Zwergkrallenfrösche – Allgemeines

Sieht man diese kleinen Gesellen zum ersten Mal, kommt man nicht umhin zu staunen ob ihrer filigranen Gestalt, ihrer winzigen Perfektheit. Kleine Schwimmhäute zwischen den Zehen und  zwischen den Fingern machen sie zu etwas ganz Besonderem, denn die Frosch-Norm beinhaltet sonst lediglich die hinteren, die Zehen-Schwimmhäute. Doch damit nicht genug, verfügen sie über eine weitere Besonderheit: sie besitzen keine Zunge. Damit gehören sie zu den sogenannten Zungenlosen, den Pipidae.

Als Zwerg-Krallenfrosch machen sie ihrem Namen alle Ehre: sie werden maximal 4-5 cm lang. Einige bleiben auch deutlich kleiner, insbesondere Männchen, erkennbar an ihren Postaxillardrüsen (kleine rosa Knubbel, welche sich direkt hinter den kleinen Ärmchen bzw. unter der Achsel befinden). Diese üben augenscheinlich einen besonderen Reiz auf die Damenwelt aus. Welche weitere Funktion sie haben, ist mir nicht bekannt. Die Weibchen sind oft beträchtlich fülliger, durch ihre links und rechts am Rumpf sichtbaren Ovarien (Eierstöcke) wirken sie recht breit.

Und damit nicht genug: hätte ich es nicht selbst gehört, ich hätte es nicht geglaubt: sie zirpen! Sie machen unter Wasser Geräusche, die man – leise, aber deutlich – hören kann, ein Geräusch, das an zirpende Grillen erinnert, und das besonders nachts, wenn sie sich wohl fühlen und „in Stimmung sind“ (wozu auch immer).

Wie aber hält man sie nun? Frösche, das sind doch Amphibien, also Lebewesen, welche an Land und im Wasser leben, oder? Nun ja, an sich ist das richtig, und es soll auch Zwergkrallis geben, die – mies gehalten – sich auf den Weg machen, aus dem Aquarium hinaus, ab auf den Teppich, und dort… ach, auch diese Erfahrung habe ich machen müssen, mit Esmeralda, meinem ersten Zwergkrallenfrosch, den ich vor gefühlten 100 Jahren, aber tatsächlichen knapp 20 Jahren, in einem Zooladen erstanden hatte. Der fachkundige Hinweis des Händlers, ich könne ihn ruhig allein in ein kleines, nicht abgedecktes 60cm – Becken mit überdimensioniertem Fischbesatz und fragwürdigen Wasserwerten setzen,und  er fräße außerdem normales Trockenfutter, erwies sich als nicht ganz korrekt. Tatsächlich stimmte darin lediglich die Aussage, er bräuchte keinen Landteil. Nun, Esmeralda fand ich nach einigen Monaten, die sie in meinem Aquarium ausgehalten hatte, auf dem Teppich unter dem Aquarien-Tisch. Sie war vertrocknet.

Die ursprünglich aus Afrika stammenden Zwergkrallis leben wirklich ständig unter Wasser (aquatil), können aber, wenn die Not zu groß wird und bsw. ihr Heimatgewässer in Afrika austrocknet (oder eben die Situation im Aquarium zu belastend wird) auch kurze Strecken über feuchte Wiesen (oder eben trockene Teppiche) zurücklegen, um so einen neuen Lebensraum (oder eben den sicheren Tod) zu finden.

Ab und zu ruhen sie sich auf einer nahe der Oberfläche befindlichen Pflanze aus, strecken das Schnäuzchen aus dem Wasser und atmen hier ein wenig atmosphärische Luft. Die meiste Zeit aber verstecken sie sich in Bodennähe, unter Wurzeln, im Pflanzendickicht. Zum Luftholen steigen sie auf, oft recht gemütlich, oder auch, wenn die Luft knapp zu werden droht, recht hektisch, stoßen durch die Wasseroberfläche, holen kurz Luft und sausen dann mit einer Geschwindigkeit, die man den sonst so gemütlichen Gesellen nicht zutrauen mag, zurück, immer so weit herunter wie möglich, sich sofort wieder versteckend. Erst nach einer Weile lassen sie sich dann sehen, ohne störenden, weil neugierigen, Fischbesatz um so eher.

Okay, man kann sie mit Fischen zusammen halten, auch ich habe dies mehrfach so gehandhabt (in Ermangelung eines geeigneten Beckens), aber möchte man all die interessanten Verhaltensweisen beobachten, von der Futteraufnahme über die gelegentliche Häutung bis hin zur Paarung, so ist dies eigentlich nur in einem Artaquarium möglich. Die von mir außerdem gehaltenen Zwerggarnelen wirken sich hingegen absolut nicht störend aus.

Als echte Räuber, und das sind die Fröschlein bereits als Kaulquappen, eine absolute Seltenheit im Tierreich, fressen sie alles, was nach Futter riecht, sich nicht allzu schnell bewegt und nicht zu groß ist, also gerade noch so ins Mäulchen paßt. Durch einen Unterdruck, der beim Öffnen des Mauls entsteht, wird die Beute förmlich eingesaugt, man nennt dies „Saugschnappen“. Meine Frösche mögen das Gelee-Futter von Tetra, jegliches Frostfutter, Artemien, aber auch Futtertabletten für Welse. Es soll jedoch auch Frösche geben, die jegliches Trockenfutter angewidert liegen lassen.

So lieb sie sind (kein Lärm, keine Unordnung, keine Widerrede), sie sind erschröckliche Laichräuber.

Als ich das erste Mal kleine runde Froscheier auf der Wasseroberfläche treibend entdeckte (die Eier trieben dort, nicht ich), dachte ich noch so:  pfui Teufel, Laichräuber, nein, meine Frösche machen sowas nicht! Aber weit gefehlt…. Darüber jedoch an anderer Stelle mehr.