zarten Alter von 10 Monaten zeigte, daß er durch und durch Linkshänder ist. Ich fing an zu lesen. (Frau Magrat fängt ja immer erstmal an zu lesen… ;-)  )

So nach und nach fielen mir merkwürdige Dinge auf: ich kann mein Frühstücksei nur mit links schälen, ich kann prima spiegelverkehrt schreiben, ich habe als Kind und Jugendliche immer alles auch „aus Spaß“ mit links probiert, und das ging meist recht gut. Außerdem ist meine Oma eine Linkshänderin, die man jedoch noch mit Gewalt umerzog. Je mehr ich las und mich beobachtete, desto mehr fiel auf, daß ich außer Schreiben fast alles mit der linken Hand mache. Selbst beim Sportunterricht (oh weh, böses Thema, Frau Magrat als gestaltgewordener Albtraum eines jeden Sportlehrers) fiel derb auf, daß ich nicht einmal wußte, mit welchem Bein ich abspringe usw., so daß mein verzweifelter Sportlehrer mich versuchsweise auch immer mal zu den „bekannten und bewiesenen“ Linkshändern steckte.
Fazit:
Ich schreibe seit 2 Jahren mit links, das klappt und ich bin nicht seltsamer geworden, als ich ohnehin schon war. Ich stricke seit einem Jahr mit links, das ging vorher gar nicht, und ich fühle mich jetzt insgesamt sehr wohl damit. Ich esse jetzt auch entsprechend, halte also das Messer zum Schneiden in der Linken, und siehe da, plötzlich kann Frau Magrat ihr lecker Nackensteak zerschneiden, ohne daß es nach einem Massaker aussieht!
Bei unserem Jüngsten achte ich sehr darauf, daß das Besteck (für ihn) richtigherum liegt, wie er den Stift beim Malen richtig hält, um nicht diesen verkrampften „von oben und alles schön verwischen“-Schreibstil zu erzeugen.

Außerdem kurbeln wir fleißig die (Lefty)Wirtschaft an. Linkshänderstifte, -füller, -portemonnaie, -schreibunterlage, -bleistiftspitzer, -lineal, -schere, -blumentopf (nee, war’n Scherz), außerdem hab ich die Maus auf links gestellt, und überhaupt.

Meine Eltern streiten übrigens alles ab, die Lieben. Naja, bewiesenermaßen schulen sich besonders Mädels oft selbst auf rechts um, um sozial angepaßt zu sein… Ich halte es also durchaus für möglich, daß meinen Eltern das gar nicht bewußt geworden ist damals. Aber ich erinnere mich durchaus an so kleine Begebenheiten, die zeigen, daß das zumindest für mich durchaus ein Thema war damals.

Leider ist auch heute noch nicht in allen Schulen und Kindergärten die Botschaft angekommen, daß man Linkshänder eben DOCH schon im zarten Alter von etwa einem Jahr erkennen kann (siehe oben), und nicht etwa erst im Vorschulalter, da hat nämlich besagter Umschulungsprozeß durch Nachahmung mitunter schon eingesetzt, daß man als Linkshänder eben DOCH das Besteck so komisch „falschherum“ benutzt, und auch, daß es VERDAMMICHNOCHEMAL Literatur zum Thema gibt, die tatsächlich auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist, und…

…DASS ES HÖCHST UNHYGIENISCH UND EKELHAFT IST, JEDEM DIE HAND ZU GEBEN, UND VERWIRREND UND VIELLEICHT SOGAR SCHÄDLICH, WENN ES DANN AUCH NOCH DAS RICHTIGE HÄNDCHEN SEIN MUSS !

So. Dieses Thema finde ich also nicht nur fürchterlich interessant, es verleitet mich auch immer wieder dazu, mich tierisch aufzuregen, Leute ein wenig vor den Kopf zu stoßen, Vorträge und flammende Reden zu halten und dabei auch schon mal in die Luft zu gehen. Das liegt aber wohl an etwas anderem. Stoff für einen anderen Beitrag…. aber nicht heute.

3 Antworten auf „Lechts oder Rinks?“

  1. Wow, schön, dass ich mit meinem Beitrag eine kleine Inspiration geben konnte :) Dass Mädels dazu neigen, sich selbst umzuerziehen, war mir auch neu, aber man lernt ja bekanntlich nie aus^^

  2. Hm, ich frage mich immer, an welcher Tätigkeit man fest macht, welcher …händer man ist. Ist man nun Rechtshänder, wenn man mit Rechts schreibt, aber alles andere mit Links macht, oder umgedreht, oder wie oder was?

    Ich schreibe zwar mit Rechts, mache aber so gut wie alles andere mit Links. Wenn ich mich prügeln müsste, würde ich trotzdem mit Rechts zuschlagen, abgesprungen bin ich früher in der Schule mal so und mal so…

    KA was ich nun bin, dass kann jeder selbst entscheiden :)

    alte-kiehvotz

  3. Tjaaa, das ist gar net so einfach. Ich habe etliche Bücher gewälzt zu dem Thema. Es gibt spezielle Tests, die die Händigkeit herausfinden sollen. Allerdings finde ich diese teilweise sinnlos, wenn da gefragt wird, mit welcher Hand man unterschreibt. Ich meine, wenn man umgeschult wurde oder sich selbst umgeschult hat (unbewußt), dann schreibt man eben mit rechts, das ist ja gerade das Problem…
    Aussagekräftig sind eigentlich nur Tätigkeiten, die nicht anerzogen oder trainiert werden. Aber wo will man da die Grenze ziehen?

    Fragen über Fragen…

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