Zwergkrallenfrösche – Haltung

Es gibt eine Vielzahl guter Webseiten, Blogs, Bücher, die sich alle mit diesem Thema befassen. Ich möchte nicht das Rad neu erfinden oder zum x. Male dieselben Fakten hier verbreiten, außerdem liegt es mir fern, hier allgemeingültige und absolute Aussagen zu treffen. Deshalb: alles hier Geschriebene spiegelt lediglich meine Meinung wieder, beruht auf meinen Erfahrungen und Erlebnissen.

ZKF-Becken

Bevor meine ZKF in ihr Domizil einzogen, wohnten sie schon einige Zeit im „großen“, sprich im 180l-Becken, gemeinsam mit Segelkärpflingen (Poecilia velifera) und 2 Anchistrus dolichopterus. Diese ließen die Fröschlein meist unbehelligt, das Zusammenleben verlief recht unproblematisch. Die Frösche hielten sich jedoch die meiste Zeit versteckt, weder Häutung noch eine Paarung waren zu beobachten. Wahrscheinlich warteten sie bis Einbruch der Dunkelheit, um dann ein wenig herum zu streifen.

Um nun noch mehr am Leben meiner Zwergkrallis teilnehmen zu können, beschloß ich kurzerhand, ein zweites Becken aufzustellen. Hierbei handelt es sich um ein gewöhnliches 54l-Aquarium, 60cm x 30cm.

Bevor jedoch das große Einrichten beginnen konnte, wurde ein Hamburger Mattenfilter gebastelt (HMF). Über diesen hatte ich einige Zeit vorher allerhand gelesen, nun stand fest: Diesen oder keinen.

Material:

  • eine blaue Schaumstoffmatte aus dem Aquaristik-Handel, 5 cm dick, zugeschnitten auf ca. 30 x 30 cm
  • mehrere Stücke Plastikrohr, Durchmesser 3cm (Fa. Hobby)
  • Silikon (aquariumtauglich)
  • einen Luftheber (Fa. Hobby)
  • eine Luftpumpe (Tetra)
  • Luftschläuche inkl. Rückschlagventil, Regler

Vorgehensweise:

  • es werden etwa 6cm (Länge ist nicht so wichtig) lange Stücke des Plasterohres (vorher mit dem Cutter auf die richtige Länge gebracht) mit Silikon jeweils links an Rück- und Vorderscheibe befestigt
  • ein weiteres, knapp 30 cm langes Stück Rohr wird direkt auf den Boden geklebt, ebenfalls links
  • diese Stücke dienen lediglich als Abstandhalter für die nun einzusetzende Filtermatte, es gibt viele andere Varianten!
  • jetzt kommt die auf Größe einer Seitenscheibe zurechtgeschnittene Matte, welche  vorher noch gut ausgespült wurde; sie wird parallel zur linken Seitenscheibe eingesetzt, ein weiteres Stück Plasterohr, diesmal nur auf der Rückseite festgeklebt, um die Optik nicht zu stören, hält sie davon ab, sich quer zu stellen oder einfach umzufallen
  • der Luftheber wird nun in den Raum zwischen Scheibe und Matte eingebracht, hierfür einfach mit dem Cutter einen schmalen (!) Schnitt in die Matte für das Auslaufrohr, so kann sich die Matte wieder um das Rohr herum schließen
  • Wichtig: der Auslauf des Lufthebers sollte nicht zu hoch liegen, nach meiner Erfahrung ist es günstig, ihn knapp unter der Wasseroberfläche anzubringen, da sonst das gefilterte Wasser nicht überlaufen kann (ähnlich wie bei einer Schlauchwaage oder ähnlichem)
  • nähere und ausführlichere Informationen zur Wirkungsweise, zum Aufbau inklusive diversen Berechnungstools für andere Beckengrößen u.a.  gibt es auf der Webseite von Dipl.-Ing. Olaf Deters: http://www.deters-ing.de/Filtertechnik/Mattenfilter.htm

Der HMF arbeitet als biologischer Filter. Er läuft im Froschbecken seit September 2006, also zum jetzigen Zeitpunkt schon fast zweieinhalb Jahre, wohlgemerkt ohne ihn ein einziges Mal herausgenommen oder gesäubert zu haben! Die vormals hellblaue Matte hat sich aufgrund der arbeitenden Bevölkerung, also der für den Abbau schädlicher Verbindungen wichtigen Bakterien, bräunlich verfärbt, ist am oberen Rand mit Riccia fluitans sowie mit Javamoos bewachsen und bietet einen tollen Weidegrund für meine Zwerggarnelen. Die Wasserwerte sind stabil, und es konnten noch keine erhöhten Nitrit-/Nitratwerte gemessen werden.

Traumhaft! Hätte ich ihn schon vorher gekannt, ich hätte ihn auch in mein großes Becken eingebaut. Dieses läuft mit einem Tetra EX700 Außenfilter, auch stabil, aber doch mit einem nicht unerheblichen Mehr-Aufwand, die Verbrauchsmaterialien nicht eingerechnet.

Nachdem also nun das Silikon getrocknet und die Luftpumpe an den Luftheber angeschlossen war, ging es ans Einfüllen des Bodengrundes. Dieser hatte nun leicht experimentellen Charakter, ich brachte eine Schicht feinen Ostseesand ein, eine weitere Schicht roten Wüsten-(Terrarien-) Sand und darauf eine Schicht Torf (zerbröselte Torfplatten von Hobby). Die „Torf-Haltung“ sorgt zwar immer mal wieder für Meinungsverschiedenheiten, ich persönlich kann aber nur positives berichten. Die Frösche fühlen sich offenkundig wohl, ebenso die mit ihnen vergesellschafteten Zwerggarnelen. Das leicht saure Milieu scheint der Froschhaut zuträglich zu sein (ich vergleich das jetzt mal mit dem in der Werbung vielzitierten Säureschutzmantel unserer Haut ;-) ). Obendrein tummelten sich nach einigen Tagen bis Wochen einige Mikro-Würmchen im Bodengrund, die nie zur Plage wurden, sondern für eine willkommene Abwechslung auf dem Frosch-Speiseplan sorgten.

Zwei Dinge allerdings klappen nicht so ganz, beide führe ich auf den Torf zurück:

  1. „Normale“ Stengelpflanzen wachsen hier praktisch überhaupt nicht, das spielt aber bei mir nur eine untergeordnete Rolle, da im Froschbecken ohnehin nur Moosbommeln, Riccia fluitans, Monosolerum tenerum (das von mir sehr geschätzte Hirschhornlebermoos, welches nicht auftreibt, sondern am Boden dichte Büsche bildet) sowie an der Oberfläche Wasserlinsen und Frsochbiß wachsen sollen und das auch tun. An der Matte sowie an einer Moorkienwurzel wächst außerdem noch ein wenig Javamoos.
  2. Für die meisten Wasserschnecken dürfte das Wasser zu sauer sein und somit ihre Kalk – Gehäuse angreifen. Blasenschnecken, Apfel- sowie Posthornschnecken haben hier keine Chance. Gut verkraften tun hingegen die allgegenwärtigen Turmdeckelschnecken den etwas niedrigeren pH-Wert (ca. 6,6). Sie wachsen und vermehren sich.

Nach einer Einlaufphase von ca. 2 Wochen zogen die ZKF nun in ihr neues Zuhause um. Sie begannen bereits nach wenigen Tagen, sich zu paaren, und man konnte sie nun auch regelmäßig zirpen hören – kurzum: sie fühlen sich hier wohl.

Die mitgehaltenen Zwerggarnelen (Neocaridina sp.) vermehren sich regelmäßig und zeigen prächtige Farben.

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