Uuh – häßlich!

Da haben wir also nun den ersten Tag Probeunterricht hinter uns. Naja, eigentlich hat unsere Große ihn hinter sich, aber als Eltern leidet man ja immer ein wenig mit.

Gestern wurden, wie immer auf den letzten Drücker – wie es so unsere Art ist – alle benötigten Utensilien zusammengesammelt (Schreibblöcke, Schreibzeug, Kleber, Schere und dergleichen). Leider war das Handy nicht mehr auffindbar. Natürlich braucht ein Viertklässler nicht unbedingt ein Handy, aber wenn der Blutzucker im Keller ist oder steigt wie eine Rakete, oder auch der Pen einmal nicht funktioniert, oder auch  Meß- und/oder Spritzzeug einfach zuhause vergessen worden sind, dann ist es doch gut zu wissen, daß das Kind jederzeit anrufen kann.

Wie auch immer, das Handy  war und blieb verschwunden.

Heute früh hätten wir dann fast noch verschlafen, aber glücklicherweise hat unser Mittelkind eine prima innere Uhr und kam pünktlich zu uns ans Bett, um zu kuscheln – nun aber nix wie raus aus den Federn Polymeren!

Also Kindchen hingebracht, ein paar Kilometer von uns entfernt, und mittags wieder abgeholt.

Und da war es: das reine Dejavú [Deschawüh] ! Ein Tagtraum! Ein…aber lesen Sie selbst:

Die zuständige Schule befindet sich offensichtlich in einer Zeitfalte oder -schleife, da bin ich mit mir noch nicht ganz einig geworden. Wer im sogenannten Ostblock den neuen Bundesländern der ehemaligen DDR aufwuchs, kennt sie: diese Schulen, mit den fischförmigen Beton-Fertigteilen und den Glassteinen im Treppenaufgang, daneben die Typenbau- Turnhalle und obendrein ein riesiger Schornstein mit eigenem Heizwerk oder was weiß ich.

Und so häßlich! Marode, abgeblätterte Farbe/Tapete/Putz, schäbig, eklig und.. und.. mir fehlen die Worte. Hammer. Da wurde in all der Zeit nix gemacht! Oder ganz heimlich, damit es niemandem auffällt. Sogar die Toiletten sind scheinbar noch die alten! Mit all dem Mief und Gestank, mit diesen häßlichen dunkelbraunen Fliesen, und bestimmt haben die Jungs auch noch eine Pieselrinne… Bäääh!

Etwas Gutes hat ja eine solche Schule. Ohne jemals einen Fuß hineingesetzt zu haben, weiß man dennoch sofort, wo die Klos sind, wo die Aula ist…

Hah! Die Aula! Hammer! Sogar die typische Holzlamellen-Schiebewand ist noch vorhanden, wie damals, bei Erich! Und eine kleine Bühne, ich hatte das Gefühl, jeden Moment müsse eine Gruppe Jungpioniere erscheinen und mit uns allen das Fest der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft feiern. Ihr wißt schon: „Freundschaft zur Sowjetunion – Herzenssache aller!“ Oder „Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen!“ Oder auch „Der Sozialismus siegt!“

Leute, echt, ich werde nicht drüber fertig. Hier lernen Kinder? Ich meine, und davon bin ich nur schwer abzubringen: „Häßliches macht böse.“

Bestimmt. Oder depressiv. Je nach Veranlagung. Das kann nicht gut sein.

Jedoch – es gab zwei kleine Dinge, die mir sagten, das alles hier ist echt, ist hier und heute: die Pippi-Langstrumpf-Wandzeitung (das hätte es früher schließlich nicht gegeben, fiel das nicht sogar auch unter „Schund- und Schmutzliteratur des Klassenfeindes“? Ach ja, und der CocaCola-Automat.

Nun war ich sicher – nix Zeitschleife, nix Zeitfalte – das hier ist die real existierende Gegenwart. Leere Gemeindekassen in einem kinderunfreundlichen Land.

Ich war wieder aufgewacht…

P.S. Das Handy hat sich auch wieder angefunden: unser Jüngster hatte wohl einen wichtigen Anruf tätigen müssen, und hatte es danach in seiner Spielkiste verstaut.

Kommentare sind geschlossen.