Wie’än?!

Da ich mich kurz entschlossen heute der Blog-Parade (was es alles so gibt, tss tss) von alte-kiehvotz angeschlossen habe, möchte ich mal ein wenig zum Thema „Dialekte in Deutschland“ schreiben. Faszinierend finde ich das, wie in einer Region so geschwatzt und geschnatert wird, gesabbelt oder gschwätzt, a wengla geplaudert oder auch getratscht wird.

Zum Einstieg eine kleine Geschichte, gefunden im „Heimatkundlichen Lesebuch für den Kreis …“ – aber halt, das wird nicht verraten! Aber vielleicht können Sie es ja ERraten?

Der bießeninge Haring

Vor Johren, wie der Näptun noch uffen Kornmarte schtund, wohnte do en Bengel, der hotte nischt wie Deuwelsschtrieche in’n Koppe. So schtellte sich hingers Fenster met en Pusterohr uff die Luer un schoß den Lieten, die ungene verbiegingen, uff den Buckel oder sunnst wo hän, un die wußten nich, wo’s här kamb.

Einmol hotte sich en Buer von’n Napperdorfe en Haring jelanget. Er wullten gliech bie Sippeln in der Wärtschaft verspachteln un krätschte räwwer zum Näptun, weil’en erscht en bäßchen obwaschen wullte. Wie en grode ungertuchen wil – futsch – kriete eins uf de Foten. Do krehlte wie en Zinshahn: „Du verflecktes Luder, worte mant! Du witt mich woll gar noch bieße?“

So klang es also früher hier in meiner Geburtsstadt. Und um ehrlich zu sein, ich halte diesen Dialekt für einen der unerfreulichsten. Alles klingt so breit, so (Obacht! Persönliche Meinung!) ordinär. Manchmal erschrecke ich förmlich, wenn ich mich dabei ertappe, daß mir so ein „breites“ Wort entwischt. Manchmal mach ich mir aber auch einen Spaß draus, und spreche dann absichtlich und übertrieben so.

Oft wird den Einwohnern hier nachgesagt, sie würden alles „singen“. Um das richtig beurteilen zu können, fehlt mir der nötige Abstand, aber möglich wär’s schon…

Eigentlich finde ich es schade, denn ich mag Dialekte sonst fast vorbehaltlos… So hatte ich vor etlichen Jahren den Dialekt meiner damaligen Möchtegern-Wahl-Heimat so vollendet übernommen, daß selbst Einheimische nicht auf die Idee gekommen wären, ich könnte woanders als in ihrer Heimat aufgewachsen sein. Und dabei handelte es sich um einen Dialekt, der sich quasi gewaschen hat! Der Dialekt des Sumbarcher Unterlands (im Süden Thüringens)! Ein Hammer und absolut unverständlich für jeden, der einige Dutzend und teilweise sogar nur einige wenige Kilometer entfernt wohnte! Aber ich liebte diesen Dialekt! Übrigens ja gar nicht so sehr weit weg von alte-kiehvotz, wenn ich so drüber nachdenke…

Kläna Kostprob?

Heit is ja Dinstich, un heit hot a wengla die Sunn gschiena. Aber ich hau’s vorrer erscht g’hört, doß’es aafn Dunnerschdich oder Freidich kälder sull waar. Na, do mochsta fei wos mit, gall? Ich hau schö gfrora, wie ich n’aus gonga bin. Mei Kleena hat bluaß a dünns Jackla ah‘ wull zieh, allee wie ich’sa gsahn hau, hau iih scho a Gäns’haut ghaut. Ich mauch’s halt, wenn’s a weng worm is, da wird scho amol g’scheit eig’schürt!

So oder so ähnlich. Sollte hier ein Sonneberger oder In-der-Nähe-Wohnender mitlesen und ein paar Fehler finden, dann bitte ich um nachsichtige Korrektur, es ist wirklich schon ein paar Jahre her ;-) …

2 Antworten auf „Wie’än?!“

  1. Also nach dem Geschriebenen hätt ich den Dialekt jetzt irgendwo in Sachsen eingeordnet. Aber Thüringen ist ja nicht gerade weit entfernt :)

    Lesen konnte ich die Absätze eigentlich recht gut, aber ich glaube, wenn man das mal richtig mit original-Dialekt hört, versteht man da auch nur noch fetzen :D

    Auf jeden Fall schonmal ein großes Danke für den Beitrag und vielleicht gewinnst du ja auch einen der kleinen Preise am Ende der Blogparade :)

    Gruß alte-kiehvotz

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