Der Schizo in mir… Und mir! … Und in mir!

Spaltungsirresein. Naja, klingt auch nicht besser. Und ist eine ernste Sache, ich weiß. Ich schreibe hier nur über das KLISCHEE, also: Obacht!

Manchmal nimmt einen ja eine Nacht schon ziemlich mit, und ein andermal schläft man wie ein Stein, wacht auf, und:

Heute morgen zum Beispiel. Mein Mann muß heute schon früh aus dem Haus, also bringe ich die 3 Rüben in Kindergarten bzw. Schule. Naja eigentlich nur 2, aber der 3. muß ja trotzdem mit. Und so ziehen wir los, nach einem kurzen Kampf  um die Winterschuhe, denn mein Sohn möchte sie vor die Tür stellen, damit der „Nititaus“ etwas hineintun kann, und besteht nun darauf, Sandalen anzuziehen. Das halte ich in Anbetracht des Schnees und leichten Nieselregens für keine gute Idee. Aber ganz pädagogisch überzeuge ich ihn („Der Nikolaus legt erst etwas in die Schuhe, wenn es dunkel wird, sieh mal, die Sonne geht auf, es ist schon fast hell!“) in der Hoffnung, daß er das bis heute abend wieder vergessen hat.

Währenddessen sind die beiden Großen angezogen. Mit Sack und Pack ins Auto, kaum hab ich den Jüngsten angeschnallt, schimpft und tritt er gegen die Tür, weil er „Alleine einteigen!“ wollte. Egal.Es ist kalt, es nieselt, es ist grau – alles paßt.

Endlich angekommen (nach 5 Minuten Fahrt, in denen unser Mittlerer die ganze Zeit weinerlich seine rutschenden Socken beklagt), steigen wir aus. Die Zeit ist – wie immer – sehr knapp. Unsere Große muß aber unbedingt noch den Schlitten aus dem Auto mitnehmen. Und den schweren Ranzen. Und die Geige. Und die Kuscheltiere. Und – zack, sitzen die Jungs auf dem Schlitten. Ich kollabiere fast. Rufe ärgerlich. Und jetzt kommts: meine 2. Persönlichkeit erwacht! Ich mutiere zum berühmten Bierkutscher! Fluche, schimpfe. Sie sollen doch endlich vom Schlitten steigen! Sie sollen SOFORT von der Straße weggehen! Sie sollen verdammichnochemal auf mich warten! – Und jetzt: wollen sie auch einen Schlitten haben. Natürlich. Der Schnee schmilzt zusehends unter unseren Füßen, aber sie wollen einen Schlitten.

Ich gehe zum Kofferraum und hole ihn wider besseren Wissens heraus. Und – zack, sitzen sie beide drauf. Nein stimmt nicht ganz, denn jetzt entbrennt der Streit, wer VORNE sitzen darf. Nach gefühlten 10 Minuten haben sie sich geeinigt und sitzen nun so, wie sie immer auf dem Schlitten sitzen. „Los, Mama!“ Ich nehme den Strick, ziehe, zerre, verziehe zusätzlich noch mein Gesicht, bringt aber nix, der Schlitten steht. Wie festgemauert. Ringsherum werden wir ein wenig von den anderen Eltern beobachtet, ich weiß es genau. Nun aber, ich immer noch als Bierkutscher, jage ich die Jungs vom Schlitten, schnappe mir das olle Ding, gehe zum Auto und versperre mit grimmiger Mine und leise vor mich hinfluchend einem harmlosen Rentner-Ehepaar den Weg zwischen meinem und dem Auto hinter mir,  indem ich das verdammte Ungetüm böse auf den Asphalt krachen lasse. HAH, dem hab ich’s aber gezeigt!

Jetzt gehts aber wirklich los, auf in den Kindergarten. Ich schnappe mir die Jungs, als in diesem Moment die Erzieherin unserer Großen grienend an uns vorbeigeht. Ich kann nur erahnen, wie lange sie unser Schauspiel verfolgen konnte… Immerhin, wir haben ein gutes Werk getan, sie konnte sich an diesem Morgen schon einmal prächtig amüsieren…

Dann im Kindergarten verlief alles recht friedlich. Zuhause wieder angekommen, vollzog sich erneut eine Verwandlung in mir. Wir steigen aus dem Auto. Es ist hell und freundlich, die Sonne scheint, Vögel singen (okay, Krähen krächzen), das Brötchenauto steht vor dem Haus. Mein Kleiner und ich holen schnell 2 Doppelte, bevor die Brötchenautofrau die Klappe schließt (die vom Auto, nicht ihre). „Noch ‚Hacktet holen!“ Eigentlich keine schlechte Idee, lecker Gehacktes zum Frühstück… hmm. Und so gehen wir schnell noch zum Fleischer um die Ecke. Unterwegs sehen wir verschiedene Spuren im Schnee (Kinderwagen, Hund, Fahrrad, Fußvolk). Ab und zu schiebt sich mein Sohn eine kleine Portion Schnee in den Mund  – naja. Ich werde zu einer glücklichen, rührseligen Mutter, die weiß, daß er in ein paar Monaten (eigentlich nur noch Wochen) auch in den Kindergarten gehen wird. Daß dann alle 3 Rüben WEG sind, wenn auch nur für ein paar Stunden. Daß es dann vormittags keine Littlefoot-Filme mehr gibt, und frühmorgendliches Bettgekuschel. Daß ich dann endlich mehr Zeit für mich hab, und gleichzeitig Angst davor. Daß … ach menno.